Ligurien-Wanderung (Nachklapp+Übersicht)

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Liebe Besucher,

dieses Webtagebuch ist chronologisch aufgebaut; dieser Beitrag ist der letzte von sieben. Die nachfolgende Übersicht soll helfen, einen schnellen Einstieg zu finden.

Übersicht:

 1. Tag: Anreise nach Camogli

 2. Tag: Ruta - Santa Margherita Ligure Diaschau

 3. Tag: Camogli - San Rocco - San Fruttuoso - Portofino Diaschau

 4. Tag: Rapallo - Chiavari - Riomaggiore Diaschau Panorama

 5. Tag: Genua-Nervi - Cornua - Recco - Camogli Diaschau

 6. Tag: Ruta - Monte Manico del Lume - Rapallo Dias Panorama

 7. Tag: Cinque Terre: Monterosso - Vernazza Diaschau

 8. Tag: Rückreise, Literatur, Web-Tipps

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Herrliche Bahnhofshalle: Milano Centrale

12 Stunden Rückreise:
Am Sonntag geht es über Genova-Brignole mit dem IC nach Milano und von dort aus in einem Rutsch im vollgefüllten Cisalpino bis Stuttgart zurück.

Damit endet dieser Reiseerlebnisbericht.

Web-Tipps:

* http://www.italienwandern.de/com/Reise2.html
* http://www.5terre.de
* http://www.wanderweb.de
* Reiseberichte aus aller Welt
* Reiseberichte.com

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Literaturtipps:
Bücher direkt hier bestellen!

Christoph Hennig: Cinque Terre und ligurische Küste. Der Klassiker über Ligurien zwischen La Spezia und Genua. 369 S., 19,80 Euro

Georg Henke, Christoph Hennig: Wandern in Ligurien. DuMont aktiv. 30 Touren. Exakte Karten. Höhenprofile. 156 S., 12 Euro

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Ligurien-Wanderung (7)

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Siebter Tag. Samstag.
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Cinque Terre: Monterosso - Vernazza

Es scheint heute es ein Regentag zu werden. Die Tropfen fallen aufs Glasdach des kleinen Wintergartens im Frühstücksraum. Heute gibts wieder den frischen Obstsalat zum Frühstück! Wir fahren von Camogli über Sestri Levante nach Monterosso al Mare, das erste der Cinque-Terre-Dörfer. Vom Bahnhof aus müssen wir erst mal in östlicher Richtung entlang der tosenden Küste gehen. Kein Mensch badet bei diesem stürmischen Wetter, das Meer tost, hohe Wogen schlagen gegen die Felsen. Der kleine Kiosk am Bahnhof hat sich geschäftstüchtig mit farbigen Regencapes und Schirmen ausgerüstet. Durch den Tunnel zwischen Bahnhofsstrand und Altstadt zieht kalte Luft wie ein starker Sog hindurch. Die kleinen Sträßchen der Altstadt sind noch feucht, Schirm oder Regenmantel können wir aber eingepackt lassen. Alles scheint auf besseres Wetter hinzudeuten.

Monterosso al Mare, Kirche

In den Arkaden am Dorfplatz hinter der Kirche geben Mitglieder eines caritativen Vereins Fischgerichte und Risotto aus - schade, dass wir noch keinen Hunger haben. Wir schauen uns die pittoreske Altstadt mit ihren engen Gässchen an. Beeindruckend ist die Kirche San Giovanni Battista mit ihrer schwarz-weiß gestreiften Fassade und der fein gemeißelten Rosette.

Fahrrad-Stilleben in Monterosso al Mare

Im Haus der Nationalparkverwaltung kaufen wir zwei Billets für die Via dell’Amore (je 3 Euro). Das gibts nicht alle Tage: Eintrittskarten für einen Wanderweg. Hinter den Häusern am Ortsrand zieht sich der Treppenweg hinauf, wir erhaschen immer schönere Blicke zurück aufs kleine Dörfchen, aufs Meer, auf den Strand vor dem Bahnhof. Oberhalb des Dorfes sehen wir das Kapuzinerkloster, draußen auf dem Meer scheint in einem schmalen Streifen am Horizont entlang die Sonne und malt einen gleißenden Querstrich dorthin, wo sich sonst Wasser und Himmel treffen.

Sonnenstreifen am Horizont

Die Sonne bricht sich Bahn, bald wird uns reichlich warm beim Wandern. Immer weiter hinauf gehen die Treppen, an einem kleinen plätschernden Rinnsal entlang, hinter Trockenmauern wachsen Weinreben, eine kleine “römische” Bogenbrücke spannt sich über ein weiteres Bächlein. Ein jung-sportliches englisches Pärchen im Turboschritt überholt uns. Nicht lange und wir haben sie beim Klamottenwechseln wieder eingeholt. Vor uns ragen Landzungen ins Meer, dazwischen die Häuser von Corniglia und ganz hinten ein paar Häuser von Riomaggiore. Feigenkakteen an der Steilwand. An einem Aussichtspunkt ist es Zeit für eine Vesperpause; wir trinken den Rest des Cinque-Terre-Weins, essen den Käse und den Schinken auf. Hinter den nächsten Felsrippe bietet sich der unvergleichliche Anblick auf das malerische Vernazza.

Blick von Vernazza Richtung Westen

Auf einer kleinen Halbinsel drängen sich Häuser und die Burgtürme, wir sehen bunte Sonnenschirme, farbige Fischerboote im Hafen, die Kirche mit dem schönen Glockenturm. Eine blühende Bougainvillea setzt der Aussichts-Euphorie die Krone auf: blütenumkränzter Ausblick!!

Vernazza, das bekannteste der Cinque-terre-Orte

Noch ein paar Dutzend Stufen hinunter, durch enge Gassen hindurch, Katzen liegen dösend an der Hausecke, lassen sich ablichten wie verwöhnte Fotomodels.
Auf der kleinen Piazza am Hafen ist wie immer viel los; die Cafés haben geöffnet, es gibt kaum mehr freie Plätze, jeder versucht hier auf die angenehmste Weise ein wenig Sonne zu tanken. Bunte Hausfassaden, dunkelgrüne Fensterläden, Wäsche flattert.

Ein duftendes Eis in Vernazza. - Foto: Helmut Eßlinger

Kurz in die nächste Gelateria und schon beginnt auch für uns der Genuß! Dann noch ein Cappuchino ganz vorne am Café an der Hafenmole. Und schließlich ein Bummel für Genießer entlang der Hafenmauer. Bunte Boote schaukeln im geschützten Hafen, Kinder kreischen am Strand bei der Kirche, ab und zu saust hinter der Kirche einen Zug vorbei. Das Personenschiff, das entlang der fünf Orte regelmäßig verkehrt - das haben wir von oben verfolgen können - hat einen vergeblichen Versuch gemacht, an der Landebrücke festzumachen. Die Wellen sind aber so heftig, dass es den Versuch bald aufgegeben, umgedreht und weitergefahren ist. Immer wieder fegen besonders hohe Wellen mit Wucht über den Anleger, peitscht das Meer den Schaum zu sprühenden Nebeln hoch.

Gefährlich: Die Brandung kann die Schwimmer gegen die Mole schmettern

Junge englische Touristen springen mutig in die Wellentäler und lassen sich von den wuchtigen Wogen wieder auf die Plattform des Anlegers hinaufspülen. Sieht sehr gefährlich aus. Und schon bald humpelt einer von ihnen nach hinten.
Gegen 18 Uhr machen wir uns auf zum Bahnhof, besorgen uns ein Ticket, trinken noch ein Gläschen Wein und verlassen Vernazza voller bunter, lebhafter Urlaubseindrücke.

Abend in Sestri Levante

Den Abend verbringen wir in Sestri Levante, in einer Pizzeria lassen wir uns nochmal die Acciughe schmecken, dann Nudeln Gorbatschow (mit einer würzigen Wodka-Soße), bummeln durch die reizvolle Altstadt, genießen einen Espresso in einer kleinen Bar und lassen den letzten Tag unserer Wandertour ausklingen. Der Reisebericht geht langsam zu Ende…

Ligurien-Wanderung (6)

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6. Tag. Freitag.
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Die große Tour im Hinterland:
Von Ruta über den Monte Manico del Lume nach Rapallo

Der Reiseführer von Christoph Hennig verspricht Exquisites zum Schluß der Reise: “Ein Höhepunkt der Reise, vor allem, wenn man die Tour an einem Tag mit klarer Sicht durchführt: Die großartige Wanderung zwischen Küste und Bergland verläuft nach einem Anstieg auf Waldwegen mehrere Stunden aussichtsreich auf Bergpfaden, von denen man fast immer weite Ausblicke auf das Meer und die Berge des Hinterlands genießt. Nach einem langen Abstieg - weitgehend im Wald - erreicht man das Ziel Rapallo.”

Camogli: Häuserdetails am Hafen

Wir sind frohen Mutes heute, denn der Blick aus dem Hotelzimmer zeigte einen wolkenfreien Golfo Paradiso. Und zum Frühstück gabs heute auch wieder frischen Fruchtsalat ins Müsli. Mit frischer Ananas, Pfirsich, Melone und Äpfeln. Gegen 9 Uhr sind wir unterwegs in einem farbenfrischen Camogli, besorgen uns noch ein Stück Käse, Schinken und frische Pane di Olivi. Als Beginn der Tour ist Ruta vorgesehen, das 270 Meter oberhalb von Camogli liegt. Also mit dem Bus hinaufgefahren… Tickets am Bahnschalter holen. Dort erfahren wir von einem Streik der Busfahrer und kaufen die Tickets daher nicht. Bald kommt ein Taxi daher und bringt uns für 15 Euro hinauf. (Am ersten Tag sind wir entlang der Straße und viele Treppenwege hinauf nach Ruta gewandert, aber bei einer Gehzeit von mindestens sechs Stunden heute, genießen wir lieber die Taxifahrt).
Kurz vor zehn Uhr: Erstmal geht einigermaßen flach in nordwestlicher Richtung, vorbei am romanischen Kirchlein Chiesa Vecchia. Wegschilder des “Itinerario dei 2 Golfi / Val Fontanabuona - Portofino” machen uns auf diesen besonderen Weg aufmerksam. Auf herrlichen Waldwegen führt die Route auf dem Bergkamm entlang nach Norden, auf Steinstufentreppen durch Steineichenwald. Die ersten Blicke tun sich auf, rechts in den Golfo Tigullio bei Rapallo und links in den Golfo Paradiso bei Camogli und weit nach hinten Richtung Genua. Zarte Dunst- und Rauchschleier hängen im Gegenlicht bei Santa Margherita, ein Hubschrauber dröhnt in der Ferne bei einem Transporteinsatz am Fels.

Edelkastanien am Itinerario dei 2 Golfi

Bald schon läuft der Weg auf schmalem Pfad, durch Kastanienwälder, die prall behängt mit den brauen Maronen da stehen.
Am Colle die Monte Ampola (498 m) unterhalb des kleinen Wallfahrtskirchleins “Santuario Madonna di Caravaggio” (615 m) treffen wir auf zwei Wanderer, die sich mit einem Einheimischen unterhalten. Eine Wiese ist (von den Grünröcken) sauber gemäht, oben haben sich Jäger mit grünen Zweigen wieder eine Laubhütte errichtet. Der Weg umgeht den Wallfahrerberg, führt durch Maronenwald hindurch. Wildschweine haben den Wegsaum komplett umgepflügt. Die vielen Esskastanien sind denen wohl nicht mehr gut genug. Nach insgesamt eindreiviertel Stunden sind wir beim Passo del Gallo auf 478 Metern Meereshöhe angekommen. Zeit für eine Vesperpause. Trifft sich gut, dass hier eine Sitzgruppe steht. Von den Strebebalken herab hängt eine tote Schlange, wohl von einem Jäger zur Abschreckung aufgehängt. Wir lassen uns die Stimmung nicht vermiesen, denn Aussicht und Wetter sind viel zu schön hier.

Gegen 12.30 Uhr ziehen wir weiter. Gut 10 Minuten hinter dem Pass verzweigt sich der Weg. Wir schlagen den undeutlicheren, nach rechts abzweigenden Pfad ein (markiert mit rotem Quadrat und rotem Dreieck). Nach wenigen Metern halten wir uns bei einer Gabelung nach rechts. Der schmale, streckenweise ausgesetzte Pfad führt über einen abschüssigen Hang, steigt dann steil nach links an und verläuft schließlich eben in östlicher Richtung. Wir genießen herrliche Blicke auf das Meer und Rapallo. Immer mehr offene Flächen tun sich auf, manchmal mit Hecken bewachsen. Die weitere Tagesstrecke sehen wir wie in einer riesigen Arena rechts vor uns: Immer den kalkweißen Bändern entlang bis zum Monte Manico del Lume.

Rundblick auf den Golfo Tigullio

Bald haben wir den kleinen Passo della Serra (641 m) erreicht, kommen bald danach zu einer Wegverzweigung und wenden uns dem roten Dreieck folgend nach rechts. Es geht nun sehr steil aufwärts, vorübergehend mit leichter Kletterei in felsigen, durch Eisenketten gesicherten Wegstücken. Schließlich erreichen wir gegen 14 Uhr schweißgebadet den Gipfel des Monte Manico del Lume (810 m). Die Aussicht auf die Küste und die Berge des Hinterlands von diesem höchsten Punkt der Wanderung ist begeisternd.

801 Meter über dem Meer: Monte Manico del Lume

Aussicht pur und rundum. Vor allem im Norden haben wir einen guten Blick ins Lavagnatal mit den zahlreichen kleinen Weilern mit ihren Kirchtürmen und die vielen Gipfel nördlich davon. Ein richtiggehend alpines Gipfelerlebnis. Neben einem Gipfelkreuz gibt es demnach auch ein Gipfelbuch, in das wir uns eintragen.

Gestärkt mit Energieriegeln beginnt nun der Abstieg. In leichtem Auf und Ab wandern wir am Hang, immer wieder öffnen sich wunderbare Panoramen. Ein Abschnitt ist ganz von Farn überwuchert und wir müssen intensiv nach dem richtigen Pfad suchen, Brombeerdornen hinterlassen Kratzer an den Waden. Bald haben wir den Passo della Crocetta (599 m) erreicht - wir überqueren eine echte geteerte Straße!
Wir haben uns eine geniale Idee einfallen lassen: Wir wollen nicht dem Weg hinunter nach Rapallo folgen, sondern die Runde in der Bergarena weiter drehen und bis zur Bergstation der Montallegro-Seilbahn gehen. So hoffen wir, uns die anstrengenden 600 Meter Abstieg erleichtern zu können.
Genußvoll und fast auf gleichbleibender Höhe verlaufend, auf gepflasterten Grenzmauern entlang erreichen wir nach gut 45 Minuten kurz vor 17 Uhr die Bergstation nahe der Wallfahrtskirche Montallegro. Gerade noch Zeit genug um uns die Tickets zu kaufen und einen belebenden Capucchino mit Aussicht zu genießen.

Wallfahrtskirche Montallegro 600 m hoch über Rapallo

Selten war Seilbahnfahren so entspannend! Während der luftigen Fahrt spüren wir jeden ersparten Meter Abstieg wie eine innere Erleichterung. Schnell sind wir von der Talstation am Bachbett entlang in der Innenstadt von Rapallo angelangt. Rapallo war einst ein berühmter Badeort. Ein Bummel in den Ladengassen der Altstadt schließt sich an. Eine Kuriosität ist der Chiosco della Banda Cittadina an der Uferpromenade Lungomare Vittorio Veneto; hier fanden einst die Promenadenkonzerte statt, und an der Decke sieht man noch verblichene Jugendstil-Porträts berühmter Komponisten. Dazu ein herrliches Gelato (gusto pera), wie man es nur in Italien findet. Beim erneuten Altstadtbummel kommen wir in der Via Mazzini zu einem feinen Delikatessgeschäft: Parle come mangi, wo wir uns mit Nudelspezialitäten, Käse und Pesto eindecken.
Gegen 19 Uhr sitzen wir im Zug und sind gegen 19.30 Uhr auf dem Zimmer.

Abendstimmung am Golfo Paradiso

Unser Abendessen genießen wir heute hoch über der Uferpromenade, halb im Freien neben dem Stamm einer hoch aufragenden Schirmpinie. Carpaccio mit Rucola und Parmesan (Erich), Muscheltopf (Helmut), Pizza Capricciosa (H.), Pizza mit geräuchertem Spada (E.), Tiramisu (E.) und Weißwein stehen auf dem Programm.

Hafen von Camogli bei Nacht

Heute ist enorm viel los auf der Promenade, sogar kleine Kunstläden haben noch um 22 Uhr geöffnet. Gegen 23 Uhr gehen wir ins Hotel zurück.

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Ligurien-Wanderung (5)

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5. Tag. Donnerstag.
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Von Genua-Nervi nach Recco und Camogli.

Gegen 9.15 Uhr sind wir auf der Hauptstraße, der Held Simone Schiaffino auf seinem Denkmal hat bereits den Kopf in der Sonne. Wir kaufen uns fein geschnittene Bresaola und einen San Stefano-Käse in einem der zahlreichen Geschäfte, Olivenbrot beim Bäcker. Postkartenkauf, Stadtbummel. Einen starken Café in der “Baby Bar” beim Bahnhof (so heißt die wirklich). Der Nahverkehrszug bringt uns zum Villenvorort Nervi am Standtrand von Genua.

Genua-Nervi

Herrlich liegt das Meer vor uns, der Himmel ist fast wolkenlos, Jogger, Hundehalter, Senioren und afrikanische Lederwarenverkäufer bevölkern den Meeruferweg Passeggiata a mare. Agaven klammern sich tief unten in die Felsspalten, die Brandung rauscht regelmäßig. Entlang des Hafenbeckens führt uns die exakte Wegbeschreibung über eine mittelalterliche Brücke und durch belebte Straßen zum Treppenweg Salita Domenico Morelli, der schier endlos in die Höhe führt.

Treppenweg hoch über Nervi

Nach einer Dreiviertelstunde haben wir das kleine Kirchlein San Rocco auf etwa 206 Metern Höhe erreicht - schweißgebadet. Herrliche Blicke hinunter nach Nervi und auf den westlich gelegenen kahlen Bergrücken, auf dem sich dutzende Sendeanlagen von Genua befinden. Auf dem Itinerario Storico Colombiano steigen wir den Hügelkamm weiter hinauf. Immer mehr Edelkastanien tauchen auf, der Weg wird zusehends schattiger.
Auf einem Maultierpfad wandern wir am Hang des Monte Giugo in nordöstlicher Richtung aufwärts. Vom Waldrand blicken wir auf eine einsame, eindrucksvolle Landschaft kahler Berge und erreichen den Passo de la Crocetta (486 m ü.M.). Hier legen wir erstmal eine ausgiebige Rast ein.

Ligurien-Wandern himmelwärts

Im Süden sehen wir hinunter nach Bogliasco, östlich davon zeichnen sich parallel verlaufende Gesteinsbänder wie Riemen durch die Landschaft und setzen sich wie sichtbare Höhenlinien weiter fort. Eine Gottesanbeterin turnt zwischen den Grashalmen und hält ganz still als sie ihrer Bewunderer gewahr wird.
Den Markierungen folgend steigen wir weiter auf dem Hügelkamm an. Die Ausblicke werden immer schöner, auch der störende Autolärm verliert sich. Wir gehen durch eine gespenstische Zone: Hohlgebrannt und verkohlt, recken tote Pinien schwarze Äste, über gestürzten Stämmen wuchert schon wieder unsterbliches Grün - eine ganze Bergflanke steht kahl, niedergebrannt. Unterhalb des bewaldeten Monte Cordona steigen wir an der Ostseite des Berges unter Pinien weiter an bis zur Straße Genua - Uscio (735 m ü.M.), die wir hoch oben gegen 14 Uhr erreichen.
Wolken türmen sich zu dicken Gebilden am Himmel. Zwei rote Quadrate als Markierung führen uns der Straße entlang. Bald haben wir die verlassenen Gebäude der Osteria del Bacco erreicht und gehen auf der Straße etwa einen Kilometer hinab, erreichen die ersten Häuser von Cornua. Die Trattoria Cornua ist wie aus einem alten Italienfilm - altmodisch eingerichtet, freundlich und immer gut besucht, was angesichts der schmackhaften Hausmacherküche und der milden Preise nicht erstaunt. Auch ein junger Mann, den wir die ganze Zeit auf der Straße vor uns hatten, macht mit seinen drei Hunden hier Rast. Da wir erst nach 14 Uhr ankommen, gibt es leider nur noch belegte Brote, die wir uns schmecken lassen. Unerwartete Geräusche von draußen: es regnet, hagelt und prasselt massiv aufs Vordach. Leute stellen ihr Auto ab und rennen schnell in den Gastraum, um hier den Regenguß abzuwarten. Unseren Aufenthalt verlängern wir mit Café und Schokolade und gegen 16 Uhr brechen wir auf in den nachlassenden Regen. Optimistisch verzichten wir darauf, den Regenmantel auszupacken und bald schon hat der Niederschlag aufgehört. Doch die Steine sind rutschig, an den Grashalmen, die in den schmalen Pfad ragen, hängen die Regentropfen und näßen unser Schuhwerk mit jedem Schritt mehr ein.

Der schmale Pfad zieht sich nicht enden wollend über den Bergrücken Richtung Süden. “Erdbeersträucher” mit ihren bunten Früchten begegnen uns, leuchten in der warmen Abendsonne. Schon nach einer halben Stunde haben wir einen weiten Blick zur Trattoria zurück, wir gehen durch Farnwiesen, Kastanienhaine, vorbei an verfallenen Gemäuern. An einer Felsgruppe mit Aussicht stärken wir uns mit Rotwein, Käse und feinem Schinken. Die Wolken sind allesamt verschwunden, niemand würde glauben, dass es vor zweieinhalb Stunden wie aus Eimern geregnet hat.

Vesperpause am Nachmittag mit Aussicht

Wir überqueren hoch oben die viele hundert Meter tiefer verlaufende Autobahn, rechts dahinter am Meer sehen wir den Ort Sori. Wenig später wird nach links der Blick auf Camogli und den Monte Portofino frei. Bei der Kapelle San Uberto steht eine gewaltige Christus-Statue auf einem hohen Sockel. Ein Wanderer kommt herauf, zeigt uns stolz die Pilze in seiner Tasche.
Immer steiler führt der schmale Pfad bergab, die Knie werden heftig belastet.

Blick hinunter nach Recco und Camogli

Die Blicke hinunter sind alle Mühen wert: riesige Pinienbäume, blühende Rosmarinhecken, rosafarbene Abendwolken, der Vollmond kommt zum Vorschein, ein Mountainbiker zeigt uns den Weg bevor er mit luftigen Sprüngen den Hang hinab brettert. Am Ortseingang von Recco erreichen wir die Bahnlinie und wandern auf der Straße noch die letzten zwei Kilometer nach Camogli zurück, den Vollmond hoch oben.

Das Abendessen nehmen wir wieder in der Trattoria La Rotonda ein: Acciughe salate, Lasagnenudeln in Pesto (Helmut), gemischte Vorspeise mit vielen Fischen, Pansotti mit Pilzfüllung und Gemüsesoße (Erich). vino bianco a la casa, Früchtetorte bzw. Pfirsichkuchen.

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Ligurien-Wanderung (4)

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Vierter Tag. Mittwoch.
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Rapallo - Montallegro - Chiavari. Und Cinque Terre: Riomaggiore.

Die ligurische Küste ist “eine der sanftesten, darum heilsamsten Landschaften der Welt, in der sich stärkende Meerluft mit beglückendem Blütenduft mischen, in der Sonne und Regen fast immer Maß halten und der Mensch so wonnig gewiegt wird, wie er sich’s nur wünschen kann.”
Ekkart Peterich

Wir stehen gemütlich auf - die olivenölgetränkten Pilze vom Vorabend haben uns den Schlaf erschwert… Das Wetter scheint einiges besser geworden zu sein, zwischen den Wolken ist bereits blauer Himmel zu erkennen. Auf dem Weg zum Bahnhof gehen wir durch den Wochenmarkt, der sich in der Via Garibaldi aufgebaut hat. Da wir noch Zeit haben, können wir den Markt bis hinein in die Altstadt abklappern. Neben vielerlei Krimskrams gibt es auch lokale Produkte, eine unglaubliche Vielzahl frischer Früchte, körbeweise frische Waldpilze, lokale Weine aus dem Aveto und einen ganz netten Käsestand, an dem wir ein Stück San Stefano kaufen.

Straßenszene in Camogli

Der Regionalzug bringt uns über Santa Margherita nach Rapallo. Fast hundert Jahre lang war Rapallo ein Nobel-Badeort. Inzwischen ist alles zugebaut, vom Glanz früherer Zeiten merkt man kaum mehr etwas.
Nach wenigen Schritten haben wir die Talstation der Funivia erreicht und ein Ticket für eine Bergfahrt gekauft. Etwa eine Viertelstunde müssen wir noch warten, bevor sich die Seilbahn um 11.30 Uhr in Bewegung setzt. In rascher Fahrt über vier oder fünf Trägermasten rauschen wir zusammen mit etlichen anderen Ausflüglern fast geräuschlos nach oben. Etliche Schweißtropfen bleiben uns damit erspart, kommen wir doch von Meereshöhe bis auf 612 Meter hinauf.
Deutlich frischer ist hier die Luft geworden, die kurzen Hosen sind gerade noch erträglich. Wir steigen hinauf auf einer breiten und schön gepflasterten Allee zur Wallfahrtskirche Madonne di Montallegro, die im 16. Jahrhundert an der Stelle einer Marienerscheinung errichtet wurde.

Wallfahrtskirche Montallegro hoch über Rapallo

  • Der Marienkult von Montallegro begann 1557. Am 2. Juli jenes Jahres erschien einem Bauern von Canevale, Giovanni Chighizalo, die Muttergottes und bat ihn darum, an diesem Orte verehrt zu werden.
    Das Ereignis schlug so hohe Wellen, dass schon einige Monate später eine Kapelle gebaut wurde. 1574 fand die Besatzung eines Schiffes aus Ragusa unter dem Kommando von Nicola De Allegretis Zuflucht im Hafen von Rapallo, nachdem sie wie durch ein Wunder vom Schiffbruch verschont worden waren. Als Dank, der Gefahr entronnen zu sein, begab sich De Allegretis und seine Mannschaft nach Montallegro. Zu ihrer großen Verwunderung entdeckten sie, dass das Bild der Jungfrau Maria, das Objekt der Anbetung, identisch war mit einem Jahre zuvor in Ragusa verschwundenen Gemälde Daraufhin beantragte De Allegretis beim Genueser Senat die Rückgabe des Bildes, was ihm auch gewährt wurde
    Als das Schiff sich schon auf hoher See befindet, “verschwindet” das Gemälde wieder und kehrt zurück an seinen angestammten Ort, die Kapelle von Montallegro, wo der Marienkult von nun an ununterbrochen andauern wird. Zeugnis davon legen die vielen Votivbilder ab, die vor allem von Seeleuten stammen.
    (Aufschrift einer Informationstafel vor der Wallfahrtskirche)

Die weiße Fassade, die wir sehen, stammt großenteils aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert. In der Kirche hängen Votivtafeln bis hinauf zur Decke an allen freien Flächen, selbst in den Nebenräumen der Seitenkapellen sind die Wände komplett damit bedeckt - Danksagungen von Seefahrern, die aus Lebensgefahr gerettet wurden. Im dunklen Innenraum spielt Orgelmusik.

Aussicht von Montallegro auf Rapallo, S-Margherita und Portofino

Wir genießen die sonnige Aussicht auf den Golfo di Tigullio, sehen hinten Santa Margherita und dahinter den Naturhafen von Portofino, die Funktürme vom Monte di Ruta, wo wir die letzten Tage unterwegs waren. Klar, dass das ein einmaliger Rundumblick ist, bestens geeignet für ein aus vielen Einzelbildern zusammengesetztes Panoramafoto. Durch herrliche Steineichenwälder, grün bemooste uralte Bäume, gelangen wir in wenigen Minuten zum Hotelrestaurant Pellegrino, verkneifen uns eine Einkehr und gehen auf dem komfortablen Waldweg weiter am Bergkamm entlang den zwei roten Quadraten folgend.

Fantastische Wegführung

Der Weg verläuft Richtung Chiavari stets oben oder neben dem Bergkamm, bietet herrliche Aussichten auf den Golfo und auf die andere Seite nach Norden über das Lavagnatal hinweg. Braune und rotschwarze Schmetterlinge, haarige Raupen und Eidechsen, die sich in der Sonne gewärmt haben, begegnen uns. Als der Weg aus dem Wald auf eine besonnte Wiese führt, steigt die Temperatur schlagartig um mehrere Grad. Unten sehen wir in den schmalen Tälern immer wieder die Autobahn auf Brücken führend zwischen dem einen und dem nächsten Tunnel verlaufend. Hoch über dem Ort Zoagli führt der Weg durch aufgelassene Terrassenkulturen, vorbei an Hausruinen, deren Wände völlig ohne Mörtel aufgetürmt wurden. Auf der Anhöhe La Colla neben einem kleinen Marienaltar auf 525 m Höhe machen wir unsere Rast. Der Schwarzriesling findet zusammen mit dem Coppaschinken aus Santa Margherita, dem San Stefano-Käse und dem Quittenmus ein würdiges Ende. Dann gehen wir auf schmalen Pfaden durch schöne Wälder zum Pass Anchetta. Dort geht es auf der Straße weiter, wir kicken uns die stacheligen Maronenkugeln zu, aus denen braunglänzende Edelkastanien purzeln. Später wird der Weg wieder schmal und führt mal hinunter, mal wieder ein Stück hinauf. Ein Stück Abstieg wird mir zum Verhängnis: die Absätze rutschen auf der feuchten Erde nach vorne und schwupp sitze ich an einer ganz engen Stelle auf dem Hosenboden. Eigentlich ist nichts passiert, doch links und rechts an der Hüfte hat es Schürfungen gegeben. Die Hose ist bald wieder sauber. Herrliche Steinmauern ziehen uns beim Anwesen Case Costa (303 m) in ihren Bann. Über Treppenwege gelangen wir später durch einen ausgedehnten Olivenhain hinunter zur Kirche von Maxena (153 m).

Foto: Helmut Eßlinger

Speicherkarten- und Akkuwechsel sind angesagt. Noch eine lange Treppe und geteerte Straße hinunter, an kläffenden Hunden vorbei. Vor einem Haus steht ein seltsamer Baum mit zitronenartig-schrumpeligen Früchten. Wie die wohl heißen?
Endlich haben wir dann nahe der Autobahn die Kirche von San Pier di Canne erreicht - auf nunmehr 9 Höhenmetern. Wie vom Reiseführer empfohlen besorgen wir uns Fahrkarten in einem Lebensmittelladen und fahren mit dem Linienbus bis hinein nach Chiavari.
Durch die schöne mittelalterliche Altstadt mit ihren kilometerlangen Arkaden kommen wir ins Zentrum und machen Pause in einem Cafe.

Arkaden in Chiavari

In einem Süßwarenladen Leone gibt es Pastillen, Bonbons und Schokoladen. Da kann man nicht einfach vorbeigehen (). Später noch ein Baby Gelato - Joghurteis mit einer Fruchtmischung nach Wahl (Heidelbeere!).

Am Bahnhof schnell Fahrkarten und was zum Lesen gekauft, rein in den IC und ab nach Monterosso al Mare, eines der fünf Cinque Terre-Dörfchen. Mit dem Regionalzug weiter bis Riomaggiore. Hier scheint die Sonne auf die erdfarbenen Hausfassaden, unten toben die Wellen und schlagen mit ungeheurer Wucht die Wassermassen gegen den Kai. Herrliche Abendstimmung, Fotografier-Orgie!!

Riomaggiore im Abendlicht

Riomaggiore ist der südöstlichste und größte Ort der Cinque Terre. Es hat kaum Platz, um sich am Fuße einer engen Schlucht gegen das Gebirge zu behaupten. Die hohen Häuser hangeln sich den Felsen hinauf, der Strand ist so winzig, daß die Boote hinter die Hafenmauern gezogen werden müssen. Bei Einbruch der Dunkelheit lassen die Fischer ihre Boote zu Wasser. An Bord werden die Lampenangezündet. Bis zum frühen Morgen bleiben die Fischer draußen. Wenn sie zurückkehren werden die Fänge ausgebreitet, sortiert und gewogen.
Ein Bummel durchs Dörfchen folgt. In der Trattoria La Lanterna ganz unten am kleinen Hafen, reservieren wir ein Tischchen für 19.30 Uhr. Dann haben wir Zeit, die Hauptstraße bis weit hinauf zu gehen, seitlich entlang bis zur Chiesa di San Giovanni Battista und weiter hinauf bis zum alten Castello zu gehen. Hier genießen wir den Blick auf die Abendstimmung am Meereshorizont, auf die Wellen, die Pinien, folgen mit den Augen dem Verlauf der Via Amore.

Im Ristorante La Lanterna ist alles auf Fischgerichte ausgerichtet: Mit einem Antipasto piccolo alla casa beziehungsweise einer Zuppa Cecci et Seppie und einem ausgezeichneten Weißwein alla casa beginnen das Abendessen. Acciughe Vernazzano (Sardellen mit Kartoffeln und Tomaten überbacken) bzw. Pesce Pesto geht es in die Hauptrunde. Ein Tartufo
affogato in Cafe (ertränkt in Espresso) und Panna Cotta geht das genüßliche Mahl zu Ende.

Fischgerichte in Riomaggiore

Das Restaurant ist stilvoll mit allerlei Fischmotiven ausgestattet, Bilder erzählen von riesigen Fischen, die die Angler und Fischer des Dorfes an Land gezogen haben. Der Zug um 22.34 bringt uns nach Camogli zurück, wo wir gegen 23.40 Uhr im Hotel eintreffen.

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Ligurien-Wanderung (3)

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Dritter Tag. Dienstag.
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Camogli - San Rocco - San Fruttuoso - Portofino

Camogli: Welches Fenster ist aufgemalt?

Eine lange und schwierige Wanderung auf dem Sentiero Verdeazzurro im Parco Regionale di Portofino steht auf dem Programm. Entlang des kleinen Baches, der vor unsrem Hotel ins Meer mündet, steigen wir auf schmalen, gepflasterten Treppenwegen bergan und haben nach etwa 20 Minuten den Weiler San Rocco erreicht, der hoch über Camogli 200 Meter über dem Meer thront. Eine Briefträgerin hat ihre Vespa vor der Kirche abgestellt und trägt die Post zu Fuß in die umliegenden Häuser. Nachher begegnet sie uns im Weiler Mortola nochmal. Der Weg führt bestens ausgebaut hoch über dem Meer an der Felswand entlang. Wir sind über die vielen Früchte, die hier überall wachsen und die herrliche Aussichtslage hoch entzückt. Gleich lassen wir uns eine frische Feige vom Baum schmecken, bewundern die pfirsichartigen Früchte in den Bäumen, die prallen Tomaten an den Sträuchern und die frischen Walnüsse in den Bäumen. Und wenn man die Oliven essen könnte, wärs eine schwierige Strecke geworden…

Zwischen Eßkastanien und Pinien und der verfilzten, duftenden Macchia verläuft der Weg, tief unten und dahinter und bis zur Horizont ist immer das Meer. Der Weg wird allmählich immer ursprünglicher, aufregender, es gibt keinen Belag und keine Treppen mehr. Er schlängelt sich durch wilde Macchia, in der es teilweise ganz dunkel wird, dann kommen wir wieder auf ausgesetzte Stellen und erleben ein sehr eigenartiges Gestein - das Portofino-Konglomerat. Es sieht aus als seien viele verschieden große Kieselsteine mit einer Art Zement zusammengebacken worden, ganze Hänge sind hier damit aufgetürmt. Nun sind wir an ausgesetzten Stellen, schräg zum Meer hinunter abfallend, die ersten Sicherungsketten helfen uns beim sicheren Gehen. Streckenweise geht es weglos über abschüssige Felsplatten. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind gefragt.

Kletterpartie im Portofino-Konglomerat

Hoch über der Punta Chiappa sehen wir rechts hinten die Städte um Genua, vor uns liegt das Meer, grau in grau mit dem Horizont sich verbindend. Vereinzelte Sonnenflecken zeigen Strahlen an, die das Meer in eine silberne Masse verwandeln. Unser Weg mit den zwei roten Punkten, die oft wie leuchtende Augen aussehen, führt auf und ab, wir erleben fantastische Ausblicke in die Cala dell’Oro. Bei schönem Wetter würden wir vielleicht dort hinabsteigen und ein kühlendes Bad nehmen…
An den “Batterie” vorbei, Befestigungen aus dem Zweiten Weltkrieg, führt der Weg wieder in einen Taleinschnitt hinab. Noch ein Mal geht es von 75 Metern steil hinauf durch Steineichenwälder bis auf eine Paßhöhe auf etwa 300 Meter, die wir nach einer guten halben Stunde erklommen haben. Kurze Blicke auf die Bucht von San Fruttuoso und den Doria-Turm geben uns eine Ahnung von dem bevorstehenden Abstieg. Durch Buschwald und Olivenhaine kommen wir gegen 13 Uhr dort mit heiß gelaufenen Sohlen und vom vielen Bremsen angespannten Knien an.

San Fruttuoso

Wir sind gelandet zwischen Blumen und Kräutergärten, glucksenden Hennen und dösenden oder hinter Eidechsen herflitzenden Katzen, anscheinend im Mittelalter, das hier in sich versunken andauert unter der achteckigen, campanilehaften romanischen Kirchenkuppel.
Wir sind enttäuscht über das geschlossene Kloster und bestellen in dem kleinen Strandcafe erstmal einen Cappuchino, Wasser und ein Stückchen von der Torta di Nonna (einem feinen Eierkuchen mit Rosinen). Wenige Wanderer rasten hier, das Meer wälzt sich lautstark unmittelbar davor auf die Kieselsteine. Die gründliche Pause haben wir uns verdient.

Das Kloster San Fruttuoso mit dem Doria-Turm

Gotisch ist die meerzugewandte, schlichte, doch beherrschende Marmorfassade mit ihren in zwei Stockwerken angeordneten Triforien von faszinierender Asymmetrie über maßvoll spitzbogigen Arkaden. Die stecken zur Hälfte im Meeresschutt: Man denkt an Sanduhren. Im Bogenschatten schlafen Boote und Katzen, es riecht nach Fisch.
Im achten Jahrhundert entstanden hier die ersten Gebäude als sich spanische Mönche auf der Flucht vor den Sarazenen mit den Reliquien des Heiligen Fruttuoso hier niederließen. Im verwahrlosten Kreuzgang spürt man die vergangene Zeit und die Zeitlichkeit. Römische Marmorsäulen, einst zur Stärkung mit Backstein ummantelt, treten nun wieder unterm bröckelnden Rot hervor. Heute sind viele der Gebäude vom Verfall gezeichnet. Auch der Doriaturm ist geschlossen und wir nehmen hinter einer Baustelle den erneuten Anstieg auf 250 Höhenmeter in Angriff. “Base 0″ heißt diese Stelle und wir erleben hoch über der Calle d’Inglesi eine absolut herrliche Strecke, genießen die Sonne bei einer ausgedehnten Vesperpause mit Schinken, Käse und pfälzischem Schwarzriesling hoch über dem silbern schimmernden Meer. Zum Abschluss gibt es knusprige Müsliriegel ;-)

Wanderfreuden: Rast mit Meerblick

Eine Art Jakobstreppe mit gut 1500 Stufen geht es hinab, an Brombeerdickichten und efeuumarmten Ölbäumen vorbei zu rebengesäumten Gehöften. Später kommen wir durch den Weiler Prato und erreichen nach einem langen Treppenabstieg endlich das Ortsende von Portofino. Sofort fallen die Touristenmassen auf, die Hotels und die feinen Juweliergeschäfte. Am Hafen, wo edle Jachten vor Anker liegen, lassen wir die Tour bei Cafe und Gelato ausklingen.

Am Hafen von Portofino

Wie in einem von der Natur geschaffenen Amphitheater liegt Portofino und seine Bucht geborgen hinter dem Vorgebirge an der Küste. Auf zehn Einwohner Portofinos kommt ein Liegeplatz für eine Yacht oder ein größeres Sportboot. Hier haben die Feinen die Fischer in den Hintergrund gedrängt. Exklusiv wie die Gäste sind auch die Boutiquen und Galerien.
Das Wetter wird trüber, die Wolken dunkler. Entlang des Hafens ist das Wasser schon auf die Uferpromenade getreten, hate Stühle umzingelt, die ersten Regentropfen fallen. Nicht zu früh… Wir schnappen uns den nächsten Linienbus nach Santa Margherita, der proppevoll mit Touristen ist. In gut 20 Minuten spannender Fahrt entlang der kurvigen Küstenstraße sind wir in Santa Margherita. Spontan steigen wir beim Cafe Colombo aus, das gestern geschlossen war.

Drinks und Snacks im Jugendstil-Cafe Colombo

In dem mit hölzernem Schnitzwerk verzierten “Jugendstilcafe” bestellen wir uns erfrischende Drinks: einen Aperol a l’Orange und einen Bellini con Prosecco (Pfirsichmus mit prickelndem Schaumwein). Dazu gibts gratis Oliven, Knabberzeug und Erdnüsse aus einer seltsam anmutenden “Flasche”.

Gewitter bei Sant Margherita Ligure

Als wir gegen 18.30 Uhr aus dem Cafe kommen tobt draußen der Sturm, dunkle Wolken hängen drohend über der Stadt, die Wellen haben eine ordentliche Stoßkraft erreicht, bleierne Farben herrschen vor. Wir gehen zum Bahnhof und sind bald darauf in Camogli im Hotel.
La Rotonda heißt heute abend unser Restaurant. Als Vorspeise gibt es Carpaccio de Bresaola bzw. Musciola (Miesmuscheln). Dann zu einem bunten Salat zweierlei Pilzgerichte. Die schmackhaften Funghis sind mit Olivenöl zart angebraten und schmecken vorzüglich. Ein Fruchtsalat, Espresso und ein Grappa gaben uns den Rest. Der abschließende Spaziergang führt uns hinauf zum alten Stadtkern hinter der Pfarrkirche. Der Mond spiegelt sich silbern im Meer.

Camogli: Gasthaus La Rotonda

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Ligurien-Wanderung (2)

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Ruta - Santa Margherita Ligure.

Das Wetter ist unbefriedigend: graue Wolken, die Sonne kommt nicht durch, in den Bergen hängen Nebelschwaden. Das Frühstück im Hotel La Camogliese ist umfangreich. Von einem Büffet kann man sich nach Herzenlust bedienen: Schokoladenkuchen, Croissants, heller Kuchen, Gebäck, Müsli, Saft, Wasser, Milch. Wir sitzen in einer Art schmalem Wintergarten bergauf, haben ein Kännchen guten Schwarztee vor uns stehen und sehen hinauf zu den achtstöckigen bemalten Hausfassaden und zu der langen steilen Treppe, die man vom Bahnhof kommend herabsteigen musste.

Blick von Ruta hinunter nach Camogli

Wir wollen heute die Tour über Ruta nach Santa Margherita Ligure machen. Der Bus, der uns nach Ruta hinaufbringen sollte, wird erst in 40 Minuten starten. So schreiten wir die Straße hinauf, Helmut wäre beinahe von einem Auto erfasst worden. Bald gehen wir auf einer Nebenstraße und später sogar auf einem schmalen Weg zwischen verschiedenen Häusern und Vorgärten hindurch. Bald schon bietet sich ein schöner Blick hinunter auf Camogli, den Hafen, die Festung und die Pfarrkirche direkt am Wasser. Doch alles ist farblos grau in grau, das Fotografieren macht irgendwie keine Laune heute. Und dazu noch diese unglaubliche Schwüle, die uns den Schwung raubt. In Ruta auf 250 Meter Höhe kommt uns das kleine Café wie gerufen - zwei Espresso kosten zusammen nur 2,80 Euro. So gestärkt gehen wir die eigentlich für den dritten Tag vorgesehene Wegstrecke: vor dem Tunnel das schmale Gässchen zur Kirche hinauf und nun dem roten Quadrat folgend auf herrlich gepflasterten Wegen durch den Naturpark Portofino ansteigend. Herrlich abwechselnde Mischwälder wechseln sich ab mit Pinienwald, Eßkastanien und eigenartigen “Erdbeerbäumen” und mannshohen Erikabüschen. Bald sind wir am Hotel Portofino Vetta angekommen, eine große Anlage neben einem riesigen Sendemast, nun schon auf 430 Meter Höhe. Die aufgestellten Tischchen bieten Gelegenheit, die lange Wanderhose gegen die kurze auszutauschen und meinen mitgebrachten Weißwein (Viré Clessé) anzubrechen. Zusammen mit dem geräucherten Schweinefilet und der Pfeffersalami ein prima Mittagessen.

Vesperpause beim Hotel Portofino Vetta hoch über Camogli

Weiter gehts dem roten Quadrat entlang bis zu den Pietre Strette (452 m), großen einzelstehenden Steinblöcken, moosbewachsen und verwunschen aussehend.

Die Pietre Strette, bemooste Riesensteinblöcke im Wald

Wenig später, Helmut hat schon etliche Edelkastanien eingesackt, kommen wir zum höchsten Punkt der Tour auf 470 m über dem Meer. Durch schöne Wälder gelangen wir zum Weiler Olmi. Ausgemergelte Katzen sitzen auf dem Geländer vor den wenigen Häusern. Nun verlassen wir die Hauptmarkierung und biegen in einen Talgrund ein, jetzt mit rotem Kreuz markiert, kommen an einer ehemaligen Mühle vorbei und nun durch landwirtschaftlich genutzte Gebiete bis Sant Anna und Gavi. Ein gut zwölf Meter hoher Avocadobaum nimmt uns mit seinen Ausmaßen, voll grüner Früchte, in Anspruch - unglaublich reichhaltig! Kiwis wachsen am Haus entlang, Granatäpfel und andere quittenartige Früchte hängen in den Bäumen, große Gänseblümchen und gelbes Habichtskraut taucht die Wiesen in bunte Farben, sogar die Sonne kommt ab und zu ein wenig zum Vorschein. An der Kirche von Nozarego vorbei geht es einem kleinen Rinnsal entlang abwärts. Blaue Prunkwinden - unglaublich blau, türkis, violettblau leuchtend - säumen den Pfad. Feigenbäume, Zitronenbäume, Kumquats, rote Bohnen… und noch viel mehr wachsen hier um die Wette.
Nach einem langen Treppenweg (frei nach Helmuts Motto: “Immer locker, locker, locker…”) haben wir Santa Margherita Ligure erreicht, schlenden am Hafen mit den vielen Jachten entlang und trinken auf einer Sonnenterrasse einen Espresso. Das berühmte Jugendstilcafe Caffe Colombo hatte leider zu. Umso mehr sind wir von einem Feinkostgeschäft Seghezzo begeistert, das noch ganz im alten Stil eingerichtet ist. Es ist eines der schönsten Lebensmittelgeschäfte an der Küste. Das internationale Angebot an Eßwaren ist fantastisch umfangreich.
Im Feinkostgeschäft in Santa Margherita Ligure...

Unglaublich, was es da alles gibt, wieviele Kaffee- und Schokoladensorten, verschiedenen Schinken, Nudelsorten und Risotto Tartuffo und noch vieles mehr. Am Bahnhof kommen wir grad recht, ein paar Minuten und der Zug nach Camogli fährt ab. Schon gegen sechs sind wir wieder im Quartier, erholen uns und machen uns fit fürs Abendessen.
Im Restaurant La Camogliese gibt es überwiegend Fischgerichte. Hauchdünn geschnittene Espadascheiben in Öl als Vorspeise, Trofie bzw. Tortellini mit Nußfüllung und Nußsauce als Hauptgericht. Eine geviertelte Ananas zum Nachtisch. Espresso und ein nächtlicher Bummel schließen sich an. Der Mond schimmert hinter den Wolken und wirft vereinzelt helle Flecken aufs Meer.

Camogli am späten Abend

Die Handyverbindung ins Internet will heute abend nicht funktionieren. Zahlreiche Varianten bleiben erfolglos… Schade.

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