Kennt ihr diese Postkarten: statt Bild nur graue oder schwarze Fläche. “Soundso im Nebel” oder “bei Nacht” steht da meist. So ähnlich war das auf unserer sechsten diesjährigen Etappe auf dem Trans Swiss Trail dieses Jahr. Wir schreiben Freitag, den 25. September 2009.

Im Go-In in Sörenberg wartet - wir sind die einzigen Gäste - ein handfestes Frühstück mit Käse, Joghurt, Obst und Müsli. Kraftnahrung sammeln. Vor dem Haus steht eine Sitzbank, gefertigt aus Snowboards. Cool. Gegen 9 Uhr sind wir wieder auf Tour. Im Supermarkt decken wir uns mit Brot ein - und einigen Mitbringseln für zu Hause.
Der Weg zieht sich durch eine großflächige Zweitwohnungs-Siedlung, vorbei am Hallenbad, der linken Talflanke entlang aufwärts. Nebelschwaden allüberall.
Zwischendurch schöpfen wir Hoffnung, wenn es - wie an allen anderen Tagen - ein wenig auflichtet und ein Hauch Sonne sich blicken lässt.
Anders als sonst lässt sich die Sonne heute aber Zeit. Wir queren reißende Bäche, wandern durch großflächige Almen und kommen auf knapp 1300 Meter Höhe an der Flüehütte vorbei. Hier verläuft die Grenze zwischen Kanton Luzern und Obwalden. Die einzigen Lebewesen, die wir treffen sind die Weidekühe, die mit dem Wetter vielleicht kein Problem haben.

Eine von denen hat eine wunderschöne Glocke, deren Inschrift wir genau studieren können. Eine andere zeigt klar und deutlich, was sie vom Wetter hält: alles Sche….!
Gegen 11.20 Uhr haben wir den Glaubenbielen-Paß erreicht. Genauer: den Parkplatz in der Nähe des Passes.


Hier stehen zwei Holzhäuschen. Im einen gibt es einen Milchprodukte-Automaten. Da kann man vom Frischkäse bis zum Bergkäse alles mögliche auswählen und gut gekühlt kaufen. Ein Plakat erklärt, wie wichtig die Milchwirtschaft für die Bauern und die Landschaft ist.

Gegenüber in der zweiten Holzhütte steht ein menschliches Verkaufswesen. Die nette Dame lässt uns gleich von den verschiedenen Alpkäsen der Alp Jänzimatt (1637 m) kosten, sodass wir eine gehörige Portion uns abschneiden und einpacken lassen - für die Rast nachher und als Mitbringsel.

Ab und zu rauscht auch ein Auto vorbei. Für die großen Fahrzeuge gilt eine 2-Stunden-Regelung. Wer also Pech hat, muss zwei Stunden warten bis er die Strecke befahren darf. Die Straße ist nämlich nur so breit, dass da ein Fahrzeug Platz hat. Das Postauto hupt denn auch mit dem typischen Signalhorn lautstark vor jeder Kehre. Ein paar hundert Meter weiter sind wir auf dem höchsten Punkt unserer diesjährigen Tour, dem Glaubenbielenpass (1611 m) angekommen. Und immer noch alles voller Nebel. Rechts oberhalb von uns können wir den Giswilerstock mit seinen 2011 m nur vermuten.

Gegen 12 Uhr gehen wir weiter. Nun folgt der längste Abstieg der Tour: von 1600 auf ca. 450 m in Giswil am Sarnersee. Mir schlottern schon die Knie beim Drandenken! Der Weg zieht sich durch Felsen, durch Wald und Wiese. Enziane in allen Varianten blühen am Wegrand. Aber was sind das für große Schranken mitten in der Wiese?? Es sind Schneekanonen offenbar. Während Helmut ein paar Fotos versucht, checke ich kurz die Mails. Ist schon irre in der Schweiz: da kannste am abgelegensten Abhang per Swisscom ins Web. Sozusagen von jedem Kuhfladen aus. Wahnsinn, oddr?!

Beim langen Abstieg durch den Wald entsteht dann auch das Bildmotiv des Tages: Wandern im Nebel im Kanton Obwalden.

In einer langgezogenen Kurve der Autostraße finden wir eine Sitzbank und machen hier beim Chli Schwand (1129 m) unser Picknick. Es ist immerhin schon halb zwei Uhr. Zwischendurch werden die Nebeltröpfchen spürbar dicker. Für den Regenmantel - der immer noch unbenutzt ganz unten im Rucksack ist - aber noch kein Grund.
An einem Gebirgsbach entlang kürzt der Wanderweg zwischen den Straßenkehren ab. Wir müssen über eine nasse, glitschige und völlig schiefe Brücke. Spannung!

Wir haben es ohne Absturz geschafft. Gaaanz vorsichtig.
Endlich sind wir weit genug heruntergekommen. Viertausender sehen wir noch immer nicht, aber einen Hauch von Sarnersee im Hintergrund. Suchbild-Rätsel sozusagen. Und für dieses Jahr das Tour-Ende.

Schon ist der Weg geteert, wird aber auch immer steiler. Es geht rapide abwärts. Wir gehen zwischen den ersten
Holzhäusern in den Weiler Kleinteil hinab. Ein alter Holzspeicher stellt sich als Rarität heraus: es ist ein Doppelspycher, der aus dem 17. jahrhundert stammt. Alle einfachen Spycher wurden jeweils von einem einzigen Besitzer benützt, da man den Zugang zu den persönlichen Vorräten nicht für andere öffnen wollte. Dieser Doppelspycher ist das einzige Gebäude dieses Typs im Kanton Obwalden. Die Firstlinie teilt das Gebäude in zwei symmetrisch angeordnete Hälften mit verschiedenen Eigentümern. Jeder Raum dieses Gebäudes ist durch einen separaten Zugang von der jeweiligen Haushälfte her erschlossen.
An der kleinen Kirche vorbei geht es weiter abwärts. Zum Schluss hin tangieren wir das Dörfchen Giswil nur zwischen Kanal und Laui-Fluss entlang. Der Bahnhof liegt ein wenig außerhalb. Und da ist gegenüber auch das Hotel Bahnhof, wo unser restliches Gepäck bereits auf uns wartet. Erstmal noch ein Tässchen heißen Kaffee, dann gehts auch schon weiter: Wir kaufen Fahrkarten, zunächst bis Luzern.
Schon kommt der Interregio der zb (Zentralbahn) per Zahnrad eine steile Schienenstrecke vom Brünigpaß herab und fährt in den Bahnhof ein. Im “Golden Pass Panoramic” sausen wir los, zunächst am Sarnersee und dann am Vierwaldstätter See vorbei. In Luzern trennen sich unsere Wege.
Mein Heimweg führt weiter nach Zürich und von dort aus über Schaffhausen, Singen und Stuttgart nach Hause. 
 Sörenberg - Glaubenbielen - Giswil: Ca. 17 km Wanderstrecke, angegebene Wanderzeit: 5:15 Std., Aufstiege: 501 hm, Abstiege: 1157 hm
 Hier gehts zur Google-Karte vom sechsten Tag. - GPX-Datei herunterladen (rechte Maus; speichern unter)
voriger Tag || nach oben || erster Tag 2009
Neueste Kommentare