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Erichs (B)Logbuch » 2007 » Juni

152 km zu Fuß auf dem West Highland Way

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Unterwegs auf dem West Highland Way, Schottlands erstem offiziellen Fernwanderweg. Von den Vororten Glasgows bis nach Fort William am Fuße des berühmten Ben Nevis, durch das Herz der schottischen Highlands.

Foto: www.visitscotland.com

Übersicht & Navigation:

1. Tag Anreise nach Glasgow und Milngavie

2. Tag Milngavie – Drymen: 19,5 km

3. Tag Drymen – Rowardennan: 21,5 km

4. Tag Rowardennan – Inverarnan: 21,5 km

5. Tag Inverarnan – Tyndrum: 21,7 km (Pano 1, 2)

6. Tag Tyndrum – Inveroran: 14,5 km (Pano 1, 2, Foto)

7. Tag Inveroran – Kinlochleven: 30 km (Pano 1)

8. Tag Kinlochleven – Fort William: 23,5 km

9. Tag Rückreise Fort-William – Glasgow – Stuttgart

Vorfreude Reisevorbereitungen

Wanderstrecke in Google Maps anzeigen lassen

Literatur-Hinweise:

Hartmut Engel:
Schottland: West Highland Way

Stein-Verlag, 160 S.
Die Tour wird in 14 Einzeletappen beschrieben, so daß auch Wanderer, die nicht die ganze Strecke laufen wollen, gute Ein- bzw. Ausstiegsmöglichkeiten haben.

Jede Etappenbeschreibung umfasst den Wegverlauf, wichtige Tips wie Übernachtungsmöglichkeiten, Verkehrsverbindungen usw. Griffmarken, Symbole, Reise-Infos, ein kleiner Sprachführer und Literaturtipps runden das praktische Büchlein ab.

Footprint-Map:
The West Highland Way

Diese Karte ist einfach Ideal für alle, die auf dem West Highland Way wandern wollen.

Der West Highland Way wird in mehrere Sektionen aufgeteilt. Diese werden dann jeweils auf einer Doppelfaltseite dargestellt.

Außerdem werden alle weiteren wichtigen Informationen übersichtlich angezeigt:
Hostel, Hotel B&B, post office usw.
Die Entfernungsangaben sind in Meilen.

DVD bei Amazon bestellen Rucksack:
Der schottische West Highland Way

Eine sehr schön gemachte Beschreibung des gesamten Weges. Von den Autoren der bekannten MDR-Sendereihe „Rucksack“. Es ist genau die richtige Einstimmung und Vorbereitung für diesen großartigen Wanderweg. Und hinterher ist es erst recht ein schöner Rückblick.

2005, 90 min. 17,99 Euro

Epilog:

Wie ging es noch weiter? Sabine und Jürgen hatten noch weitere Zeit eingeplant und sich nach einer Erholungspause den Great Glen Way vorgenommen, Schottlands jüngster Fernwanderweg. Dieser schöne Weg erstreckt sich 117 km lang und gut markiert von Fort William im Westen bis nach Inverness im Osten. Er verläuft auf dem größten geologischen Bruch Großbritanniens und folgt Teilen von Telford’s historischem Caledonian Canal. Entlang der Ufer des berühmten Loch Ness verlaufend endet er in Inverness, der Hauptstadt der Highlands.

Wer jetzt Lust bekommen hat: Da wäre noch der Speyside Way (135 km) oder The Southern Upland Way (340 km) …

Fort William am Morgen des 25. Juni 2007. - Foto: erich Kimmich

Unser Zug fuhr um 7.40 Uhr in Fort William ab. Das Wetter zeigte sich zum Abschied von seiner besten Seite. Die Strecke auf der West Highland Line führte wie in einem raschen Déja-vu zu einem großen Teil entlang unserer Wanderstrecke bis zum Loch Lomond und in einem Bogen bis nach Glasgow, wo wir gegen Mittag ankamen. So bot sich uns Gelegenheit, noch einmal große Teile des Weges zu sehen, die letzten Tage beim Vorbeifahren nochmal Revue passieren zu lassen.
Vom Zug aus bot sich ein fantastisches Licht-Spektakel, denn immer wieder schien die Sonne zwischen den Wolkenbänken, bot in den Highlands alle Grün- und Grautöne auf bis hin zu einem frischen Regenbogen. Eine Gruppe Rehe und ein imposanter Hirsch ließen sich vom vorbeifahrenden Zug kaum stören. Nach Bridge of Orchy sahen wir parallel auf der anderen Talseite einen zweiten Zug fahren. In Crianlarich, wo sich die Schienenwege treffen, wurde dieser Zug mit dem unseren zur Weiterfahrt gekoppelt.

Zwischen Bridge of Orchy und Crianlarich. - Foto: Erich Kimmich

Zeit für Einkäufe hatten wir keine mehr, per Taxi fuhren wir kurzerhand zum Flughafen, checkten ein und flogen mit British Airways nach Heathrow. Kleine Genugtuung: In einem umfangreichen Whisky-Geschäft im Flughafen musste der Fachmann unsere Frage nach einem Oban-Whisky leider ablehnend beantworten. Dann der Weiterflug nach Stuttgart. Verspätet und ohne Verpflegung. Unerwartet schnell lag mein Rucksack in Stuttgart auf dem Band. Noch eine S-Bahn-Fahrt und die Heimat hatte uns wieder.

Heathrow, der unendlich große Flughafen. - Foto: Erich Kimmich

Schaut mal, was wir alles mitgebracht haben: zum Beispiel das feucht-kühle schottische Wetter! Es sollte uns zu Hause noch mehr als zwei Wochen lang begleiten…

Ben Nevis spielt Verstecken

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Mit Rucksack und Laptop auf dem schottischen West Highland Way.
8. Tag, Sonntag 24. Juni 2007. Von Kinlochleven nach Fort William. 23,5 km.

Was macht der Schotte McSpar im Kühlschrank? Er guckt nach, ob das Licht auch wirklich ausgeht!

23,5 Kilometer bis zum Ziel haben wir noch vor uns. Die Läufer des Rennens sind natürlich längst schon am Ziel angekommen. Mit dem Rucksackpacken lassen wir uns heute eher ein wenig Zeit. Erst mal gehts um 8 Uhr zum Frühstück. Der kleine Essraum ist fein eingedeckt. Die gestärkten Stoffservietten passen zum Brokatambiente.

Frühstück in Kinlochleven

Es stehen frische Melonen und Ananas auf dem Tisch, daneben Erdbeeren, Himbeeren und Kirschen. Heute steht ein Porridge auf dem Plan; wir wollen ja alles mal ausprobiert haben. Vermischt mit frischen Ananas schmeckt der Kleisterbrei ja ganz prima. Teil zwei ist der schottische Frühstücksteller, auf dem sich wieder Schinken, Spiegeleier, gekochte Champignons, Tomate, Pfannkuchen und Black Pudding eingefunden haben. Die gebratenen Würstchen haben aber heute keine Chance mehr. Ach ja: die Orangenmarmelade auf dem Toastbrot bildet den feinen Abschluss zum dezenten Schwarztee.

Bald schon sind wieder die Wanderstiefel geschnürt und gemeinsam mit Sabine und Jürgen ziehen wir durch Kinlochleven zum Einstieg in den Wanderweg. Im Coop-Markt kaufen wir rasch noch zwei knusprige Brötchen. Sonntag Morgen – das Dorf ist wie ausgestorben. Vorbei an der alten Aluminiumfabrik, die im Jahr 2000 ihren Betrieb eingestellt hat, kommen wir über die Leven-Brücke und sehen wieder die stilisierte Distel, das Symbol des West Highland Ways.

Der wie üblich steinige Weg. - Foto: Erich Kimmich

Als kleiner Waldpfad führt uns der Weg im Zickzack bergauf, es fängt leicht an zu regnen: Umziehen. Bald überholen wir Sabine und Jürgen beim Umpacken, während wir von anderen Wanderern überholt werden. Die vierköpfige schnelle Frauen-Truppe ist natürlich schon längst durch; die Familie aus Amerika sehen wir vor uns wandern.

Sabine und Jürgen beim Aufstieg

Das Dörfchen Kinlochleven wird unter uns immer kleiner, wir sehen ein Schiff am Pier, unser Guesthouse am Ortsrand und den gestrigen Weg entlang der Druckleitung. Der Blick entlang des Loch Leven Richtung Meer weitet sich. Von oben sieht das wie ein kleiner Fjord aus. Bald wird unser Weg breiter und steiniger – wir sind wieder auf einer alten Militärstraße.

Der Weg zieht sich noch weit hinauf. - Foto: Erich Kimmich

Unverhofft taucht eine Horde von Geländemotorradfahrern auf. Ihre Maschinen haben nicht mal einen Sitz, denn – wie beim Skifahren – ist auf den holprigen Strecken Federn das erste Gebot. Hinterher folgt ein Jeep der Lochaber Mountain Rescue Team.

Mit dem Motorrad wärs schneller gegangen... - Foto: Erich Kimmich

Ein Hochtal führt uns etwa 3 km langsam ansteigend hinauf zu einer flachen Passhöhe auf gut 300 Metern Höhe, auf beiden Seiten steigen hohe Bergmassive empor. Bei den Hausruinen der Farm Tigh-na-sleubhaich machen wir erst mal eine verdiente Pause: Jetzt sind diverse Gummibärchen an der Reihe! Die Schafe tummeln sich in dem alten Gemäuer.

An der verfallenen Farm. - Foto: Erich Kimmich

Der Wind hat an Kraft zugenommen und lässt meinen Regenmantel wie ein Segel flattern. Ein scharfes Foto wird zum Spiel mit dem Zufall, denn der flatternde Regenmantel zerrt gewaltig. Nun folgt dem ansteigenden Hochtal ein abfallendes. Gute zwei Kilometer stolpern wir weiter von Stein zu Stein, queren unzählige Bäche und Rinnsale.

Interessante Moos-Köpfchen. - Foto: Erich Kimmich

Dann wendet sich das Tal von westlicher in nördliche Richtung. Am Beginn eines größeren Waldgebietes legen wir nochmals eine Rast ein, diesmal stehen die Brötchen, Landjäger und Käse und gute schwarze Schokolade auf dem Speisezettel. Ein Paar mit Zeltausrüstung hat einen jungen Hund dabei, der die Befehle noch nicht ausreichend gelernt hat. Lieber rast er auf den Zaun zu, hinter dem dutzende Schafe grasen, als auf die Trillerpfeife von Herrchen und Frauchen zu hören.

Na, auf gehts! Zuviele Steine? - Foto: Erich Kimmich

Manchmal hat er auch einfach keine Lust mehr, weiterzulaufen. Wohl verständlich – ohne Wanderschuhe auf den vielen Steinen!
Nach einem grauenvoll wirkenden Kahlschlagsfeld haben wir den kleinen See Lochan Lunn da Bhra erreicht.

Lochan Lunn da Bhra - Foto: Erich Kimmich

Nun verlässt unser Weg die Militärstraße, die nun asphaltiert auf dem kürzesten Weg nach Fort William führt. Wieder mal müssen wir über die klassischen Schutzgatter klettern, eintritt dahinter und ich sinke mit einem Schuh fast komplett in den Morast ein. Über hügeliges Weidegelände – wir werfen noch einige Male einen Blick zurück auf den idyllischen See – zieht sich der Weg Richtung Nordosten und erreicht bald eine größere Fichtenwald-Fläche, in der es bergauf und bergab geht. Klassisches „Schwarzwald-Feeling“ stellt sich ein: die Wipfel sausen und rauschen im Wind, der Wald ist dunkel und feucht. Moospolster überziehen alte Holzstapel, die wohl vergessen wurden, hier und da ein rauschender Bach dazwischen. Einige Wanderer kommen uns entgegen. Nach einem kräftigen Abstieg rasten wir an einem Flüsschen auf dicken Steinen. Über einen kleinen Pass gelangen wir auf ausgebaute Forstwege und sehen zum ersten Mal hinunter nach Fort William.

Ein erster Blick nach Fort William. - Foto: Erich Kimmich

Ganz da unten ist unser Ziel! Zunächst aber müssen wir nochmal die Zähne zusammenbeißen, denn das Traben auf der steinigen Forststraße lässt die müde gelaufenen Sohlen und ihre Wehwechen ins Bewusstsein treten.

Blick ins Glen Nevis, rechts die Bergflanke von Großbritanniens höchstem Gipfel. - Foto: E.Kimmich

Von hier aus – auf etwa 350 Höhenmetern – könnten wir einen imposanten Blick auf Großbritanniens höchsten Berg Ben Nevis (1.344 m) haben. Aber heute wie an 300 anderen Tagen im Jahr ist er verhüllt durch eine dicke Wolkenbank, die nicht mal seine Ausmaße erahnen lässt. Jährlich erklimmen hunderte Wanderer den Gipfel – und einige kehren nicht wieder zurück: plötzliche Temperaturstürze und der nahezu immerwährende Nebel werden oft unterschätzt.

Dann haben wir die Talsohle endlich erreicht und machen eine kurze Pause im Glen Nevis Visitor Centre, wo wir eigentlich auf ein zusätzliche kleines Café gehofft haben. Doch mehr als ein Getränkeautomat ist dafür nicht vorhanden. Aber Bücher, tolle Postkarten und interessante Informationen zum Ben Nevis sind ausgesprochen spannend.

Gut zwei Kilometer fehlen nun noch bis zum Ende des Weges. Es geht nun nur noch am Straßenrand parallele des Nevis River entlang. Zwar ist der Asphalt irgendwie schon eine Abwechslung zu den groben Steinen, doch auch hier fühlt man sich rasch richtiggehend erschöpft und erledigt. Entlang der ersten Häuser in Fort William schaffen wir es gerade noch und dann sehen wir das Schild, das wir von diversen Postkarten schon kennen: The End of the West Highland Way, 152 Kilometer vom Ausgangspunkt bei Glasgow entfernt. Also erstmal ein Foto schießen!

Geschafft: 152 km Steinpiste.... - Foto: Erich Kimmich

Hurra! Wir haben es geschafft!

Fort Williams liegt ganz traumhaft zwischen hohen Bergmassiven und einer langen Meeresbucht am „Loch Linnhe“. Ein Blick auf die pagodenartigen Türmchen und wir wissen: da ist eine Distillerie, die Ben Nevis Distillerie, die älteste Schottlands, gleich am Ortseingang. Abends werden wir davon einen probieren… doch der Glengoyne ist besser… aber der Oban ist noch besser…

Ein paar hundert Meter, die uns wie Kilometer vorkommen, bringen uns Richtung Zentrum und links am Berg entlang hinauf zu unserem Bed & Breakfast, wo wir mit einem duftenden Tee und Honigkuchen begrüßt werden. Duschen, umziehen, Füße eincremen (unser Geheimtipp: Weleda Fußbalsam) und ab gehts hinunter ins Städtchen. Am Bahnhof kaufen wir die Fahrkarten für die morgige Rückreise, in der High Street treffen wir uns mit Sabine und Jürgen. In einem ganz tollen Pub namens The Grog & Gruel sitzen die vier schnallen Damen und winken uns. Wir bekommen nach einigem Warten bei einem Pint Dunkelbier auch einen Platz und gönnen uns ein gutes 8 oz. Sirloin Steak mit kringeligen Pommes und Salat dazu. Sabine kommt aus Niederbayern, Jürgen aus Köln bzw. Mannheim. Es macht viel Spaß, sich über unsere Wegbeobachtungen und die anderen Mitwanderer auszutauschen und über größere und kleinere Fernwanderungen zu schwärmen. (Meldet euch, ihr beiden!)

An der Kaimauer in Fort William, abends gegen 23 Uhr. - Foto: Erich Kimmich

Der anschließende Verdauungsspaziergang führt Helmut und mich noch durch die High Street, wo sich viele Geschäfte, Craft Shops, Pubs und Restaurants aneinander reihen bis hinunter zum Hafen.

Fort William: Vor dem Pub The Volunteer Arms gegen 23.30 Uhr. - Foto: Erich Kimmich

Es ist schon fast 23 Uhr und immer noch nicht ganz dunkel. Aus einem Pub dringt Dudelsackmusik und ganz viel fröhliche Ausgelassenheit. Im Pub The Volunteer Arms gibts Gitarren- und Akkordeonklänge: wir mischen uns unter die Fröhlichen und genießen Stimmung und Musik bei einem dunklen Pint. Jung und Alt sind gleichermaßen fröhlich, die volkstümliche Musik reißt einfach mit. Toll ist auch, dass in allen britischen Kneipen nicht geraucht werden darf. Das tut der Stimmung offensichtlich keinen Abbruch. Und wer es dennoch nicht lassen kann, geht eben kurz mal raus. Die Best-Brauerei hat dazu gleich den passenden Bierdeckel produziert:

Der Raucher-Bier-Abdecker-Schutz-Deckel - Foto: Erich Kimmich

Kurz vor Mitternacht sind wir dann im Bett…..

Blick vom Bed & Breakfast aus auf die Bucht. - Foto: Erich Kimmich

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Alpine Landschaft und rasende Rekord-Läufer

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Mit Rucksack und Laptop auf dem schottischen West Highland Way.
7. Tag, Samstag 23. Juni 2007. Von Inveroran nach Kinlochleven. 30 km.

„Hast Du Deine neuen Schuhe an?“ fragt der alte Schotte: „Ja Daddy.“ – „Dann mach gefälligst größere Schritte.“

Heute ist unsere längste Etappe. Wir haben alles umgepackt und sind Punkt acht im Frühstücksraum des Inveroran Hotels. Früher gibt es kein Frühstück.
Häuschen bei Inveroran. - Foto: Erich KimmichDas Frühstück ist gewohnt reichlich. Unmittelbar danach bezahlen wir das Hotel, stellen meinen Rucksack mit einem Gepäckzettel von Travel-Lite versehen an der Rezeption ab. Um 8.40 Uhr sind wir wieder auf der Piste. Es geht regenfrei auf geteerter Straße ein Stück das Tal nach hinten zum „Kilometer 100“ des WHW und dort rechts ab zur Victoria Bridge über den Hauptzufluss des Loch Tulla. Gleich hinter der Brücke geht es auf steinigem Weg hinein in einen großen Wald, der wie das „Black Mount Lodge“ der Familie Fleming („James Bond“) gehört.

Ausblick von der Victoria Bridge aus. - Foto: Erich Kimmich

Am Forest Lodge vorbei geht es weiter ansteigend in die Black Mounts und an den Rand des großen Rannoch Moors.

Forest Lodge am Loch Tulla. - Foto: Erich Kimmich

Die Straße ist breit, aber steinig. Es ist eine alte Straße – the Old Droving Route -, die früher als einzige Verbindung für den Transport von Gütern bestand. Vor dem Ende des 18. Jahrhunderts verwahrlosten die Militärstraßen zusehends und konnten den wachsenden Handelsverkehr nicht ausreichend übernehmen. 1803 beauftragte die Regierung einige Baumeister mit der Instandsetzung der Straßen. Sie wurden mit einem festem Unterbau und feiner Deckschicht gestaltet, sodass auch Tierherden über sie getrieben werden konnten. Mit dem Bau der Fahrstraße A82 1933 verlor die Straße wieder an Bedeutung.
Alte steinige Handelsstraße. - Foto: Erich Kimmich

Bald setzt feiner Regen ein, der stetig stärker wird. Wir ziehen die Regenmäntel über und bedauern, dass die Sicht nicht besser ist. Der Weg ist dicht mit zahlreichen mittelgroßen Steinen „gepflastert“, das Wandern darauf ist anstrengend; fast meint man, jeden Stein einzeln unter der Sohle zu spüren. Oft ist das Weitergehen durch riesige Pfützen versperrt, die wir teilweise umgehen oder einfach durchwandern. Es gibt weit und breit keine Unterstellmöglichkeit.

Der Wanderweg aus der Schuh-Perspektive: Hop, über die Pfütze springen!
Der steinig-nasse Weg aus der Schuhspitzen-Perspektive

Nach zehn langen Kilometern (meine Füße tun furchtbar weh!) haben wir eine Höhe von 450 m erreicht. Unser Ausgangspunkt lag bei 200 Metern.

Das Moorgespenst kann sogar Fotos machen! - Foto: Helmut Eßlinger

Wir sind an etlichen Moorseen vorbei gekommen, mitten drin haben zwei Wanderer gerade ihr Zelt abgebaut. Ansonsten feuchte Landschaft soweit es der Blick zulässt.

200-Grad-Panorama ins Rannoch Moor (5 MB) mit den zwei Wanderern vor uns her.
Rannoch Moor. - Foto: Erich Kimmich

Der Regen lässt gegen 11 Uhr wieder nach und wir können einige eigenartige Moorpflanzen fotografieren.

Blütenpflanze... - Foto: Helmut Eßlinger

Der Blick hinunter in die Talaue bei Kings House ist eindrucksvoll, obwohl die mächtigen, zerklüfteten Bergspitzen allesamt in den Wolken versteckt bleiben. Im Osten sehen wir das Rannoch Moor mit seinen zahlreichen Gewässern.

Der Ausblick könnte soo schön sein... - Foto: Erich Kimmich

Endlich haben wir auch die zwei Wanderer und ihren Border Collie erreicht, die wir seit Stunden vor uns gesehen haben. Endlich ging es abwärts – mit tollen Ausblicken – und immer auf das Kings House zu, wo wir Mittag machen wollen.

Weiter Blick Richtung Nordosten. - Foto: Erich Kimmich

Die Liftanlagen des Skigebiets White Corries lassen wir links liegen. Vor einem kleinen hübschen Häuschen verweist ein Wegweiser auf die Old Droving Route. Das Schild ist von der Scottish Rights of Way Society aufgestellt worden, die sich den Schutz der Wege und den ungehinderten Zugang zur schottischen Landschaft zum Ziel gesetzt hat.

Cottage nahe Kings House. - Foto: Erich Kimmich

Kings House, die heutige Zwischenetappe. - Foto: Erich Kimmich

Nun sind wir am Eingang des berühmten Glen Coe und haben bald unser Zwischenziel Kingshouse Hotel an der A82 erreicht. Wir sind froh, Rucksack und Schuhe ausziehen zu können. Ein Tee, ein Bier und zwei Suppen geben wieder neue Kraft. Zwischen 12.10 und 13.10 Uhr sind wir hier in der Bar. Die Herberge ist schon mehr als 200 Jahre alt und diente an der Brücke über den Etive River als Übernachtungsplatz für Treiber und Vieh. Der gewaltig wie ein Vulkan aufragende Glen Coe mit seinen über 1.000 Höhenmetern und das gleichnamige Tal hinterlassen starke Eindrücke.

Blick auf den Stob Dearg (1022 m), links das Etive Valley. - Foto: Erich Kimmich

Nun geht es mit einigermaßen gutem Wetter (das ist dann regenfrei, aber leider komplett bewölkt) den Fluss aufwärts begleitend, immer parallel zur Straße.

Steinflechten. - Foto: Erich Kimmich

Im Tal des Glen Coe River. - Foto: Erich Kimmich

Vor dem Hotel war bereits ein Streckenposten mit Bananen und Getränken eingerichtet. Wenige Sportler in meist kurzen Hosen und verdreckten Turnschuhen kommen vorbei gerannt, überholen uns bergauf mit viel Tempo. Und später am Straßenrand fallen uns die vielen Autos auf, in denen hilfreiche Leute den Läufern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Bald wird klar, dass es das diesjährige West Highland Way Race sein muss, das hier am längsten Tag des Jahres stattfindet. Da laufen Leute die 152 km lange (steinige) Strecke in 15 Stunden 47 Minuten!! Der helle Wahnsinn!

Eindrücke vom West Highland Way Race 2007. - Foto: Erich Kimmich

Wir steigen nun stetig aufwärts zu den sogenannten Teufelstreppen „Devil’s Staircase„, ein sehr alpin wirkender Pfad, der im Zickzack zwischen gluckernden Bächen und Heidekraut bis 540 m Höhe aufwärts führt. Etliche Läufer rennen an uns vorbei den Berg hinauf als wäre der Weg eine flache Aschenbahn. Dieses Tempo ist unglaublich! Die meisten haben nur einen Minirucksack und zeigen dicke stählerne Beinmuskeln.

Devils Staircase. - Foto: Erich Kimmich

Endlich oben sind wir auf gut 550 Meter Höhe angelangt und genießen die herrliche Sicht auf die umliegenden Bergriesen an dieser höchsten Stelle des gesamten Wegverlaufs. Die grandiose Landschaft nimmt und gefangen.
Bei einigen Steinmännchen machen wir Rast und essen die zahlreichen Reste aus dem Rucksackfutter auf. Der Weg ist vielfach mit Steinen gepflastert und bietet den zahlreichen Rinnsalen und Bächen mit dicken Granitsteinen Durchlass. Er wurde schon im 18. Jahrhundert als Teil der Militärstraßen angelegt und verbindet Glen Coe mit Kinlochleven.

Blick auf Altnafeadh (ca. 375 m) und das Glen Coe. - Foto: Erich Kimmich

Wir sehen hinunter zur Straße, wo wir vor wenigen Minuten noch gewandert sind und bis Richtung Kings House zurück.

Knabenkraut-Orchideen im Glen Coe. - Foto: Helmut Eßlinger

Leider können wir das nördlich gelegene Ben Nevis-Massiv mit dem höchsten Gipfel Großbritanniens nur teilweise erkennen: seine Bergspitzen verstecken sich die meiste Zeit des Jahres hinter tief hängenden Wolken.

Foto: Erich Kimmich

Etwas mehr östlich können wir den Staudamm des Blackwater Reservoirs sehen und das nach Westen anschließende Tal hinab nach Kinlochleven erahnen, das ungeheuer tief eingegeraben ist. Wo wir bisher meist U-förmige Täler hatten, ist es jetzt ein V-förmiger Talquerschnitt.

Blick nach Norden zum Blackwater Reservoir, Richtung Ben Nevis. - Foto: Erich Kimmich

Nach etlichen Kilometern Abstieg kommen wir an die Stelle, wo der Versorgungsweg des Blackwater Reservoirs herüberkommt. Vom Stausee führt ein Kanal das Wasser an diesen Punkt, wo es in sechs dicken Druckrohren knapp 300 Höhenmeter nach Kinlochleven zur Stromgewinnung für eine Aluminiumfabrik hinuntergeleitet wird. Während die Rohre den kürzesten Weg nehmen und nach 1.250 Metern schon unten ankommen, verläuft der Wanderweg entlang eines Seitentals im Zickzack.

Lang und weit zieht sich der Weg steil hinunter nach Kinlochleven. - Foto: Erich Kimmich

Ganz da unten im Tal muss irgendwo Kinlochleven liegen. Ein weiter Weg …

Der hats eilig...   - Foto: Erich Kimmich

Nur vereinzelt überholen uns Teilnehmer des WHW-Rennens.

Noch ein langer Abstieg, die Füße tun weh... - Foto: Erich Kimmich

Die letzten Kilometer ist es ein steiniger Fahrweg, der uns noch gehörig „schlaucht“.

Unten die Häuser von Kinlochleven. - Foto:. Erich Kimmich

Nach gut 3,5 Kilometern kommen wir endlich – wir können kaum noch „bremsen“ – in Kinlochleven an. Einige Teilnehmer des Rennens haben uns noch überholt. Unten im Dorf ist wieder ein Streckenposten eingerichtet; zahlreiche Angehörige warten in Autos auf ihre Favoriten. Die Leute versuchen sich mit Mückennetzen am Hut vor den Qäulgeistern zu schützen.

Unser Bed & Breakfast Edencoille. - Foto: Erich Kimmich

Unser Quartier im Bed & Breakfast Edencoille bei Elsie und Drew Robertson am Ortsrand ist schnell gefunden. Die Hausherrin verweist uns auf den Rucksack, der schon eingetroffen ist. Das Haus ist unglaublich liebevoll eingerichtet. Die Betten – im attraktiven Country-Style – sind zartrosa bezogen, ein Teddybär liegt auf dem Kopfkissen, Brokatvorhänge zieren das Fenster, die Tapete ist rosa-golden mit feinen Blumenmustern. Überall stehen Porzellanfiguren, in unserem Zimmer sind das kleine Hunde.

Märchenhaftes Schlafzimmer. - Foto: Erich Kimmich

Der Tee, den wir uns zubereiten, schmeckt köstlich zartblumig. Im Flur stehen dutzende verschiedene Süßigkeiten, Kekse, Short Bread, die man sich gegen Kleingeld zum Tee dazu nehmen kann. Selbst die Waschbeckenschüssel ist mit Blumenmustern bedruckt.

Köstlicher Tee weckt die Lebensgeister. - Foto: Erich Kimmich

Ein Prospekt weist auf den Dampfzug von Fort William nach Mallaig hin, wo die berühmten Aufnahmen für die Harry Potter-Filme gemacht wurden. Ein anderer Flyer verweist auf The Ice Factory, ein Berg-Freizeitpark in den alten Mauern der ehemaligen Aluminiumfabrik, wo wir beim Eintreffen bereits vorbeigekommen sind.

Gegen 20 Uhr gehen wir ins Dörfchen, ich kaufe mir noch eine Scottish Music CD. Entlang der „Rennstrecke“ mit den wartenden Fans und vielen Helfern finden wir im Tailrace Inn in ein Pub zum Essen. Hier treffen wir wieder die Mitwanderer aus Bayern bzw. Mannheim, die ihre Strecke anders als wir eingeteilt hatten, nun aber im selben B&B untergebracht sind. Morgen wartet die letzte Etappe mit 22,5 km auf uns.

Postamt in Kinlochleven

Auf dem Rückweg sende ich das erste E-Mail meines Lebens aus einer Telefonzelle ab. Das Tippen (z.B. das @) war etwas umständlich, hat aber dann irgendwie funktioniert. Und währenddessen stechen einen die Midges in der Telefonzelle…

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Nachtrag:

Auf der Website des West Highland Race kann man im Nachhinein manch Interessantes erfahren. So ist dort ein Höhenprofil der gesamten Wegstrecke zu finden. Man erfährt, dass es laut Software 4.499 m Anstiege auf der gesamten Strecke gibt. 76 Läufer haben im Jahr 2007 den gesamten Weg bis ins Ziel geschafft. Adrian Davis gewann das Rennen im Jahr 2007 in 17 Stunden, 4 Minuten und 13 Sekunden bei seinem ersten Versuch. Lucy Colquhoun folgte knapp hinter ihm und stellte einen neuen Rekord der Frauen auf mit 17 Stunden, 16 Minuten und 20 Sekunden.
Klickt man unter \“Race Information”, kann man sogar die gesamte Strecke mit 3-D-Kartenausschnitten nachverfolgen; zu jedem Ausschnitt gibt es ein zugehöriges Foto.
In der \“Race Community” bieten die Organisatoren sogar einen Bildschirmschoner an und es gibt von Marc Hamilton einen reizvollen 31-Minuten-Film vom 2006er Rennen.

Forellen, Regenschauer, fantastische Rundblicke

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Mit Rucksack und Laptop auf dem schottischen West Highland Way.
6. Tag, Freitag 22. Juni 2007. Von Tyndrum nach Inveroran. 14,5 km.

Ein Arzt sagt zu einem Schotten: „Ihre Gattin braucht dringend Seeluft!“ Daraufhin nahm der Schotte seine Frau und ging mit ihr in ein Fischgeschäft.

Eine ganze Forelle zum Frühstück!! - Foto: Helmut Eßlinger

Das war heute ein Frühstück in Tigh Na Fraoch-Cottage! Erst gabs eine Schüssel Müsli mit Milch, dann bekam jeder von uns eine gekochte Forelle. Ausgezeichnet im Geschmack, lachsfarben – und reichlich groß. Und zu guter Letzt noch ein Toast mit guter englischer Orangenmarmelade… Wenn das keine gute Grundlage war!

Tyndrum liegt an der Kreuzung zweier wichtiger Routen: von Glasgow nach Fort William und von Argyll nach Pertshire. Ende des 19. Jahrhunderts wurden zwei Bahnlinien hier durchgezogen, jede mit ihrem eigenen Bahnhof. Heute ist Tyndrum Haltpunkt für die vielen Wanderer auf dem West Highland Way – von Schottlands größter Stand zum höchsten Berg des Landes.

Tigh Na Fraoch-Cottage in Tyndrum. - © Foto: Erich Kimmich

Der Mann von Heather Clement war mit dem Einpacken seiner Angelausrüstung beschäftigt als wir wieder um 9.20 Uhr wie an den Vortagen losmarschierten. Das Wetter sah passabel aus. Blühende Vielfalt überall in den Vorgärten. Im Ortszentrum von Tyndrum (200 Einwohner) konnten wir uns bei einer Cash Machine mit flüssigen Barmitteln eindecken. In einem Outdoorgeschäft haben wir dann noch für meine gürtellose Wanderhose einen Rucksackriemen als Gürtel gekauft.
Dann endlich gings wirklich los. Schon 10.20 Uhr. Am neu angelegten Friedhof von Tyndrum vorbei (ein Grab) führt der Weg auf einer ehemaligen Militärstraße aus dem 18. Jahrhundert, parallel zur Bahn und zur stark befahrenen Autostraße A82.

Tyndrum liegt hinter uns, der Ben Odhar stets rechts. - © Foto: Erich Kimmich

Rechter Hand thront wie ein riesengroßer gleichmäßig geformter Sandhaufen der Beinn Odhar mit 901 Metern Höhe, während unser Weg wie Zug und Straße an der Paßhöhe nicht mal die 375-Meter-Marke erreichen. Gut, dass den WHW niemand über die Bergspitzen geplant hat. Es geht einigermaßen zügig voran, obwohl mein linker Fuß schmerzt.

Blick Richtung Tyndrum, rechts die Bahnlinie. - Foto: Helmut Eßlinger

Vom Pass aus haben wir eine ganz gute Aussicht, sehen vorne den nächsten Berg, den 1074 m hohen Beinn Dorain.

Blick Richtung Bridge of Orchy und Ben Dorain. - © Foto: Erich Kimmich

Einige Wasserfälle und Bäche queren den steinigen Weg. Die Bahnlinie unterqueren wir nach etwa zwei Kilometern. Während sich die Bahnstrecke nur langsam absenkt und dabei einen hufeisenförmigen, langen Bogen durch zwei Seitentäler beschreibt, führt der West Highland Way zügig nach unten und ist rasch auf 225 Metern angekommen.

Blick ins Tal des Allt Kinglass. - © Foto: Erich Kimmich

Eine schöne alte Bogenbrücke führt über den Fluß Auch Gleann. Wir können kilometerweit voraus den Wegverlauf sehen. Die Sonne zieht entlang der langen Bergflanke des Beinn Dorain seit einer halben Stunde, der Schatten beginnt genau im Bereich der Bahnlinie. Hinter uns ziehen einige dicke Wolken von Tyndrum heran. Ein Güterzug naht vom Pass herab und liefert und Gelegenheit für einige Fotos.

Ein Güterzug ist Richtung Norden unterwegs. - Foto: Helmut Eßlinger

Bis der Zug den langen Bogen durchfahren hat, müssen wir einige Minuten warten und können ihn dann auf der Brücke fotografieren. Später überquert der Wanderweg die Zugstrecke.

Rechts noch sonnig, links schattig-wolkig. - © Foto: Erich Kimmich

Das Gras entlang der alten Brücke ist von den Schafen sauber kurzgefressen und lädt uns zu einer Rast ein. Kaum haben wir die Last der Rucksäcke abgeworfen, fallen die ersten dicken Tropfen. Okay, packen wir eben wieder zusammen, hängen Anorak und Regenmantel um und gehen weiter. Und nun beginnt ohne Vorwarnung ein heftiger Regenguss. Der Himmel hat alle Schleusen geöffnet. Es sind ziemlich genau zweieinhalb Kilometer, die wir im dicken Regen gehen.

Regenwetter, premium. - © Foto: Erich Kimmich

Der Regen kommt von der Seite und trommelt gnadenlos auf die Kapuze. Helmut hat sich für Anorak statt Regenmantel entschieden. In Sekunden steht der gesamte Weg unter Wasser, Bächlein bilden sich, strömen zusammen. Stellenweise ist der Weg auf der ganzen Breite eine einzige Pfütze, oft so tief, dass wir sie sicherheitshalber umrunden anstatt hindurch zu gehen.

Kurz vor dem Regen fotografiert. - Foto: Helmut EßlingerTrotz des langen Regenmantels ist die kurze Hose auf der linken Wetterseite durchnässt. Dank der Gamaschen halten die Schuhe erstmal noch durch. Das Gehen wird zur Mühsal und zum Kampf mit den Wassermassen. Endlich kommen wir beim Bahnhof Bridge of Orchy an und besprechen wie wir weiter vorgehen wollen. Schnell ist klar: wir gehen ins Hotel des kleinen 50-Einwohner-Örtchens, um uns abzutrocknen und zu stärken. Helmut hat bei der Regenflut nasse Füsse und nasse Klamotten bekommen.

Im Hotel Bridge of Orchy können wir die Rucksäcke in einen eigenen Raum wegstellen, ziehen dort auch die Bergstiefel aus und bestellen Tagessuppe (aus roten Linsen) und Getränke. Später gibt noch warme Scones mit süßer Sahne und Marmelade zum Kaffee. Einfach köstlich!! Im Wanderführer finden wir die folgende Passage: „Der Ort liegt in einer sehr regenreichen Region. Jährliche Niederschläge von 3.000 mm und mehr sind keine Seltenheit. Im Vergleich dazu hat z.B. Hamburg mit 600 bis 700 mm jährlicher Niederschlagsmenge schon fast Wüstenklima.“

Hotel Bridge of Orchy. - © Foto: Erich Kimmich

Der Regen hat natürlich aufgehört sobald wir im Haus waren. Und gegen 14.30 Uhr sind wir wieder gehbereit. Wir starten über die historische Brücke über den Fluß Orchy, die dem Örtchen den Namen gab. Nach den Jacobiter-Aufständen 1715 begann die Regierung mit dem Bau von Straßen, Befestigungen und Brücken. 1751 wurde die Brücke über den River Orchy von Major Caulfeild erbaut.

Bridge of Orchy. Im Land des Rob Roy. - © Foto: Erich Kimmich

River Orchy flußaufwärts... da ist das Regenwetter... - © Foto: Erich Kimmich

Noch ein Foto flußauf- und flußabwärts und es geht hinein in einen Wald, der bald durch Heidelandschaft abgelöst wird. Der Weg steigt von etwa 200 m hinauf zum Berg Mount m Carraigh (320 m), der – so der kleine Wanderführer – eine der schönsten Ausblicke des gesamten Wegs bietet. Da aber überall noch Wolken hängen – in der Ferne hören wir laufend Donner grollen – ist dieser Blick ein wenig getrübt.

Blick zu den Black Mounts. - © Foto: Erich Kimmich

Dennoch ist der Blick auf die Berge der Black Mounts mit ihren Granitgipfeln und auf das tief unten liegende Loch Tulla ein ganz beeindruckendes Erlebnis.

360-Grad-Panorama (Quicktime, 12 MB!)

JPG-Foto mit Ortsbezeichnungen und Wegverlauf. Evtl. Doppelklicken.

Blick auf Loch Tulla. - © Foto: Erich Kimmich
Panoramablick auf Loch Tulla

Blick auf Loch Tulla. - © Foto: Erich Kimmich

Panoramablick auf Loch Tulla, Inveroran-Hotel und Victoria-Bridge (Quicktime, 4 MB)
Weit unten am Seeufer sehen wir die Victoria Bridge und unser Abendquartier, das fast 300 Jahre alte Inveroran Hotel. Zügig geht es hinunter, immer wieder den Blick auf den See gelenkt und auf die riesigen Bergmassive ringsum.

Inveroran Hotel - Foto: Helmut Eßlinger

Es passt ausgezeichnet zu diesem kühlen Regentag, dass wir schon um 16 Uhr dort sind. Wir machen es uns im Zimmer gemütlich, hängen die feuchten Sachen auf und organisieren für den Folgetag den Gepäcktransport eines unserer Rucksäcke. Aber erstmal nutzen wir das Laptop für ein DVD-Video: „Loch Ness“ heißt die Schnulze, bei der der US-Wissenschaftler Jonathan Dempsey den Auftrag erhält, nach Loch Ness zu reisen, wo er die Existenz des sagenumwobenen Seemonsters widerlegen soll. In der schottischen Idylle angekommen, stößt der Yankee mit seinen Computern bei den Bewohnern auf Ablehnung. Doch schon bald er das Herz der kleinen Isabel und auch das ihrer Mutter, der hübschen Pub-Besitzerin Laura, gewinnen. Isabel ist es letztlich auch, die ihrem großen Freund das Versteck von Nessie verraten wird.

Schon ist es Zeit zum Abendessen. Es gibt drei Gänge: Hirschterrine mit Salat, rotem Gelee und Haferbrot, Lamb with Mintsauce, Vegetables. Ein Vanilla Fudge-Eis von den Orkney-Inseln schließt das Essen ab.

Abendessen im Inveroran-Hotel. - © Foto: Erich Kimmich

Helmut genießt statt dem Eis einen schottischen Käseteller. Noch ein Oban-Whisky dazu und in der Lounge ein sehr nettes Gespräch mit dem Ehepaar aus Bristol, die wir schon seit ein paar Tagen immer wieder gesehen haben.
Morgen steht eine 30-km-Etappe bevor. Nicht viel, könnte man meinen. Doch in dem teils schwierigen Gelände haben wir bislang nur etwa 3 km pro Stunde geschafft – inklusive Fotostopps und Pausen. Macht also morgen 10 Stunden…

Abendliches Tagebuchschreiben im Inveroran-Hotel. - Foto: Helmut Eßlinger

Wir müssen morgen besonders früh los. Einen der Rucksäcke wollen wir ausnahmsweise mit Travel-Lite transportieren lassen. Mal schauen, wie wir diese 30 km-Tortour überstehen werden…

Streckenverlauf in Google Maps

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Ohne Gepäck gehts doch leichter

Gigantisches Panorama

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Mit Rucksack und Laptop auf dem schottischen West Highland Way.
5. Tag, Donnerstag 21. Juni 2007. Von Inverarnan nach Tyndrum. 21,7 km.

Sagt ein Schotte zum anderen: „Ich habe mir zwei Lose gekauft!“ Darauf der andere: „Was für eine Dummheit! Es gibt doch nur einen Hauptgewinn!“

Gwen hat uns ein prima Frühstück bereitgestellt. Einzig die sogenannten Würstchen sind eigentlich ungenießbar, sind innen voll schmieriger Paste, die alles andere als nach Wurst schmeckt. Ihre kleine Tochter kommt noch aus einem der anderen Zimmer, die Mutter und ein Vater, der uns in der Manier eines Oberst mitteilt, dass heute „a pleasant day“ werden wird und wie wir zur Beinglas-Farm hinkommen. Er macht sogar ein Foto von uns beiden vor dem Haus:

Abmarsch in Clisham Cottage, Inverarnan. - Foto: Erich Kimmich

Wie an den Vortagen sind wir gegen 9.20 Uhr fertig und wandern in Inverarnan los, an Drovers Arms vorbei, über die Falloch-Brücke, begleitet von zahlreichen schwarzköpfigen Schafen zur Beinglass-Farm.

Schafe vor der Bein Glass-Farm. - Foto: Erich Kimmich

Dort gibt es diverse Artikel für den Wanderer: Wir erwerben einen Mückenabwehrspray aus heimischen Kräutern und sprühen uns die Waden und Arme damit voll. Das duftet großartig – aber nur anfangs.

Blick in die Highlands. - Foto: Erich Kimmich

Sonnenstrahlen am West Highland Way. - Foto: Helmut Eßlinger

Kann einem das Glück hold sein? Heute ist es das, denn es ist nur schön. Schön ist, wenn es nicht regnet, denn Wolken gibt es hier wohl fast immer. Der West Highland Way führt zunächst meist am Fluss entlang, gegenüber an der Talwand sehen wir die Trasse der Eisenbahn, einige alte Brückenbauwerke und dort tatsächlich auch einige Züge von Scot Rail fahren.

Weg und Fluss drehen sich Richtung Nordosten. Immer wieder überqueren wir kleine Zuflüsse, meist über Holzbrücken oder steinehüpfend halb durchs Wasser watend. Die Wälder rund um die Beinglass-Farm sind Überbleibsel des größten und weitgehend naturbelassenen Waldes nördlich des Loch Lomond. Sie werden nun im Rahmen eines Natura2000-Projekts aktiv gepflegt.

Sabine und Jürgen sind vor uns... - Foto: Erich Kimmich

Plötzlich gibts einen Fotostopp: Helmut hat bemerkt, dass hier die winzigen fleischfressenden Sonnentaupflanzen wachsen, direkt am Wegesrand. Wie rote Sternchen kann man sie mitten im Moos wachsen sehen. Mit seiner Makro-Kamera können wir einige wirklich schöne Motive in der Sonne einfangen. Außerdem gibt es hier Wollgras und diverse Disteln.

Orchideen-Wunder im Moor. - Foto: Helmut Eßlinger
Knabenkraut-Orchidee

Fleischfressende Pflanze: der Sonnentau. - Foto: Helmut Eßlinger
Sonnentau – fleischfressende Pflanze

Derrydorach Cottage - Foto: Erich Kimmich

Beim Derrydorach Cottage haben wir das deutsche Paar eingeholt, das im Rose Cottage übernachtet hat. Der Weg verläuft nun nahe der belebten Autostraße und wir unterqueren – fast kriechend mit dem schweren Rucksack – durch eine ganz niedrige Unterführung, die eigentlich fürs Vieh gedacht war, die Bahntrasse. Fast muss ich auf allen vieren krabbeln – mit dem dicken Rucksack auf dem Rücken!

Unterquerung der Bahntrasse - nur was für Liliputaner. - Foto: Helmut Eßlinger

Kurz darauf geht es auch unter der Autostraße durch, diesmal erhobenen Hauptes. Der Weg steigt nun an, Straße und Bahn immer tiefer unter sich lassend.

Auf der steinigen, alten Militärstraße. - Foto: Erich Kimmich

Wir kommen uns vor wie bei einer Alpenwanderung. Nun verläuft er auf einer alten Militärstraße, ist aber in sehr schlechtem Zustand. An der Keilator Farm steht ein Bauer auf dem Wellplattendach der Farm und reinigt dieses mit einem Hochdruckreiniger. Schon fallen die ersten Tropfen.
Der steinige Untergrund wechselt plötzlich von Graubraun in Hellgrau; wir lesen auf einem Schild von einer Rallye, die sich Calendonian Challenge nennt. Sie führt 54 Meilen weit und nonstop in 24 Stunden von Fort William nach Ardlui. Die Erlöse aus dieser Rallye kommen schottischen Gemeinden – zum Beispiel für den Unterhalt von Wegen – zugute.

Die Distel, das schottische Wahrzeichen. - Foto: Helmut Eßlinger

Gegenüber an der Bergflanke stehen einzelne schirmartige, alte Kiefern, die im Rahmen eines Natura-2000-Schutzprogramms gepflegt werden. Hinter uns brauen sich einige Wolken dunkel zusammen und am Wegabzweig nach Crianlarich entschließen wir uns doch zu dem etwa 1-2 km langen Abstecher. Es geht bergab, zu steil für meine Beine. Ein ungeschickter Tritt und ich hab mir das rechte Bein „übertreten“. Der Vorfall hat sich rasch erledigt, es bleibt aber ein übler Schmerz entlang des gesamten Unterschenkels, der sich anfühlt wie die Folge einer krampfartigen Verspannung. Der Abstieg wird zur Tortur.

Crianlarich ist zentrale Bahnstation zweier Linien, die sich hier treffen.

Tea-Room im Bahnhof von Crianlarich. - Foto: Helmut Eßlinger

Der 300-Einwohner-Ort zeigt uns erstmal seine Bahnstation, wo es zwischen den Gleisen nicht nur das Bahnhofsgebäude, sondern auch einen Tea-Room gibt. Hier trinken und essen wir eine Kleinigkeit, können die Züge ein- und ausfahren sehen. Zwei radfahrende Frauen kommen herein; sie fahren täglich 80 Meilen mit dem Rad und klagen ein wenig über den heftigen Verkehr. Wir schreiben einige Postkarten und gehen dann noch weiter ins Dörfchen hinein, wo es einen Briefkasten und einen kleinen Lebensmittelladen gibt.

Gegen 14.20 Uhr beginnt wieder der Aufstieg zurück zum West Highland Way, den wir ja kurz verlassen haben. Das Wetter hat sich gebessert; die Sonne kommt verstärkt zum Einsatz, beleuchtet – Spot on! – farnbegrünte Hänge und Berge, die gut und gern über 1000 Meter hoch sind. Nicht ohne Grund zieht sich der Weg bis hinauf an die 280-m-Grenze: der Ausblick auf die umliegenden Gipfel und Wolkenformationen und hinunter ins Tal des Fillan River ist phantastisch.

Ich fotografiere eine erste Reihe von acht Hochformat-Fotos, die später zu einem Panoramabild verschmolzen werden sollen.

Verkleinertes Panorama-Bild

Erstes Quicktime-Panorama (9 MB)

Herrliche Panoramaaussicht. - Foto: Erich Kimmich

220-Grad-Panorama auf die Strathfillan-Mountains (10 MB).
Immer wieder geht es auf und ab, teilweise in unglaublich steil verlaufenden (kurzen) Passagen. Letztlich geht es endgültig bergab. Bäche stürzen zu Tal, lebendiges Wasser allerorten.

Gluckernder Bachlauf. - Foto: Erich Kimmich

Auf Disteln sitzen Schmetterlinge und Käfer, die Sonne scheint.

Distel mit Schmetterlingen. Foto: Helmut Eßlinger

Wir unterqueren die Bahnlinie und beschließen, auf der sonnenbeschienenen Mauer des Viadukts eine Vesperpause zu machen. Auf der gegenüberliegenden Mauer trocknen unsere Klamotten. Yoghurt, süße Riegel, eine Mandarine, aromatisierte Chips (Lamb & Mint) aus dem Lunchpaket von Gwen finden ihren Weg in hungrige Mägen. Ein Schlückchen Whiskey rundet das Mahl ab.

Vesperpause am Bahnviadukt. - Foto: Erich Kimmich

Dann gehts über die Straße und auf einer Holzbrücke über den Fillan River. Eine vielköpfige Schafherde lagert in den Wiesen vor der Kirkton Farm.

Brücke über den Fillan-River. - Foto: Erich Kimmich

Panoramablick auf die Crianlarich Hills. - Foto: Erich Kimmich
Blick auf die Crianlarich Hills: von links Ben More (1174 m), Stob Binnein (1165 m) und rechts Cruach Ardrain (1046 m).

Dicht neben der Farm ist die Vergangenheit gegenwärtig: wir bestaunen wir die bemoosten Mauerreste der Kapelle des Heiligen Fillan, der hier im achten Jahrhundert gewirkt hat. Er war zu Fuß zwischen Tyndrum und Killin unterwegs und siedelte in dieser Gegend.

Grabmale bei der Fillan-Abtei. - Foto: Erich Kimmich

Die Ruine vor uns ist Rest einer kleinen Abtei, die zu seinem Gedenken errichtet wurde. Daneben ist ein Friedhof auf einem kleinen Hügel. Uralte Grabsteine, deren Gravuren kaum mehr zu entziffern sind, drängen sich dicht an dicht auf diesem Gottesacker. Einer lautet auf „Capt. Gregor MacGregor“, die meisten stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Blick auf die Tyndrum Hills. - Foto: Erich Kimmich

Eine ausladende Weide auf der hunderte Schafen grasen führt uns zur Auchtertyre-Farm, einer landwirtschaftlichen Versuchsanstalt. Die gesamte Umgebung ist umkränzt von den spitz aufragenden Tausendern, in denen sich Wolken verfangen und an deren Hängen die Sonne scheint. Der Ben Lui zum Beispiel zieht sich bis auf 1127 Meter empor.

Beim Dail Righ (Königsfeld) - Foto: Erich Kimmich

Wir lästern über den Five-o-Clock-Shower. Denn wie am Tag zuvor nähern sich rasch tiefdunkle Wolkengeschwader. Auf einer Brücke überqueren wir den Fillan River und kommen in ein Gelände, das sich Dail Righ (Königsfeld) nennt. Ein denkwürdiger Ort, wie der Wanderführer schreibt: „Hier hat der berühmte schottische König Robert the Bruce, eifrigen Kinogängern inzwischen aus dem erfolgreichen Film ‚Braveheart‘ bekannt, in einer Schlacht gegen die MacDougalls of Lorne 1306 eine bittere Niederlage einstecken müssen.“
Beim einsetzenden Regen überholt uns eine Gruppe Mountainbiker – mit Schlamm bedeckt und schon reichlich abgekämpft.

Mountainbiken in den Highlands - Foto: erich Kimmich

Entlang des Nebenflüsschens Crom Allt führt uns das letzte Wegstück Richtung Tyndrum, vorbei an den Verarbeitungsstätten der ehemaligen Bleigewinnung. Hier wächst auf einer ganzen Fläche rein gar nichts mehr. Die giftige Wirkung des Blei in der Erde lässt nur den robustesten Pflanzen eine Chance.
Tyndrum
hat gleich zwei Bahnhöfe. Einen rechts und einen links des Tales (Lower und Upper Station), denn hier kommen zwei Zugstrecken einander näher, die sich in Crianlarich treffen. Gleich nach der Brücke finden wir das Schild zum B&B „Tigh Na Fraoch“ von Heather Clement, wo wir herzlich empfangen werden. Jetzt können wir unsere Regenmäntel und Schuhe ausziehen. Eine warme Dusche und ein Schlückchen Glengoyne bringen unsere Lebensgeister zurück.

Paddys Bar in Tyndrum. - Foto: Erich Kimmich

Ein abendlicher Ausgang führt uns ins Tyndrum Lodge Hotel (Essen vom Buffet) und in die benachbarte Paddys Bar, wo noch ordentlich Betrieb herrscht, wo eine elektronische Jukebox Musikfilme auf den Bildschirm zaubert und wo diverse Typen, die hier Rast machen, sich noch ein Schlückchen hinter die Binde kippen.

Paddys Bar in Tyndrum. - Foto: Erich Kimmich

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Wasser, Wellen, Wunderland

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Mit Rucksack und Laptop auf dem schottischen West Highland Way.
4. Tag, Mittwoch 20. Juni 2007. Von Rowardennan nach Inverarnan. 21,5 km.

Was macht ein Schotte mit einer Adventskerze vor dem Spiegel?
Er feiert den 2. Advent!

Verfolgt uns das Pech oder ist hier einfach dauernd Regenwetter? Beim Blick aus dem Zimmerfenster von Colliemhor Cottage sehen wir Bindfadenregen in voller Breite. Das Frühstück bei Fiona MacMillan und ihrem Mann in der Essküche verspricht dagegen einen herrlichen Tag: Es gibt große flache Teller, darauf hat der Hausherr gebratenen Schinken, heiße Tomaten, gebackene Bohnen, einen kleinen Pfannkuchen und ein Spiegelei platziert. Das Ganze nach den Cerealien und vor dem Toastbrot mit Orangenmarmelade. Schließlich sind wir pappsatt. An unserem Tisch sitzt ein nettes Ehepaar aus Bristol. Später kommt die Familie aus den USA noch dazu. An der Wand in einem Regal stehen die seltsamsten Teekannen, die man sich denken kann. Ausgefallene Sammelstücke allemal.

Teekannen, wie man sie noch nie gesehen hat. - Foto: Erich Kimmich

Fiona hat ein Lunchpaket für uns vorbereitet, das wir auch noch in den Rucksack stopfen. Schon haben wir gepackt und schlupfen in die kalten Wanderschuhe, die wir an der Haustüre abgestellt haben, ziehen die Regenmäntel über und machen uns auf den Weg in den Regen. Erstmal geht es auf dem kleinen Sträßchen zum Rowardennan-Hotel, wo wir am Vortag zum Abendessen schon waren. Eine breite Straße führt dort weiter nach Norden, immer am Ufer des Loch Lomond entlang, der sich gut 35 km lang von Süd nach Nord erstreckt. Wir kommen an der Jugendherberge vorbei, vor der ein riesiger Bach laut tosend Richtung See fließt.

Zelten im Regen. Loch Lomond. - Foto: Erich Kimmich

Es gibt Leute, die selbst bei diesem Wetter gerne zelten. Die haben bestimmt schon Schwimmhäute zwischen den Zehen! Unser Weg – immer noch breit wie ein Waldweg – zieht sich parallel zum See den Berg hoch. Der Regen lässt nicht nach, aber der Regenmantel erfüllt seinen Zweck. Beim Umpacken nehme ich – mehr zum Spaß – auch noch meinen Miniknirps zur Hand, denn beim Hochhalten geht auch der Regenponcho nach oben und lässt frische Luft an die verschwitzte „Vorderfront“.

Fotografieren in der Regenpause. - Foto: Helmut Eßlinger

Eindrucksvoller, feuchter Laubwald. - Foto: Erich Kimmich

Dann sind wir in der Nähe von „Rob Roys Prison“ und der West Highland Way wird zu einem schmalen Pfad, der sich – auf und absteigend – durch unendliche Wälder zieht.

Regenschleier am Loch Lomond. - Foto: Erich Kimmich

Auf dem Loch Lomond ziehen Regenschleier, steigen Dampfschwaden empor.

Dampfschwaden über Loch Lomond, der Regen hat nachgelassen

Hier ein Panoramablick auf Loch Lomond (4,5 MB)

Etwa alle zehn Minuten überqueren wir ein mehr oder weniger breites Rinnsal. Durch die Niederschläge sind manchmal die Gräben nicht breit genug, um der anschwellenden Wassermassen Herr zu werden, das Wasser nimmt den Weg als natürliche Rinne. Manche Rinnsale sind dicke Bäche, durch die man sich von Stein zu Stein hüpfend einen Weg finden muss. Lautstark tosen dichte Wasserfälle die Felswände herunter, queren den Wanderweg und verschwinden Richtung See. Wir sind froh, dass das Gestein sehr rutschfest ist, sodass man auch sicher durchs fließende Wasser stapfen kann. Die Wanderstiefel machen die Prozedur gut mit, das Wander geht heute beachtlich gut.

Mit mehrfacher Hilfe gehts dann schon rüber...

Nicht alle Wanderer hüpfen da so spielerisch hinüber wie wir. Vor allem wenn man noch zusätzlich mit zwei Wanderstöcken agieren muss… Als dann der Regen gegen 11 Uhr nachlässt, gehts ohne feuchtgeschwitzten Regenponcho und Regenhose noch besser. Die zwei aus Bristol ziehen beim Umpacken an uns vorbei („you’re optmistic!“).
Halbzeit dann im Inversnaid Hotel. Eben noch haben wir zwei gewaltige Wasserfälle über eine der dicken Holzbrücken passiert, schon stehen wir am Schiffsanleger, neben uns das Inversnaid Hotel. In einer ehemaligen Kirche muss es hier auch noch ein Bunkhouse geben. Vor dem Hotel sind Tischgarnituren und wir machen uns daran, die Bestandteile unseres Lunchpaketes zu vertilgen. Die nassen Klamotten haben wir ausgezogen und lassen sie an der Tischkante trocknen.

Rast vor dem Inversnaid-Hotel. - Foto: Erich Kimmich

Die kleinen Mücken (es sind Schotten, die ihre ganze Verwandschaft mitgebracht haben) sind sofort zur Stelle und piesacken uns in unerträglicher Weise. An den Unterschenkel sehen wir bald aus als hätten wir Masern und Blattern in einem. Gottseidank jucken die kirschkerngroßen roten Flecken nicht. Neben uns am Tisch haben welche ihren kleinen Gaskocher ausgepackt, Wasser erwärmt, das sie dann in aufgeschlitzte Instant-essen-Tüten geben und die Pampe auslöffeln. Wir gehen in das schöne Hotel hinein (Hintereingang für Wanderer: Schuhe und Rucksäcke ausziehen und stehen lassen).

Inversnaid-Hotellounge: Tea for two. - Foto: Erich Kimmich

Barfuß finden wir in der Lounge einen aussichtsreichen Platz in den Polstersesseln und bestellen einen Tea for two.
Etwa zwanzig nach zwei verlassen wir die Polstergarnitur, fotografieren ein Rundum-Panorama und ziehen weiter unseres Weges.

Zoombares 360-Grad-Rundum-Panorama (Quicktime, 9,2 MB)

Die Sonne scheint, der Himmel ist von wenigen blauen Stellen durchsetzt. Nun kommen wir in ein Waldschutzgebiet, das von der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) gepflegt wird. Viele Eichen, aber auch unzählige andere Baumarten sind hier beisammen, die Blicke durchs grün bemooste Geäst auf den schimmernden Loch Lomond sind herrlich. Bild für Bild klickt die Kamera.

Loch Lomond - das Wetter bessert sich. - Foto: Erich Kimmich

Der schmale Weg ist ein echtes Naturerlebnis! Immer wieder begegnen uns die roten Fingerhüte, moosige moorige Stellen, in manchen Bereichen riechen wir den kürzlich verblühten Bärlauch, Ginsterblüten und ganze Farnwiesen wechseln sich ab.

Farn begleitet uns auf dem gesamten Weg. - Foto: Helmut Eßlinger

Nun ist der Weg nur noch ein schmaler Pfad – die Trimm-dich-Übung geht intensiv weiter. Auf der anderen Seite dieses langegestreckten Sees hören wir hin und wieder ein Auto fahren, später auch einen Zug.

Rob Roys Versteck. - Foto: Erich Kimmich

Ein kleiner Wegweiser zu „Rob Roys Cave“ verweist auf eine Höhle, in der der legendäre Rob Roy gehaust oder sich versteckt haben soll. Der Weg dorthin wird recht schnell zu einer feuchten Kletterpartie; wir lassen die Rucksäcke stehen, klettern in den Felsen oberhalb des Sees umher und bekommen einen Eindruck, wie sich der Geflüchtete Rob gefühlt haben muss als er dieses Versteck fand.

Blick zum nördlichen See-Ende. - Foto: Erich Kimmich

Später am Ufer des Loch Lomond möchte ich darin baden, bevor uns der Weg davon weg führt. Im Nu sind wieder die fiesen Midges da und piesacken uns. Das ist für mich im Wasser dann wenigstens eine Weile kein Problem mehr. Es ist recht kalt, so dass ich nach ein paar kleineren Runden rasch wieder ans Ufer komme.

Das Beweisfoto: Kühles Bad im Loch Lomond. - Foto: Helmut Eßlinger

Bis ich mich abgetrocknet und umgezogen habe, sind wir wieder an Armen und Beinen mit roten Punkten perforiert.
Eine Zeit lang verlässt der Weg das Seeufer und führt ansteigend über einen Landrücken, Schafe weiden, gelbe Schwertlilien blühen am Bachufer. Schon geht es wieder hinunter zum See. Aus südlicher Richtung ziehen schwarz-violette Regenwolken heran.

Der Five-o-Clock-Regen naht. - Foto: Erich Kimmich

Eine Holzbrücke überquert einen reißenden Bach, dessen Wasser wie ein Boot in den See fließt. Wir haben aufgehört zu zählen, wie viele Bäche und Rinnsale wir inzwischen überquert haben. Mindestens 50 sind es bestimmt gewesen.
Beim Loch Lomond. - Foto: Erich Kimmich

Wir haben gerade ein jüngeres Pärchen überholt als ein kräftiger Regenschauer einsetzt. In einer dunklen Schutzhütte finden wir Unterschlupf. Zwei Deutsche mit riesigen Rucksäcken kommen herein. Sie stammen aus den neuen Bundesländern und haben ihr Zelt im Gepäck. Sie erzählen, wie frustrierend es ist, das regennasse Zelt morgens abzubauen und als schweren Klumpen durch die Gegend zu tragen.
Die Packung Gummibären ist nun leer geworden – und der Regen hat aufgehört.

Herrlich!! - Foto: Erich Kimmich

Gegenüber des kleinen Weilers Ardlui verlässt der Weg den Loch Lomond, zieht sich hoch zu einem kleinen Sattel. Helmut wundert sich, weshalb die Schwalben so niedrig über unsere Köpfe hinweg fliegen. Ich antworte, dass das nur vor einem Regenwetter passiert und schon sehen wir von Süden her die violett-schwarzen Wolken mit riesigen Regenvorhängen auf uns zu kommen. Also wieder die Ponchos an. Und schon beginnt ein gewaltiger Schauer mit massig heftigen dicken Tropfen, der den schmalen Wiesenweg in Minuten in einen kleinen Sturzbach verwandelt.

Der Five-o-clock-Regenschauer. - Foto: Erich Kimmich

Ein wirklich unangenehmer Abschnitt inmitten der schönsten Natur beginnt. Noch gut zwei Kilometer sind es zur Beinglass-Farm. Bevor wir dort ankommen, hat der Regen bereits wieder der Sonne Platz gemacht, die Tropfen glitzern in den Zweigen der Bäume, die hohen Berge im Hintergrund wechseln wie Chamäleons die Farben von Grau nach Violett nach Dunkelgrün. Eine faszinierende Landschaft, die schon wieder zum Fotografieren einlädt. Dennoch kommt einem nach dem langen Wandertag jeder Kilometer wie zwei vor…
In der Beinglass Farm kann man sich in hölzerne Wigwams einmieten, eine nette Bar bietet Speisen und Getränke. Die Ostdeutschen winken fröhlich aus einem solchen Wigwam. Sie freuen sich über eine trockene Nacht. Nach einem erfrischenden Getränk in der Bar haben wir noch gut einen Kilometer vor uns bis in den kleinen Weiler Inverarnan, wo easyways bei Gwen und Iain Hunter in Clishham Cottage für uns Quartier gebucht hat. In dem alten Haus haben vor kurzem noch die Jagdaufseher ihre Dienststelle gehabt. Wir bekommen ein warmes Zimmer, können duschen, haben einen kleinen elektrischen Heizkörper im Zimmer. Gwen bringt uns gleich einen Tee und bietet später sogar an, unsere feuchten Wanderschuhe mit Zeitungspapier auszustopfen.

Scottish Pub of the Year... 1705. - Foto: Erich Kimmich

Gegen 20.30 Uhr sind wir umgezogen und gehen die paar Schritte hinunter zur Durchgangsstraße in die historische Kneipe „The Drovers Inn“ (Werbespruch: „Scotlands Pub of the Year… 1705“).
Hier stehen in einem ersichtlich uralten Gemäuer ausgestopfte Bären, Haifische, Vögel und vieles mehr. Selbst eine Ritterrüstung fehlt nicht, Schwerter hängen an der Wand und uralte zerfledderte Bücher hängen schräg in einem Regal.
Wir tauschen unsere Erlebnisse mit zwei anderen Deutschen aus, die von ihren Wanderungen in Indonesien und im Himalaya erzählen.
An der Bar steht auf einer Tafel geschrieben: „No blood swears“.
Whiskyflaschen reihen sich meterlang auf. Daneben das Schild „When I die, bury me under the Pub. Then my husband will visit me seven times a week“.

Drovers Inn: Pub of The Year .. 1705 - Foto: Erich Kimmich

Erst gegen elf sind wir im Quartier zurück.