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Erichs (B)Logbuch » 2013 » Juli

Im Béarn

Jakobsweg Ein Kommentar »

Tag 87. Dienstag 30.7.2013. Von Arthez-de-Béarn nach Navarrenx

In der Gîte communale stehe ich gegen 6.20 Uhr auf. Das französische-kanadische Pärchen schläft noch. Schnell noch dem Kamera-Akku etwas Nachschub spendieren. Ich gehe zum Bäcker und hole zwei Croissants und ein Pain au chocolat, das ich in der Gîte zusammen mit zwei Automaten-Kaffees verzehre. Gegen 7.45 Uhr breche ich dann auf. Bilderbuchwetter. Arthez liegt auf einem Bergrücken. Parallell dazu sieht man hinten die ganzen Pyrenäenberge im Morgenlicht. Es geht auf dem Höhenrücken weiter und nach einigen Kilometern steil abwärts nach Maslacq. Ich komme mit zwei Kanadiern ins Gespräch: Es sind Arnaud und Gabrielle aus Quebec. Im Gasthaus trinken wir einen Café und unterhalten uns. Dann kommt noch Benoit mit seiner Gitarre dazu. Er hat erst am Wochenende angefangen, nachdem er zuvor noch auf einer Hochzeit war. Nun wandert er ein Stück des Weges. Arnaud und Gabrielle sind zwei von fünf Freunden, die anfangs gemeinsam unterwegs waren. Einer hat sich vor der Reise von seiner Freundin getrennt; so kam es dass er zu wenig vorbereitet war und sich nun mit Fußschmerzen durch die Kilometer quält.
Immer wieder gibt es schöne Blicke aufs Pyrenäenmassiv. Die Berge liegen noch weit vor mir. Der GR führt über den Gave de Pau, der sehr viel Wasser führt. Dann parallel zum Fluß an alten zerfallenen Häusern vorbei. Der nächste Höhenrücken bietet einen Blick zurück nach Arthez.
Wieder abwärts führt uns der Weg zur Zisterzienserabtei Sauvelade mit ihrem speziellen Grundriß. Hochgradig eindrucksvoll und doch schlicht. In der Gîte mit Restaurant bekomme ich – es ist Mittag geworden – ein vorzügliches Panaché und einen Salatteller mit Schinken und Rohkost. Mehr als 15 km sind schon geschafft, der Schnitt liegt samt Pause bei 3,8 km/h. Ein Gateau Basque und ein kleiner Schwarzer stärken für den weiteren Weg. Benoit und ein junger Franzose sind bereits weitergezogen.
Später überholt mich ein Vater mit zwei Kindern, die mit Mountainbikes unterwegs sind. Am nächsten Anstieg habe ich sie wieder eingeholt. Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. Ein Auto hält an und der Fahrer erkundigt sich nach dem woher und wohin. Bald wird klar, dass er einer Sekte angehört. Schließlich hat er ein deutschsprachiges Faltblatt gefunden und gibt es mir mit frommen Wünschen mit auf den Weg. Es geht durch ein langes schattiges Waldstück. Da: ein plätschernder Brunnen! Ich trinke und tanke meine Flasche mit dem eiskalten Naß auf. Unglaublich wie schön sich Trinken anfühlen kann!
Bald habe ich Navarrenx erreicht und trinke in der Taverne de Saint Jacques ein erfrischendes Radler. Dazu flotte Musik und Schatten. An der Kirche vorbei erreiche ich den Place d’Armes und finde Quartier bei Monique, der das Haus gehört. Die Bar hat sie vor wenigen Monaten verpachtet. Leiser treten heißt die Parole. Ich erfahre, dass Navarrenx mit Rheinstetten verschwistert ist, bekomme ein gutes Abendessen und einen heimischen Jurançon sec dazu. Den teile ich mit anderen Pilgern, die dazu kommen. Mit Gabrielle unterhalte ich mich noch lange.

30 km sind zusammen gekommen. 770 Meter Anstiege und Abstiege. Der Zähler zeigt 1794 km an.

Atlantikluft und Schneeberge

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Tag 85. Sonntag 28.7.2013. Von Aire-sur-Adour bis Arzacq-Arraziguet.

Selten  so früh gestartet wie heute, nämlich bereits um 7 Uhr. Und das an einem Sonntag. Frederique und Jean-Paul, die mir in den letzten Tagen zu liebenswerten Begleitern geworden sind, brechen heute ihre Wanderung ab, den Frédérique hat heftige Knieschmerzen.
Aire-sur-Adour liegt im Departement des Landes. Das ist der Küstenstreifen, der sich von Bordeaux bis hinunter nach Bayonne zieht. Dass hier ein Meeresklima herrscht merkt man auch an der morgendlichen Luftfeuchte, an den Pinienwäldern und der sandigen Erde, die sich überall findet. Wer schon einmal in der Nähe der berühmten Wanderdüne bei Arcachon war, der kennt das Gefühl, dass man meint, das Meer riechen und spüren zu können. Während meiner Wanderung schaue ich auf dem Navi, wie weit es bis zum großen Nass ist: 90 km Luftlinie bis zum Atlantik. Klasse!
Mein Weg führt auf geteerter Straße entlang riesiger Maisfelder, die allesamt künstlich bewässert werden. Nach drei Stunden und einigen Pilgern, die ich überholt habe, ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,3 km/h erreicht. Das ist deutlich mehr als sonst – und wird sich nach der ersten längeren Pause wieder senken… Es ist bewölkt, nachts hat es offenbar ein wenig geregnet. Die Wolken und ein frisches Lüftchen halten den Schweißausbruch der vergangenen Tage in Grenzen. Das tut mal richtig gut.
Unterwegs treffe ich Julie, die von Morcines südlich des Genfer Sees aus gestartet ist. Sie freut   sich außerordentlich, als wir am Horizont hinter einem Bergdorf ganz sacht die Kulisse der Pyrenäen sehen können. Bei näherem Hinsehen sind sogar große Schneefelder erkennbar. Da gibt es immerhin einige Dreitausender!
In Pimbo vor der Wehrkirche St. Barthélémy aus dem 12. Jahrhundert, trennen wir uns. Ich gehe die restlichen zehn Kilometer bis Arzacq-Arraziguet an, wo ich in der Vieille Auberge unterkomme.

Heute waren es 34 Kilometer. 1734 Kilometer sind es bisher auf meiner Liste.

In der Gascogne

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  Tag 79.  Montag 22.7.2013. Von Auvillar nach Castet-Arrouy.

Bluetooth anschalten, die flache Tastatur anschalten, verbinden – und los geht es mit dem Bloggen. Heute habe ich ein gutes WLAN: Ich bin in Castet-Arrouy bei ¨Chez Nat¨ im Chambre d’hôtes einquartiert.

Natalie Arnulf hat mich und ein sympathisches französisches Ehepaar heute Abend ganz prima bewirtet. Zuerst sind wir im schattigen Garten gesessen, wo zwei ausgestopfte Figuren auf einer Bank sitzen. Ihr kleiner Hund schnuppert neugierig an den Pilgerbeinen.
Zum Abendessen gab es nicht nur eine tolle kalte Gazpacho aus Zucchini mit Minzblättern, sondern zuvor auch noch den regionalen Aperitif ¨Floc de Gascogne¨ (17 %). Dann gab es eine Entenwurst mit Reis. Und eine kühle Wassermelone und selbst gemachtes Bananeneis dazu. Und zum Café einen Armagnac (40 %).Natalies Facebook-Seite

Das Pilgerleben ist dennoch nicht nur der reine Genuss. Da bin ich heute 24 km durch die Hitze gelaufen. Dann hieß es erst mal: Quartier finden. Und mit den Gastgebern tratschen, dann endlich duschen. DUSCHEN  ist überhaupt das Schönste – neben dem Trinken! – was es tagsüber gibt!!Dieses warme Wasser auf der Schulter, das regt die Lebensgeister wieder an, vertreibt das taube Gefühl des Trageriemens.
Dann sind die Wandersachen täglich zu waschen. Die sind so dermaßen verschwitzt, das kann man sich kaum vorstellen. Ist ja auch gehörig warm hierzulande.

Seit Wochen trage ich diverse Postkarten spazieren, die ich endlich mal schreiben wollte. Doch wieder und wieder vergesse ich es oder komme einfach nicht dazu. Dann fragen sie dich abends: Wo soll es denn morgen hin gehen? Und ich hab nicht die Ahnung von Antwort, weil ich ja eben erst angekommen bin. Da weiß ich doch noch nicht, wie es morgen weiter gehen soll oder gar wohin… Ich stelle fest: Mein Körper wandert schneller als mein Bewusstsein. Dieses ist noch einen Tag hinterher.

Es ist wirklich richtig heiß geworden in den letzten Tagen. Heute waren wir bei über 40 Grad! Es kühlt auch nachts nicht mehr richtig ab. Und in dieser Gegend sind auch die Schnaken zahlreich vorhanden. Macht man also das Fenster auf, um kühle Luft rein zu bekommen, sind auch die Blutsauger schon da. Mit mindestens sechs Stichen, die übel jucken, kann ich momentan aufwarten.

Aber der Reihe nach: Mit Überquerung der Garonne bin ich in der Gascogne – der Heimat der drei Musketiere – angekommen. Seit Auvillar bin ich aus der Talebene heraus und entdecke diese Hügellandschaft. Auvillar liegt bereits auf einem kleinen Hügel. 1589 wurde es wie das gesamte Armagnac der französischen Krone zugeordnet.

Auvillar (Tarn et Garonne), Hotel Le Baladin. - © Foto: Erich Kimmich

In meinem Hotel „Le Baladin“ habe ich mir morgens ein Frühstück zubereitet und war dann bereit für einen neuen Pilgertag: Der Blick zurück zeigt mir das grün umwachsene Haus, in dem ich geschlafen habe. Nach vorne hin sehe ich den Marktplatz mit seiner kreisrunden Markthalle (von 1824) in der Mitte.

Auvillar Markthalle (1824). - © Foto: Erich Kimmich

Früh am Morgen ist noch nichts los. Fünf Minuten nach acht Uhr schreite ich durch den Uhrenturm aus dem 17./18. Jahrhundert, der gleichzeitig ein Stadttor ist. Er ist aus Ziegeln und hellem Sandstein erbaut. Ich gehe durch die leeren Straßen bergauf. Eines der Häuser zur Rechten hat es mir angetan: Es ist bewachsen, mit Blumen und allerlei Zierrat garniert. Es zieht mich und meine Kamera wie magisch in seinen Bann.

Uhrturm in Auvillar (Tarn et Garonne). - © Foto: Erich Kimmich

Haus in Auvillar (Tarn et Garonne). - © Foto: Erich Kimmich

Haus in Auvillar (Tarn et Garonne). - © Foto: Erich Kimmich    Pilgers Schatten. - © Foto: Erich Kimmich

Bergan hat mich die Via Podiensis aus Auvillar (148 m) hinaus geführt. Schon verläuft der Pilgerweg wieder entlang einer kleinen Straße, stur geradeaus, flach und wie ins Unendliche führend. Mein Schatten läuft mir lang gezogen voraus.

Landstraße hinter Auvillar (Tarn et Garonne). - © Foto: Erich Kimmich    Fahrrad-Deko im Vorgarten. - © Foto: Erich Kimmich

Im kleinen Weiler Bardigues hat ein Bauer seinen Steingarten mit etlichen alten Fahrradrahmen dekoriert. Sieht gar nicht mal so übel aus, denke ich mir.

Kirchenportal in St-Antoine. - © Foto: Erich Kimmich

Nach zwei Stunden habe ich St-Antoine-sur-l’Arrats erreicht. Hier wirkten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Brüder des Antoniter-Ordens. Ursprünglich pflegten sie Pilger und Kranke. In der Kirche sollen die Reliquien des Heiligen Antonius aufbewahrt werden.

Einkehr in St-Antoine. - © Foto: Erich Kimmich    Einkehr in St-Antoine. - © Foto: Erich Kimmich

In diesem liebevoll gepflegten Dörfchen mache ich Pause für ein zweites Frühstück, direkt vor dem maurisch aussehenden Kirchenportal. Ein Kaffee und ein Orangensaft tun mir immer gut! Bald schon bin ich nicht mehr alleine, denn Haude und Ulrike sind nun auch eingetroffen. Wo haben sie Erika gelassen? Sie erzählen mir, dass Erika mit ihrem Gastgeber über neue Wanderschuhe gesprochen hat und er hat sie daraufhin mit dem Auto mit nach Agen genommen hat, um dort im „Intersport“ neue Schuhe und ein neues Shirt zu kaufen.

Haude Herman und Ulrike Luz mit den Kirschen. - © Foto: Erich Kimmich    In der Grafschaft Armagnac (Gascogne). - © Foto: Erich Kimmich

Haude und Uli haben einen Beutel voller Kirschen gekauft, die sie unterwegs genießen.

Die Landschaft im Gers hat ihren ganz eigenen Reiz: Es sind wellige Hügel, die intensiv  landwirtschaftlich genutzt werden. Momentan ist die Weizenernte voll im Gange. Außerdem sieht man viele Sonnenblumenfelder, die mit ihrem Gelb von weither leuchten. Dazwischen sind immer wieder kleine Teiche angelegt – leider „Baden verboten“ -, aus denen die Felder bewässert werden.  Hin und wieder finden sich kleine Waldstücke oder nur einzeln stehende Bäume.

In der Grafschaft Armagnac (Gascogne). - © Foto: Erich Kimmich    Schlossruine in Flamarens (Gers). - © Foto: Erich Kimmich

Auf den Hügeln tauchen prächtige Burgen und Schlösser auf. Wie zum Beispiel in Flamarens (190 m), wo eine Schloßruine aus dem 15. Jahrhundert steht. Wohlmeinende Pilgerfreunde haben unterwegs eine Mini-Hütte errichtet, die Schatten spendet und einige Flaschen Wasser beinhaltet. Hinter dem Dorf setze ich mich am Straßenrand auf den Boden. Bin ich zu schnell gewandert? Die Hitze schafft mich noch!

In der Grafschaft Armagnac (Gascogne). - © Foto: Erich Kimmich

Ich reiße mich zusammen und gehe weiter bis Miradoux. Hier steht die älteste Bastide des Departements Gers. Sie stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts.  Meine Beine lenken mich jedoch automatisch zu dem schlichten Gasthaus im Stil der „Relais Routiers“. Es verspricht für günstiges Geld ein habhaftes Mittagessen. Das erste grand Panaché tropft mir als Schweiß gleich wieder aus den Poren der Unterarme und hinterlässt Pfützen auf der Tischplatte. Ich bestelle ein zweites und einen Krug Wasser zum Essen.

Blümchen am Wegesrand (Gascogne). - © Foto: Erich Kimmich    Wegmarkierung des GR 65. - © Foto: Erich Kimmich

Gascogne-Landschaft. - © Foto: Erich Kimmich    Château Gachepouy (Gers). - © Foto: Erich Kimmich

Gut gestärkt und „bewässert“ ziehe ich weiter entlang der staubigen Straßenränder. Um 14.20 Uhr habe ich einen herrlichen Blick auf das Château Gachepouy auf seinem kleinen Hügelchen. Der Fernweg GR 65 kürzt einige Serpentinen ab. Kleine rosa Blümchen lachen unverdrossen in die Sonne. Schon vor Castet-Arrouy werde ich immer langsamer, verlässt mich die Lust. Am Nachmittag bereits klopfe ich bei „Chez Nat“ und bin froh über das ruhige, schattige Zimmer. Erstmal ein paar Takte ausruhen…

Natalie erzählt von einer königlichen Geburt in London, von der sie im Fernsehen erfahren hat und von einer Reportage über eine Indoor-Ski-Halle. Das passt – bei Temperaturen von über 40 Grad.

Es liegen noch immer mehr als 1.000 Kilometer Wegstrecke vor mir: Anderthalb Wochen Frankreich, dann etwa 40 Tage in Spanien. Das scheint tatsächlich kein Ende zu nehmen. Immerhin liegen gut 1.500 km hinter mir. Vielleicht sollte ich lieber nicht so viel darüber nachdenken…
Heute ging es eifrig rauf und runter.  22,3 Kilometer sind zusammengekommen. Bis nach Lectoure hat es nun doch nicht mehr gereicht.

 

Wetter: sonnig und sehr heiß; 40 °C  Tagesstrecke 22,3 km  Durchschnittstempo inkl. Pausen 2,9 km/h  Unterwegszeit (7:56 - 15:44) 7:48  Summe Aufstiege. 514 hm  Summe der Abstiege. 554 hm  Gesamt-Kilometer seit zu Hause 1.568,3 km.

 

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Montcuq – Lauzerte: Von Bastide zu Bastide

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Tag 76. Freitag 19. Juli 2013. Von Montcuq bis Lauzerte.

Das Frühstück in meinem außerhalb gelegenen Hotel war gut. Ich lasse mir Zeit und gehe dann hinauf nach Montcuq und setze mich gleich mal in ein Café.

Hotel du Parc, Montcuq. - © Foto: Erich Kimmich     Der Burgfried von Montcuq. - © Foto: Erich Kimmich

Heute nutze ich den Vormittag für ein paar kleine Erledigungen. Zum Beispiel ist ein Päckchen in die Heimat fällig, denn ich habe manch Überflüssiges beisammen. Ballast abwerfen sozusagen. Eine kleine Schachtel ist schnell gefunden. Im Café bei Orangensaft und Espresso sortiere ich die Sachen aus und packe die Schachtel zusammen. Schräg gegenüber im Dorfpostamt heißt es erst mal Schlange stehen. Ich bekomme ein Klebeband, um meine Schachtel zu verschließen. Als Adressaufkleber dient ein schnöder Zettel, den die Frau am Schalter an allen vier Seiten mit Tesafilm befestigt. 14 Euro für 600 Gramm. Das ist mir doch jedes Gramm wert… Dann noch Briefmarke und Code drauf und das Ganze wird hoffentlich die Reise bis zum Ziel überstehen. Ich habe vergessen, ein Anschriften-Doppel innen rein zu legen.

Dann stiefle ich weiter hinauf zum alten Donjon, der als einziges Relikt von der Burg aus dem 13. Jahrhundert übrig geblieben ist. Er war eine der letzten Fluchtstätten für die Schlossbewohner. Seine Mauern sind immerhin fast zwei Meter stark.
Beim Abstieg vom Burgfried treffe ich Erika aus Würzburg wieder, die ja auch bis Santiago gehen will. Wir besorgen uns in einem kleinen Laden ein Sandwich als Verpflegung für unterwegs und futtern die Blätterteig-Köstlichkeiten aus der Metzgerei gleich an Ort und Stelle auf.

Wegschild des GR 65. - © Foto: Erich Kimmich     Bei Montcuq. - © Foto: Erich Kimmich

Durst: Pilger-Rastplatz. - © Foto: Erich Kimmich     Braun-weisse-Pilgerbeine. - © Foto: Erich Kimmich

Gemeinsam sind folgen wir der rot-weißen Markierung des GR 65, die uns noch 1152 km bis Santiago ankündigt. Hinter einem alten Gehöft ist ein Pilger-Rastplatz eingerichtet. Angesichts der Hitze muss ich mich mal hinsetzen und nutze die Gelegenheit, um Steinchen aus den Schuhen zu entfernen. Da sieht man dann deutlich, wie braun mich die Sonne hat werden lassen, denn die „Schuhgrenze“ bildet eine klare Kante zum Weiß des Fußes.

Gascogne - Sonnenblumen. - © Foto: Erich Kimmich     Gascogne - Eichenwald. - © Foto: Erich Kimmich

Sonnenblumenfelder und lichte Eichenwälder wechseln sich ab. Bald haben wir die Gruppe Franzosen eingeholt, die ich vorgestern Abend kennengelernt habe. Auf einer Obstwiese wundern wir uns, dass noch niemand die schwarzen Kirschen geerntet hat. Ein Großteil liegt bereits angeschrumpelt am Boden. Die Kirschen, die noch am Baum hängen, sind vollreif und super-köstlich. Mundraub, yeah!

Dann biegt eine Straße rechts hinauf nach Montlauzun. Da will ich natürlich hinauf, allein schon der Aussicht wegen. Erika möchte lieber auf dem GR weiter gehen. Wir trennen uns und zusammen mit zwei anderen Wanderern steige ich den Berg hinauf. Eine Kirche und vier Häuser stehen oben. Wegen der vielen Bäume gibt es kaum Aussicht. Und vor allem: keine Bar nirgends. Also gehe ich leicht gefrustet wieder hinab und folge dem GR 65.

Erika beim Auf- und Ab durch die Gascogne. - © Foto: Erich Kimmich     Erika ist seit Würzburg unterwegs. - © Foto: Erich Kimmich

Auf dem Berge so hoch da droben: Bastide Lauzerte. - © Foto: Erich Kimmich

Bald habe ich Erika wieder eingeholt und als wir auf einer Anhöhe unser Tagesziel Lauzerte vor uns sehen, spendieren wir uns in dem kleinen Kiosk an der D-Straße eine Limo und ein Bier und mixen uns daraus ein Panaché. Diese Hitze!
Noch wenige hundert Meter steil ansteigend und wir haben den Ortsrand von Lauzerte erreicht. Hier treffen wir auch gleich auf die Gîte Les Figuiers. Hier zeigt ein Wegweiser noch 1138 km bis Santiago an. Zur Begrüßung bekommen wir kühles Wasser mit Veilchensirup gesüßt.

Schneckenhaus. - © Foto: Erich Kimmich     Wegweiser. - © Foto: Erich Kimmich

Obwohl ich nicht reserviert habe, ist auch für mich noch Platz: Alleine in einem Zweierzimmer samt Dusche. Was will man mehr? Die 20,50 Euro zahle ich dafür doch gerne.  Später treffen Uli und Haude ein und wir gehen gegen Abend gemeinsam ins Zentrum des Wehrdorfes zum Essen.

Dorfplatz-Idyll in Lauzerte. - © Foto: Erich Kimmich

Das Café du Commerce hat heute geschlossen. - © Foto: Erich Kimmich      "Jeden Mittwoch: Blabla des Abends und Canard enchainé" (Satirezeitung). - © Foto: Erich Kimmich

Vor dem „Table des 3 Chevaliers“ setzen wir uns an einen der gedeckten Tische. Wir bestellen einen weißen Gaillac „Château Clément Termes“. Ich bestelle das Menü und genieße die kalte Gazpacho und den schmackhaften Salat mit Schinken und Pastete und das Dessert. Ein angenehmer Abend, denn jetzt erst im Schatten der untergehenden Sonne werden die Temperaturen angenehm.

Lauzerte: Abendessen im Table des 3 Chevaliers. - © Foto: Erich Kimmich     Lauzerte: Abendessen im Table des 3 Chevaliers. Erika - © Foto: Erich Kimmich

Lauzerte: Abendessen im Table des 3 Chevaliers. Uli. - © Foto: Erich Kimmich     Lauzerte: Abendessen im Table des 3 Chevaliers. - © Foto: Erich Kimmich

Lauzerte: Abendessen im Table des 3 Chevaliers. - © Foto: Erich Kimmich     Lauzerte: Abendessen im Table des 3 Chevaliers. - © Foto: Erich Kimmich

Lauzerte: Abendessen im Table des 3 Chevaliers. - © Foto: Erich Kimmich     Lauzerte: Abendessen im Table des 3 Chevaliers. - © Foto: Erich Kimmich

Lauzerte: Abendessen im Table des 3 Chevaliers: Erika und Uli. - © Foto: Erich Kimmich     Lauzerte: Abendessen im Table des 3 Chevaliers. - © Foto: Erich Kimmich

Lauzerte: Kunstwerk am Marktplatz. - © Foto: Erich Kimmich     Lauzerte am Abend. - © Foto: Erich Kimmich

Lauzerte am Abend. - © Foto: Erich Kimmich     Lauzerte am Abend. - © Foto: Erich Kimmich

Verträumtes Lauzerte

Lauzerte (224 m) liegt auf einem langen Bergrücken und entstand im Zuge des Hundertjährigen Krieges. Damals haben die Grafschaften ihre Grenzen mit Bastiden (Wehrdörfern) befestigt. So wollten sie sich vor den englischen Truppen schützen. Seit dem 12. Jahrhundert bewacht Lauzerte also den Weg zwischen Cahors und Moissac. Wie alle Bastiden ist auch Lauzerte im Schachbrettmuster rund um einen zentralen Platz angelegt.

Sommer-Nächtliches Lauzerte. - © Foto: Erich Kimmich     Sommer-Nächtliches Lauzerte. - © Foto: Erich Kimmich

Sommer-Nächtliches Lauzerte. - © Foto: Erich Kimmich     Sommer-Nächtliches Lauzerte. - © Foto: Erich Kimmich

Der Platz mit dem witzigen „abstehenden“ Kopfsteinpflaster und den liebevoll renovierten Häusern wirkt ausgesprochen lebendig. Während die drei anderen hinab zur Gîte gehen, drehe ich noch eine Rund durch die konzentrisch angeordneten Straßen und zu einem Aussichtspunkt über der Stadtmauer mit einem faszinierenden Ausblick in die nächtliche Umgebung.

Lauzerte: Nächtlicher Ausblick von der Bastide ins Land. - © Foto: Erich Kimmich     Lauzerte: Nächtlicher Ausblick von der Bastide ins Land. - © Foto: Erich Kimmich

Der Mond steht am Himmel, Lichter funkeln, warme Luftmassen wehen träge vorbei. Hier möchte ich gerne mal wieder her kommen. Ein schöner, geschichtsträchtiger Ort!

Sommer-Nächtliches Lauzerte. - © Foto: Erich Kimmich     Sommer-Nächtliches Lauzerte. - © Foto: Erich Kimmich

Lauzerte: Nächtlicher Ausblick von der Bastide ins Land. - © Foto: Erich Kimmich     Sommer-Nächtliches Lauzerte. - © Foto: Erich Kimmich

In einer der Kneipen am Platz zische ich noch ein letztes Panaché. In der Gîte sitzt Erika am Internet-PC und wir unterhalten uns noch eine ganze Weile – bei einem weiteren Panaché. Diesmal ist es wirklich das letzte für heute. 17,2 km sind heute auf dem Navi. In der Summe komme ich auf 1496,2 km.

 

Wetter: sonnig und sehr heiß; 32-28 °C  Tagesstrecke 17,2 km Durchschnittstempo inkl. Pausen 2,4 km/h Unterwegszeit 7:12 Summe Aufstiege. Minimale Höhe: 116 Meter 465 hm Summe der Abstiege. Maximale Höhe 269 Meter. 489 hm Gesamt-Kilometer seit zu Hause 1.496,2 km.

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Zwischen Cahors und Montcuq

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Tag 75. Donnerstag 18. Juli 2013. Von Les Matthieux bis Montcuq

Im kleinen Dörfchen blühen die Malven vor den Steinhäusern. Neben der Kirche kann man am Wasserhahn seine Flasche auffüllen. 
Heute habe ich nach vier Kilometern in Labastide-Marnhac eine kleine Kaffeepause gemacht.  Der Himmel ist bedeckt und es ist schwül. Meine aktuelle Kombination ist Orangensaft und Espresso. Das baut auf! Im „Restaurant Multi-Services“  bekommt man auch Lebensmittel und Postdienstleistungen angeboten. Getrocknete Aprikosen können nicht schaden.  250 Gramm allerdings.
Auf einem langen Kalkrücken und an dürren Weiden vorbei läuft der Weg auf einer Schotterpiste bis Les Cabanes. Unterwegs finde ich erstmals eine dieser lärmenden Zikaden. Sie liegt verletzt auf dem kalkweißen Weg und ist deutlich größer als ein Maikäfer. Ameisen machen sich bereits über sie her; mit wilden Zuckungen versucht sie die kleinen Beißer abzuschütteln.
Später überhole ich vor dem Weiler Lascabanes zwei Mädchen, die mit dicken Rucksäcken in Cahors den Weg begonnen haben. In der kleinen Gîte von Lascabanes direkt neben der Kirche gönne ich mir eine Fanta aus dem Automaten und einen heißen Kaffee. Hilft immer. Im Gegensatz zu vielen anderen Pilgern, die allmählich eintreffen, will ich noch weitere sieben Kilometer bis Montcuq zurücklegen, so wie es der Pilgerführer vorschlägt.
Die weißen Kalkflächen, die vielfach unbewachsen offen daliegen haben dem Quercy Blanc seinen Namen gegeben. Auch den Weg ist ganz hellweiß. Das blendet geradezu und verstärkt die kräftige Sonnenstrahlung von oben noch zusätzlich. Herrlich dicke Wolken plustern sich vor dem blauen Himmel auf – gefundenes Fotofutter zusammen mit den abgeernteten Getreidefeldern. Ganz weit hinten kann man immer noch den Wasserturm von Cahors sehen. Entlang des Weges ist ein Ungetüm von Mähdrescher im Einsatz; ich winke dem Bauern da oben beim Vorbeigehen. Tauschen will der mit mir auch nicht…
Dann führt der Weg abwärts und ich bin am Place del Sol mitten in Montcuq. Heute lasse ich mich von dem Wegweiser ¨Hotel¨ verführen. Allerdings kommt die Überraschung später, denn das Hotel du Parc ist etwa 2 Kilometer unterhalb der Bergfestung Montcuq abseits des Weges. Dort aber genieße ich die frische Dusche und das angenehme Abendessen.
Heute sind 27 km zusammen gekommen. Insgesamt komme ich nun auf 1479 km.

Cahors!

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Tag 74. Mittwoch 17. Juli 2013. Cahors und mehr.

Heute ist es zum ersten Mal seit langem nicht nur sonnig. Der Himmel ist grau mit Wolken. Und darunter ist es schwül-heiß. Von der Gîte – es gab klasse Pfirsichmarmelade und reichlich Kaffee zum Frühstück – waren es sieben Kilometer über glühende,trockene Hügel. Thérèse hatte uns am Morgen alle Details von Cahors erläutert – doch der Blick in die Weite zeigte nur Hügel über Hügel. Wo kommt denn nun die uralte Stadt am Lot?
Die Insekten sind heute im Tiefflug. Ganze Schwärme winziger Fliegen fallen über den Wanderer her. Nun geht es abwärts – und da unten liegt Cahors im Tal. Der Lot beschreibt eine große Schleife. In einem Teil davon ist die historische Altstadt mit den bekannten Brücken.  Endlich habe ich den steilen Abstieg bewältigt und gehe über die südliche Brücke.  Am Ende der Brücke sind in einem kleinen Häuschen die Jakobsfreunde, die den Pilgern zur Hand gehen. Natalie et Diane, die vor mir in der Gîte losgezogen sind, haben gerade ihre Rucksäcke deponiert. So hat man „den Rücken frei“ um die Stadt in Ruhe zu besichtigen. Man stellt mir ein kühles Glas Wasser hin und stempelt den Pilgerausweis und bucht auch gleich das Abendquartier fünf Kilometer außerhalb der Stadt.
Nun schaue ich mir Cahors an. Viele Häuser sind aus den typischen Ziegeln von Toulouse erbaut. Die Altstadt mit den vielen engen Gässchen ist faszinierend. An der Kathedrale St. Etienne sind über dem seitlichen Tympanon eine Reihe von Schlusssteinen mit faszinierenden Gesichtern angebracht. Sie schneiden Grimassen oder strecken die Zunge heraus.
Nun ist es Mittag und ich setze mich am Ufer des Lot in ein Gasthaus zum Essen. Es geht die Treppe hoch auf eine mit Chinareben bewachsene Terrasse. Der Wirt ist ein ausgesprochener Witzbold, der eine gute Stimmung zu verbreiten versteht. Außerdem ist er sein eigenes Personal und fertigt mehrere Tische im selben Rhythmus ab. Das Essen ist gut und preiswert (Suppe, gefüllte Tomate, Entenfleisch mit Nudeln, Käse, Dessert, Café).
Ich bestaune die Kathedrale St. Etienne, die im 11. Jahrhundert begonnen wurde. Die 37 m hohen Kuppeln erwecken einen ganz besonders gewaltigen, großen Eindruck. Der Chor ist gotisch mit schönen Glasfenstern. Ein Kreuzgang schließt sich an.
Noch ein erfrischender Orangensaft und ein stärkender Espresso – dann kann die Tour nach sieben Stunden Cahors wieder weiter gehen.
Im kleinen Pilgerhäuschen an der Brücke hole ich meinen Rucksack ab und gehe am Lotufer entlang bis zur Pont Valentré, einer wehrhaften Brücke über den Lot, die zum Wahrzeichen von Cahors geworden ist. Hier schreiten seit dem 15. Jahrhundert die Pilger über den Fluss.
Direkt dahinter steigt der GR 65 über hohe Stufen in den Fels. Es ist heiß und der Rucksack drückt ins Kreuz. Endlich oben angekommen bietet sich ein letzter Blick auf die Stadt in der Lotschleife. Ich bin noch gut anderthalb Stunden vorwiegend auf der Straße unterwegs bis ich die Domaine des Matthieux erreicht habe. Da muss ich mich zwar beeilen, denn um 19 Uhr gibt es bereits das Abendessen. Aber auch danach ist noch Zeit für ein Bad im Swimmingpool.

Heute sind inklusive Stadtspaziergang 21,2 km zusammen gekommen. Gesamtsumme jetzt 1452 km.