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Erichs (B)Logbuch » 2013 » Juni

Im Linsenland

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  Tag 57.  Sonntag 30.6.2013. Von Le Puy-en-Velay bis nach Le Chier nahe St.-Privat-d’Allier.

Schon um 5.30 Uhr fängt es an zu knarren und zu rascheln. Der Schlafraum bei den Jakobsfreunden von Le Puy ist zwar in einzelne ¨Zellen¨ getrennt, doch alle sind gemeinsam in einem Saal. Viele sind mit der Bahn hier angekommen und starten in Le Puy ihre Etappe oder setzen ihr letztjähriges Stück fort. Ab 6 Uhr ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Das müssen allesamt Frühaufsteher sein!
Einer muss der Letzte sein – es ist mir ein Vergnügen! Geht nur und nehmt eure Hektik mit! Schlafraum in Le Puy. - Foto: Erich Kimmich
Beim Frühstück unterhalte ich mich noch ausgiebig mit Monique, einer Hospitalière aus Nantes, die seit einigen Tagen zusammen mit zwei anderen Dienst macht.
Dann ein letztes Mal durch die alten Straßen, vor die Kathedrale und die lange Treppe hinunter. Ein Foto am Brunnen. Der Himmel ist fast wolkenlos und ich freue mich auf den Tag.

Le Puy-en-Velay: Kathedrale. - Foto: Erich Kimmich    Le Puy-en-Velay: Treppe zur Kathedrale. - Foto: Erich Kimmich    Morgenschatten. - Foto: Erich Kimmich

Am Place du Plot mit seinem Brunnen von 1246 geht es dann offiziell los. An diesem ältesten Platz haben sich seit jeher die Pilger versammelt, um weiter Richtung Santiago zu ziehen. Ich sehe zwei Velotraum-Räder dastehen und rede mit dem Pärchen, das hier einen Kaffee trinkt. Sie genießen Frankreich per Rad abseits der großen Touristenströme.

Saint Joseph, Le Puy. - Foto: Erich Kimmich    Das Velay ist eine vulkanische Landschaft. - Foto: Erich Kimmich   

Die Rue St. Jacques zieht mich in westliche Richtung aus der Stadt. Am Kapuzinerberg wird es spürbar steil und bald kann man die große Josephsstatue sehen, die der Notre-Dame-de-France auf dem Hügel hinter der Kathedrale zu winken scheint. Le Puy liegt in einer großen Senke. Hat man ihren Rand erklommen, ist von der Stadt nicht mehr viel zu sehen. Vielmehr richtet sich der Blick mit der Sonne im Rücken geradeaus auf einen kleinen Vulkankegel, den der Weg aber links umrundet. Ich gehe eine Zeitlang mit Véronique, einer Pilgerin aus Genf. Dann verlieren wir uns – wir haben doch ein sehr unterschiedliches Tempo – wieder aus den Augen.
Jedenfalls herrscht Betrieb auf dem Camino: Laufend ziehen andere Pilger an einem vorbei oder sitzen rastend am Wegesrand. Es ist Sonntag. Viele Pilger starten in Le Puy-en-Velay: Am Freitag haben sie noch gearbeitet, am Samstag sind sie angereist und nun beginnen sie am Sonntag ihre Wandertour.

Der Blick auf dem Hochplateau geht weit ins vulkanische Land. - Foto: Erich Kimmich

Im Weiler La Roche (872 m) knickt der GR 65 nach rechts und führt am Rande der Dolaison-Schlucht durch eine einzigartige Vegetation. Ich setze den Rucksack neben eine Steinmauer und beginne zu fotografieren. Welch eine Pracht!

Wie heißt diese Pflanze? - Foto: Erich Kimmich    Wie heißt diese Pflanze? - Foto: Erich Kimmich    Wie heißt diese Pflanze? - Foto: Erich Kimmich

Es folgen St-Christophe-sur-Dolaison, ein kleines Waldstück, etliche Kilometer auf offenem Feld. Dann führt der Camino durch die Weiler Liac und Lic. Ich treffe Erika aus Würzburg, die in ihrer Heimat bereits im April gestartet ist und die mir eine Menge von ihren vielen Erlebnissen berichtet. So rauschen die Kilometer munter unter den Füßen mit den neuen Wanderschuhen durch…

Foto: Erich Kimmich    Foto: Erich Kimmich

Foto: Erich Kimmich    Foto: Erich Kimmich    Foto: Erich Kimmich

Foto: Erich Kimmich    Foto: Erich Kimmich

Nach einer Kurve taucht am Wegrand eine Verpflegungsstation für Pilger auf: Von einem Caravan aus werden Salate und Getränke gereicht – eine willkommene Abwechslung. Frisch gestärkt gehe ich weiter.

Chapelle Saint Roc. - Foto: Erich Kimmich    Der heilige Rochus (Saint Roc). - Foto: Erich Kimmich    Junge Velay-Linsen auf dem Feld. - Foto: Erich Kimmich

Bei der romanischen Kapelle St. Roch aus dem 11. Jahrhundert treffe ich Erika wieder und wir machen eine Trinkpause an der Bar in Montbonnet auf 1100 Metern Höhe und genießen die Sonne. Dann taucht beim Weiterwandern endlich ein Feld auf, das ich mit den berühmten grünen Linsen von Le Puy in Verbindungn bringen kann: kleine gefiederte Pflänzchen wachsen da zuhauf – wetteifernd mit etlichen Gräsern dazwischen. Diese Pflänzchen werden am Ende nur 1-2 Linsen pro Pflanze tragen. Sie zu ernten war früher mühselige Handarbeit, heute hat man auch dafür Maschinen entwickelt (genauso wie die Klöppelmaschine, die ich in Le Puy gesehen habe). Nun führt der Weg weiter hochwärts durch den Wald zum Lac d’Œuf, einem kreisrunden ehemaligen Vulkansee, der wie ein Hochmoor auf über 1200 Metern Höhe liegt und schon reichlich ausgetrocknet ausschaut.

Foto: Erich Kimmich    Foto: Erich Kimmich    Foto: Erich Kimmich

Vom höchsten Punkt aus (1.215 m) geht es bekanntlich wieder abwärts, nun mit einem gänzlich neuen Blick auf die Berge der Margeride jenseits des Allier-Tals, das sich breit und sonnig vor uns auftut. Dieser erhabene Blick auf die weite Landschaft will erstmal verdaut werden, fotografiert, innerlich und äußerlich gespeichert sein. Der Weg kreuzt die D589 und trifft auf den Weiler Le Chier (1034 m). Eine ältere Dame kommt uns entgegen und erzählt von ihren 91 Jahren. Da ich kein Quartier mehr reservieren konnte, frage ich beim ersten Schild ¨Chambres d’hôtes¨ und bekomme gleich eine Zusage. Später taucht Véronique aus Genf auf, die hier bereits im voraus reserviert hatte. Wir nutzen die Sonne für einen Apéritif im Freien. Es gibt einen Enzianwein und einen Guignolet (Kirschwein), den der Hausherr selbst hergestellt hat.

Eier-Pilz-Törtchen mit grünem Salat. - Foto: Erich Kimmich    Velay-Linsen mit würziger Wurst. - Foto: Erich Kimmich    Artisou: Diesen Käse gibt es nur hier in der Region. - Foto: Erich Kimmich

Zum Abendessen gibt es ein Pilztörtchen mit grünem Salat und dann die Grünen Velay-Linsen mit würzigen groben Würsten. Beim Käse ist eine hiesige Spezialität dabei: der sogenannte Fromage Artisou, den die Bauern bei sich selbst herstellen. Seinen exklusiven Geschmack verdankt er speziellen Milben (Acari, eine Unterklasse der Spinnentiere), die ähnlich der Blauschimmelkulturen, einen ganz besonderen Geschmacks-Charakter erzeugen. (Solche Spezialitäten gibt es übrigens auch in Ostdeutschland).

Blick über das Allier-Tal am Abend aus dem Fenster. - Foto: Erich Kimmich

   21,5 km  2,2 km/h    9:58 Std.  582 hm   284 hm   1.102,5 km

Auszeit von der Auszeit

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Seit Dienstag bin ich in Clermont-Ferrand bei meinen Freunden. Knapp 1.100 Kilometer von zu Hause bis nach Le Puy liegen hinter mir.
Meine Füße waren heftig angeschwollen und es war höchste Zeit für eine Erholungspause. Am heutigen Samstag nehme ich den Zug nach Le Puy und setze am Sonntag die lange Wanderung im angeblich schönsten Wegabschnitt durch die Auvergne fort …

Endlich: Le Puy-en-Velay

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Tag 50. Sonntag, 23. Juni 2013. Von Saint-Julien-Chapteuil nach Le Puy-en-Velay.

 

In der Gîte d‘ Etape im Schulhaus gibt es natürlich kein Frühstück. Also ziehen wir los ins Städtchen. In einer Bar gibt es zwar Kaffee, aber nichts weiter. Man darf aber die Stückchen vom Bäcker nebenan mitbringen und verzehren. So machen wir es dann auch. Noch einmal steigen wir auf den Kirchberg und werfen einen Blick in die uralte Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Das Taufbecken in einer Seitenkapelle datiert sogar auf das 8. Jahrhundert. Da kann man Geschichte richtig ¨spüren¨! Vor die Kirche hat man später noch eine richtige ¨Schaufassade¨ angebracht: eine Mauer mit Fenstern und Zinnen, die das Gesamte noch größer erscheinen lässt.
Der Weg verläuft zunächst entlang der Departementsstraße. Das ist nach zwei Kilometern schon nicht mehr lustig. Dann zweigt der GR nach rechts ab. Ein schmaler Betonsteig, aus Telefonmasten zusammengebaut, führt die Wanderer über die Sumène. Und bald haben wir den urigen Vulkanschlot bei Eynac vor uns, um den sich die Häuser des kleinen Weilers schmiegen. Ich habe vergessen, die Kamera aufzuladen und bin nun auf die Handykamera angewiesen. Wir kommen an einem der vielen Steinkreuze vorbei. Der Himmel ist wieder blau und mit schönen Deko-Wolken ausgestattet.

In Tournecol steht ein echtes Backhaus. Vorne – unterhalb – sehen wir Saint-Germain-Laprade und die neue Umgehungsstraße. Aber noch immer keine Spur von Le Puy. In einer Bar kehren wr zu Kaffee und Wasser ein. Der Wanderweg, dessen Verlauf etwas eigenartig entlang der Straße geführt wird, läuft nochmal entlang der Straße, bevor er sich am Montjoie (Berg der Freude) zwischen zwei kegeligen Vulkanbergen hindurch zieht. Nun sehen wir endlich hinüber nach Le Puy mit den Vulkannadeln, auf denen eine Kirche und eine eiserne Figur stehen.

Wir machen noch eine kurze Äpfel-Pause, bevor es nach Brives-Charensac hinunter geht. Nun sind wir im Tal der Loire angelangt, die wir über die Pont des Chartreux queren. Hier ist die Loire ein noch ungezähmter Fluss, der in einzelnen Jahren – meist im September oder November – verheerende Hochwässer gebracht hat. Der Weg führt entlang der Loire und biegt dann links in den Zufluss Borne ab. Noch ganze zwei Kilometer müssen wir entlang des Stadions und über einen niedrigen Flußsteg zurücklegen bis wir endlich staunend vor dem Rocher d’Aiguilhe stehen, einem steilen Vulkanschlot, auf dem eine romanische Kirche thront. Wir gehen unten daran vorbei steil aufwärts, heute gibt es hier einen Flohmarkt, und gehen in die Altstadt von Le Puy. Eine Treppenstraße führt zur Kathedrale hinauf. Allein das ist ein gewaltig eindrucksvoller Anblick! Die Treppe führt von unten her in die Kathedrale. Ist man dann auf der obersten Stufe angelangt, so befindet man sich bereits mitteln in der Kathedrale. Ein meisterhafter Umgang mit dem steilen Berg und der Architektur!!

Susanne lotst uns zur Gîte der Jakobspilgervereinigung von Le Puy gleich  hinter der Kathedrale. Hier trägt uns Alain aus Mutzig, der diese Woche als Hospitalero arbeitet, ins Übernachtungsbuch ein. Ich bin Pilger No. 1365 seit dem 8. April 2013. Dieses Jahr läuft es eher verhalten. Vielleicht wegen des Wetters.

Abends ist ein Pilgertreffen in den Räumen neben der Kathedrale. Es gibt Kir und Verveine-du-Velay. Später treffen wir die anderen Pilger – Gertrud und Hermann aus Nördlingen und den Karl aus Memmingen – und gehen gemeinsam ins Restaurant Feloque zum Abendessen. Wir lassen uns die Grünen Linsen aus dem Velay besonders schmecken. Denn sie sind eine ganz besondere Spezialität, die nur auf den kargen Vulkanböden des Velays in dieser Form wächst. Wir trinken zügig aus, denn unser Jakobsquartier schließt um 22 Uhr seine Pforten. Die anderen drei suchen noch ein Taxi, das sie zum Zeltplatz zurück bringt.

Samt Stadtspaziergang sind heute 21,3 km zusammen gekommen (10:13 Unterwegszeit). Wir sind 350 m angestiegen und 515 m abgestiegen. Macht also insgesamt 1068,9 Kilometer. Ich bin zufrieden…

Vulkanregion – Natur pur

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Tag 49. Samstag 22.6.2013. Von Tence (Papeterie) bis nach Saint-Julien-Chapteuil.

Nach einem prima Frühstück mit Käse, Honig und reichlich Orangensaft sagen wir der Papeterie adieu und wandern los. Wieder säumen gelbe Ginsterbüsche den Wegesrand. Bald sind wir in der Kleinstadt Tence angekommen. Es ist Samstag und alle sind fleißig mit Besorgungen beschäftigt. Wir kaufen einiges Obst in einem kleinen Laden. Vor dem Rathaus lädt uns eine verspiegelte Fassade ein, uns selbst zu fotografieren. Durch die engen Gässchen der Altstadt führt uns der GR 65 hinunter zum Fluss Lignon – einem Nebenfluss der Loire – und auf einem Viehsteg übers Wasser.

Schon bald haben wir das Tal wieder verlassen und die Jakobsmuschel führt uns langsam aber gezielt aufwärts. Überall sehen wir wie im Hegau die typischen Vulkanberge aus dem Boden wachsen, durchsetzt vom gelben Ginster. Wir haben jedenfalls die beste Jahreszeit erwischt. Wir entdecken orchideenartige weiße Blumen. Junikäfer fliegen emsig in der lauwarmen Luft umher. Über Kuhweiden und durch die gelbe Blütenpracht kommen wir nach Saint-Jeures.  Nur noch 37 km trennen uns von Le Puy, 1600 von Santiago. Das kleine Dorf mit seinen 870 Einwohnern liegt auf über 1000 Metern Höhe und wird vom 1388 m hohen Pic du Lizeux überragt. Wir sind auf dem Plateau Vivarais-Lignon. Wir schauen in die Kirche mit ihrer Granitmauern und den Klingsteinplatten anstelle von Dachziegeln. Nikolaus und Susanne stimmen eine Melodie an.

In einer kleinen Bar, die als Stützpunkt für diverse Aktivitäten dienst (Kiosk, Internet, Fax) ist nichts los: endlich schaffen wir es, ein Wasser und einen Café zu bestellen. Das nächste Dorf heißt Araules. Mitten drin steht eine häßliche Fabrik, deren Schornstein die ganze Gegend überragt. Es ist eine Molkerei, die Firma Gerentes, wie wir beim Näherkommen erkennen. Da eine Hochzeit stattfindet, sind die Hotels geschlossen. So kramen wir unser Vesper aus dem Rucksack und waren auf dem kleinen Platz bis die Käserei um 14 Uhr wieder ihre Pforten öffnet – die Käseproduktion kennt keine Wochenenden. Hinter uns ist die Hochzeitsgruppe weitergezogen: auf einer großen Obstwiese werden Getränke ausgeschenkt und man rüstet sich zum Festmahl. 14 Uhr: Wir bewundern das reichhaltige Angebot an Blauschimmel- und Ziegenkäse, Joghurts und Frischkäse und decken uns mit allerlei Köstlichem ein. Die Joghurts verzehren wir gleich vor dem Laden.

Wieder begeistern uns die abwechslungsreiche Vulkanlandschaft, der blaue Himmel und die dicken weißen Wolken. Zunächst auf tollen Feldwegen geht es dann im Wald weiter bergauf. Nun sind wir mitten im Gebirgszug des Massif du Meygal, der bis auf über 1400 Meter ansteigt. Der höchste Punkt unserer Wanderstrecke und der gesamten Via Gebennensis (Genf – Le Puy) liegt auf 1276 Metern. Wir genießen die umfassende Aussicht zurück auf die letzten drei Wandertage. Aus einem Nebenweg kommen zwei Hunde angelaufen und schließen sich uns drei Pilgern an.

Kurz darauf bietet sich uns nach vorne ein ausgezeichneter Blick auf Les Queyrières mit den Basaltorgelfelsen unmittelbar hinter den Häusern. Gang hinten meint man Le Puy erkennen zu müssen – doch die berühmte Stadt versteckt sich hinter den Vulkanbergen.

Wir kürzen hier ein kleines Stück ab und kommen tief in ein steiles Tal und überqueren dieses bei einer alten Mühle am kleinen Fluss Sumène – um gleich auf der anderen Seite wieder steil aufwärts zu steigen. Die Hunde sind weiter bei uns und auch von Nikolaus‘ Stöcken lassen sie sich nicht vertreiben. Die Steine auf dem historischen Weg werden immer größer und sperriger. Über Chapuze zieht sich der Weg nach Saint-Julien-Chapteuil hin. Hier haben wir im Gîte d’etape uns angemeldet. Die Unterkunft ist im oberen Teil des Schulhauses gleich gegenüber der Mairie. Hoch auf einem Vulkanstumpf thront eine altehrwürdige Klosterkirche.

Frisch geduscht drängt uns der Hunger auf die Straße. Wir fragen uns zu einem guten Gasthaus durch. Dort genehmigen wir uns einen weißen Musette de l’Ardêche-Wein. Es gibt ein cremiges Pilztörtchen mit Soße aus grünen Linsen und Nußöl. Dann folgt eine Entenbrust mit Mangos und Kartoffelpürree. Der Käsegang wird vom Junior des Hauses serviert. Entsprechend größer fallen die Portionen aus. Das Dessert ist ein Traum aus schwarzer Schokolade.
Ohne meine Fußschmerzen wäre das der absolut perfekte Tag gewesen…

29,2 Kilometer haben wir heute absolviert, 840 Höhenmeter Auf- und ebensoviele Abstiege. 1047,6 km sind nun beisammen.

Ginster-gelb und Himmel-blau

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Tag 48.   Freitag 21. Juni 2013.  Von Les Setoux zur Papeterie bei Tence.

Schon früh packen die Australier ihre Sachen zusammen, sie wollen früher frühstücken und zeitig losziehen. Wir andern folgen etwa eine Stunde später. Das Frühstück im La Riboule punktet mit tollen selbstgemachten Marmeladen und reichlich starkem Kaffee. Dann packen auch wir, reden noch mit der Herbergsfrau und Nikolaus macht ein Foto von Susanne und mir vor der Gîte.

Nun wandern wir in einer absolut herrlichen Ginster-Welt. Alles ist leuchtend gelb, grün leuchtende Wiesen, darüber tiefblauer Himmel mit fotogenen Schönwetterwolken. Unsere Schuhe stolpern bergab über grobe Steine. Dann überquert der GR den Bach Clavarine auf einer alten Bogenbrücke und führt daneben an einer Hausruine vorbei. Durch Nadelwald geht es bergauf, ginstergesäumt.
Wir treffen Richard und Ersillia in einer Kehre, wünschen ihnen noch alles Gute und lassen sie hinter uns. Über Les Chomats erreichen wir gegen 14.30 Uhr das Städtchen Montfaucon-en-Velay. In einer Bar finden wir das ersehnte große Panaché. Die Restaurants haben ihre Küche bereits geschlossen. So kaufen wir einige Terrinenscheiben und pikante Stückchen in einer Konditorei, Susanne bringt noch einiges Obst aus einem kleinen Supermarkt mit und so sitzen wir an der zentralen Dorfkreuzung beim Postamt, essen und beobachten den heftigen Fernverkehr, der sich an der engen Altstadt regelmäßig selbst blockiert. In der Chapelle Notze-Dame-de-Montfaucon aus dem 12. Jahrhundert sind zwölf wertvolle Gemälde des flämischen Malers Abel Grimmer aus dem 16. Jahrhundert zu bestaunen.
Auswärts überqueren wir die schmalspurigen Gleise der Museumsbahn La Galoche. Die historische Bahnlinie wird als touristische Attraktion hin und wieder mit einer Dampflok befahren. Wir denken darüber nach, ob der Gang auf den Gleisen nicht direkter zum Ziel führen würde als der GR 65, der oft sehr zickzackmäßig verläuft. Alte Steinkreuze halte Wache an der Wegkreuzung.

Später treffen wir wieder auf die Gleise. An einer Deponie vorbei führt uns der Weg durch einen sonnigen Wald und dann abwärts ins Tal des Lignon. Drei Kilometer vor Tence steht eine alte Papierfabrik (La Papeterie), die als Wanderquartier und mit Ferienwohnungen eingerichtet ist. Hier haben früher bis zu 200 Menschen gearbeitet: im 18. Jahrhundert hat die wasserbetriebene Hammermühle Stoffe zerkleinert und zerfasert, damit daraus Papier hergestellt werden konnte – völlig ohne Holzanteil.

Ich tauche meine schmerzenden Füße in den kalten Bach und genieße die heftige Abkühlung.
Patrick und Isabelle Durieux bewirten uns mit einem erfrischenden Salat mit Speck- und Apfelstückchen und geschmolzenem Blauschimmelkäse und danach mit einer lokalen Spezialität: Eine Art Hackbraten mit feinen Kohlstückchen darin und ein vorzügliches Kartoffelgratin. Die Crème brulée zum Nachtisch ist mit Liquer de Verveine (Eisenkrautlikör) gebacken worden! Jeder von uns dreien hat eine eigene 4-Bett-Koje für sich. Offenbar sind dieses Jahr verhältnismäßig wenige Pilger unterwegs.

27,4 Kilometer sind heute zusammengekommen. Meinen Füßen gefällt das anscheinend nicht mehr, denn sie schmerzen zusehends. 659 Meter Anstieg und 971 m Abstiege waren es. Von 1151 m sind wir auf 839 m abgestiegen. 1.018,4 km insgesamt.

Haute-Loire-Schwarzwald

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Tag 47. Donnerstag 20. Juni 2013. Von St.-Julien-Molin-Molette bis in die Berge bei Les Setoux.

Frühstück gibt es wieder auf der Terrasse über den Dächern der Altstadt. Sogar Käse wird aufgetischt. Die Frau, die am liebsten englisch redet, zeigt uns ein kleines Kätzchen. Leider ist im Rucksack kein Platz mehr.
Dann wandern wir recht zeitig los, es geht sofort den Berg hinauf. Der Himmel ist bewölkt, später gibt es mehr und mehr blaue Stellen. Es weht ein frischer Wind. Der GR 65 zieht sich am Hang entlang parallel zur Durchfahrtsstraße. Auf einer Paßhöhe (673 m) überqueren wir die Straße. An großen Maronenbäumen vorbei sehen wir schon hinüber nach Bourg-Argental. Der Blick erinnert an ein breites Schwarzwaldtal: Dunkle Wälder, sanfte Linien, leuchtend gelber Ginster. Bourg-Argental ist ein lebendiges kleines Zentrum in der Bergen der Haute-Loire. Im Zentrum ist Markttag und so ist erst mal ein Cappu und ein Panaché angesagt. Wir haben ausgiebig Gelegenheit, die Leute zu beobachten: Die Älteren sitzen bei einem kleinen Gläschen Wein beisammen, andere haben eingekauft und bestellen einen Café, zwei Gendarmen marschieren in voller Montur die Straße entlang.

Später werfen wir noch einen Blick in die alte Kirche und auf die zahlreichen alten Häuser. Ein Wegweiser an einer alten Platane teilt den Wanderern mit, dass es noch 1605 km nach Santiago geht.

Dem Tal entlang führt der GR 65 stetig aufwärts, zieht sich auf der linken Talseite hinauf. An der sanften Steigung und der schön ausgebauten Trasse erkennen wir bald, dass wir auf einer ehemaligen Bahnlinie geführt werden. Dann folgen stillgelegte Tunnels zur Linken. Sogar ein Viadukt ist dabei: gut dass wir da nicht durch die tiefe Schlucht da unten stapfen müssen! Das Viaduc de Poulotte (Hühnchen-Viadukt) ist in den Jahren 1880 bis 1882 gebaut worden. Auf der gegenüberliegenden Talseite sehen wir die Häuser von Saint-Sauveur-en-Rue. Im Weiler La Gare rasten wir ausgiebig an einem ehemaligen Bahnhof, der als Rastplatz angelegt worden ist. Nikolaus spendiert zum Abschluss einen selbstgemachten Kirsch aus seiner eigenen Brennerei.

Nach einigen Kilometern verlässt der GR 65 dann die Bahntrasse und steigt deutlich kräftiger bergan. Auf breiten, steinigen Forstwegen geht es aufwärts und aufwärts. Einige Tropfen fallen und wir hoffen, dass der Regen nebendran vorbei zieht. Eine Parkwache (Ecogarde) überholt uns im Fahrzeug. Es wird richtig kalt und die Regentropfen werden dichter. Also packen wir nun doch die Regenmäntel aus bevor der richtige Regen einsetzt. Wir sind richtig hoch oben und fern der Zivilisation. Als der Navi 1.205 Meter Meereshöhe anzeigt haben wir den höchsten Punkt für heute überschritten. Hier oben überschreiten wir die Grenze zum Département Haute-Loire. Der Regen lässt nach, die Sonne blitzt zwischen den Wolken hervor. Dann öffnet sich der Wald und gibt den Blick frei nach Westen. Nebelschwaden steigen auf, Wolken formieren sich fotogen, wie frisch gereinigt wirkt der blaue Himmel. Der Blick auf die Vulkanberge der Auvergne ist unvergleichlich. Vor uns sehen wir einige Häuser: Das ist der Weiler Les Setoux, wo es zweierlei gibt: Die Bar La Riboule und Die Gite d’etape Le Combalou. Dort probieren wir gleich die Spezialität des Hauses: Kir mit eigenem Walderdbeer- oder Himbeer-Fruchtsirup. Als wir zur Gite gehen wird eine Kuhherde durchs Dorf getrieben: Ab in den Stall über Nacht! In der Gite belegen wir dann unsere Betten im großen Schlafsaal und lernen dabei Marc aus Karlsruhe kennen, der wenig Englisch und kein Französisch spricht. Beim Abendessen gesellen sich noch Richard und Ersillia Hughes zu uns. Richard ist 81 Jahre alt und stammt aus Australien. Ersillia und er haben in Nürnberg mit ihrer Jakobstour begonnen und erzählen begeistert von ihren Erlebnissen. Das Backpacker-Hostel in Thun (CH) hat bei ihnen offenbar die negativsten Eindrücke hinterlassen.
Das Abendessen ist reichlich und schmackhaft. Ich versuche, die Chance zu nutzen dass es hier einen Webzugang gibt, um bei meinem Provider wieder Geld aufzuladen.

Der gut gefüllte Magen lässt das Schnarch- und Schnauf-Konzert vergessen. Wir sind auf 1154 Metern Höhe und schlafen tief und fest.

23,6 Kilometer waren es heute, dabei 903 Höhenmeter Aufstiege. Unser Durchschnitt (mit Pausen) liegt bei etwa 2,9 km/h.  991 Kilometer sind jetzt beisammen.