Sonntag.
Anreise.

Stuttgart 8.04 Uhr. Mit dem ICE Richtung Zürich. Draußen regennasse Straßen, Nebelschwaden. Drinnen ein Cappuccino, der seinen Namen nicht verdient hat.

Der EC Cinque Terre

In Zürich steigen wir in den Cisalpino um, der bis Genua fahren soll. Wegen eines Bahnunfalls muss der Zug einen Umweg fahren. Göschenen – feucht und neblig – erreichen wir mit etwa 20 Minuten Verspätung. Großer Mitreisenden-Wechsel in Milano-Centrale.
Und weiter gehts nach Genova-Brignole. (Genua hat eine ganze Reihe verschiedener Bahnhöfe und ist die fünftgrößte Stadt Italiens). Schon ist es etwa 18 Uhr geworden – ein ganzer Tag nur Zugfahren… Und dennoch reicht die Pufferzeit gut, um den Nahverkehrszug zu erwischen, der in Recco und anderen Orten hält und uns gegen 18.42 Uhr in Camogli entlässt. Hohe Hausfassaden, Meeresrauschen, der Himmel ist (zu sehr) bewölkt. Mal sehen, was uns das Wetter die nächsten Tage zu bieten hat.

Camogli

Camogli ist eine traditionsreiche Seefahrerstadt, die zeitweise über eine größere Flotte als Genua verfügte. Der hübsche Ort mit den vielgeschossigen Häusern zeigt sich maritim: Hier gibt es das Nautische Institut Christoph Kolumbus, eine der besten Ausbildungsstätten für Marineoffiziere, und das Schiffsmuseum. Im Fischerhafen wird alljährlich am zweiten Maisonntag jedermann zur Pfanne gebeten: Gleich zentnerweise kippt man den Fisch in die womöglich größte Pfanne der Welt. Bewohner und Gäste dürfen ihn gratis verzehren.

Wir finden den Albergo La Camogliese ganz leicht, eine endlos lange Treppe gleich unterhalb des Bahnhofs hinunter. Wir wundern uns über die teilweise achtstöckigen Häuser mit ihren schön bemalten Fassaden. Da gibt es auch reichlich „Scheinfenster“; die nur aufgemalt worden sind, um den optischen Eindruck zu vereinheitlichen. Von unserem Zimmer im zweiten Stockwerk können wir direkt aufs Meer hinaus schauen.

Erstmal machen wir uns frisch und ziehen dann los zum Abendessen. Schöne Stimmung entlang der Uferpromenade. Ähnlich wie in Vernazza ein großer Hafen, Hafenplatz, eine neuklassizistische Kirche und dahinter ein alter Bergfried, alles schon in der Dämmerung versteckt. Wir lassen uns im Freien im hübschen Ristorante Primula nieder, bestellen uns einen Hauswein, als Vorspeise einen Seemannsteller (mit Tomaten, Seemannsbrot, Kapern, Sardellen, Thunfisch, gekochten Eiern) bzw. einer Meeresplatte mit Krabben, Sardinen, Muscheln und einigem mehr. Als Hauptspeise Maccheroncini mit würziger Soße bzw. Trofie (ligurische Nudelspezialität mit Pesto, Kartoffeln und Bohnen). Der Nachtisch fällt aus, in einer anderen Bar genehmigen wir uns einen Absacker (Averna, Grappa)….

Ein abendlicher Absacker in Camogli

Prima Sache, wenn man nach dem Tagebuch-Schreiben das Ganze gleich an die eigene Webseite mailen kann. Riesen Enttäuschung aber, als ich feststelle, dass ich den PDA wohl am Vortag beim Vorbereiten auf Null zurückgesetzt habe. Dabei hätte ich gerne die bevorstehenden Wanderungen per GPS aufgezeichnet. Das alles geht nun nicht mehr, selbst Adressen und Termine sind weg. Na klasse! Das gibt wieder einen Haufen extra Arbeit nach dem Urlaub…

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