3. Tag der Sardinien-Biketour: Ozieri - Bosa Marina:
Wir begnügen uns mit dem preiswerten, schlichten Hotelfrühstück (2 Euro für jeden) und bekommen Cappu mit Schokoladensaucen-Verzierung und ein süßes Stückchen. Die Idee, dass wir anschließend noch in ein weiteres Café gehen, schlagen wir uns dann doch aus dem Kopf. Dann bepacken wir die Räder und starten um halb neun.

Gleich vor dem Hotel Mastino geht es heftig bergauf. Bald sind wir oben und haben eine herrliche Ausblick über Ozieri. Das kleine Provinzstädtchen ist das Zentrum der sardischen Viehzucht und hat eine herrliche Lage über der weiten Ebene. Schwalben fliegen kreischend über den Dächern.

Nun geht’s los, zunächst mit einer langen Abfahrt durch eine herb-schöne Landschaft. Man muss sich das wie im deutschen Spätsommer vorstellen: Strohballen liegen auf den Feldern wie liegengebliebenes Riesenspielzeug. Auf einmal sehen wir die Bahntrasse und - oh Wunder - die Schranke beim Bahnhof Mores senkt sich. Nach einigen Minuten pfeift ein hupender Schnellzug ohne Halt durch den Bahnhof. Wir radeln weiter und kommen an einigen frühgeschichtlichen Höhlendörfern vorbei, wo die natürlichen Felswände als Behausungen ausgeweitet wurden.

Nach gut 20 km Fahrt erreichen wir Mores und nehmen uns gleich da erstbeste Café an der rechten Straßenseite vor. Eine Bar, die sich auf Guiness und Kilkenny spezialisiert hat. Wir bestellen Sandwich, Orangensaft und Cappuccino und lassen es uns schmecken. Weiter gings mit einem satten Anstieg.

In Bonnánaro ist das Ortsschild zweisprachig.

In Borutta fahren wir am Ortsende links der Kirche hinauf auf die Ebene eines Kalkplateaus. Hier steht die Kirche San Pietro de Sorres: eine eindrucksvolle Klosterkirche im romanischen Stil, die aus weißen und schwarzen Steinen erbaut wurde (11. und 12. Jahrhundert).

Wieder weiter auf eindrucksvolle Hochebenen führt uns die Straße bis Thiesi, einem Dorf an der Kante einer Bergflanke. Unterwegs treffen wir immer wieder auf eindrucksvolle Nuraghes, steinerne Rundtürme, erbaut bereits im 2. Jahrtausend vor Christus als Beobachtungsposten zum Schutz der Stammesgebiete.

Nach einigem Suchen finden wir in Thiesi Richtung Bessude das Hotel Cavallo Rosso, wo die ADFC-Gruppe im September übernachten wird. Mit der Bedienung gab es erst einige Verständnisprobleme, dann - mit der 30-köpfigen Gruppe im “Hintergrund” - ging es bald besser.
Nach stärkenden Schinken/Käse-Brötchen und einem 0,66 l-Heinecken-Bier fahren wir gegen 14 Uhr talabwärts und durch diverse Hochflächen in stehenden Hitzeschwaden hinauf nach Romana und freuen uns auf ein erfrischendes Café. Es ist 14 Uhr: alle Cafés haben offenbar Mittagspause und sind zu. An zahlreichen Häusern finden wir eindrucksvolle Wandbilder, sogenannte Murales, die es auf der Insel seit etwa 1968 gibt. Inhaltlich steckt vielfach Protest gegen die politische oder soziale Ordnung hinter den Bildern, wird Ausbeutung und Unterdrückung angeprangert.

Etwas frustriert fahren wir ohne Café weiter und treffen bald auf den Lago di Temo, einen großen Stausee, der der Landschaft einen Hauch Schottland verleiht.

Nun biegen wir links ab, steil bergauf und kommen in die Monte Minerva. Vor einem gewaltigen Anstieg gibt es endlich eine Quelle, die wir begierig nutzen, um unsere Flaschen aufzufüllen. Dieses Wasser schmeckt ausgezeichnet und löscht prima den Durst!

Endlich kommen wir in Montresta an und wieder fallen die vielen Wandgemälde (Murales) ins Auge. Im Dorf-Café beim Rathaus sieht man drei solcher Murales, eine ist den sardischen Frauen gewidmet. Wir geben eine Großbestellung auf: Cappu, Aranciata und noch ein Aranciata … DURST!

Aus der Stadt heraus gibt es Murales entlang der Straße: Pflanzen, Früchte, Blüten. Immer weiter hoch zieht sich die Strasse zu den Masten am Horizont. Heiße Luftschwaden wehen ums Gesicht. Auf 512 m Höhe haben wir den höchsten Punkt erreicht.

Ein Reiter begegnet uns in der einsamen Bergwelt. Nun taucht ganz hinten hinter einer Schlucht das blaue Meer auf. Freude kommt auf. Teleobjektiv. Foto.

Und schon sausen wir in einer rasanten Abfahrt hinunter nach Bosa mit seinem gewaltigen Castillo de Malaspina, dem wir Kehre für Kehre immer näher kommen. Die abendliche Landschaft ist einfach fantastisch schön.

Entlang des Temo - dem einzigen schiffbaren Fluss in Sardinien - kommen wir nach Bosa Marina ans Meer. Im Hotel Stella Maris - dem letzten Haus rechts vor dem Meer - beziehen wir Quartier. Und genießen ein hervorragend gekochtes Abendessen.

Die freundliche junge Bedienung bietet an, ein Foto von uns dreien zu machen. Na, klar. Danke!

Mit einem kleiner Bummel hinaus zum alten Wehrturm an der Hafeneinfahrt beschließen wir den anstrengenden Tag.

 93,87 km Strecke, Durchschnittstempo 17,44 km/h, reine Fahrzeit 5:22 Std., 56,6 km/h Maximaltempo.
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