Zweiter Tag. Montag.
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Ruta – Santa Margherita Ligure.

Das Wetter ist unbefriedigend: graue Wolken, die Sonne kommt nicht durch, in den Bergen hängen Nebelschwaden. Das Frühstück im Hotel La Camogliese ist umfangreich. Von einem Büffet kann man sich nach Herzenlust bedienen: Schokoladenkuchen, Croissants, heller Kuchen, Gebäck, Müsli, Saft, Wasser, Milch. Wir sitzen in einer Art schmalem Wintergarten bergauf, haben ein Kännchen guten Schwarztee vor uns stehen und sehen hinauf zu den achtstöckigen bemalten Hausfassaden und zu der langen steilen Treppe, die man vom Bahnhof kommend herabsteigen musste.

Blick von Ruta hinunter nach Camogli

Wir wollen heute die Tour über Ruta nach Santa Margherita Ligure machen. Der Bus, der uns nach Ruta hinaufbringen sollte, wird erst in 40 Minuten starten. So schreiten wir die Straße hinauf, Helmut wäre beinahe von einem Auto erfasst worden. Bald gehen wir auf einer Nebenstraße und später sogar auf einem schmalen Weg zwischen verschiedenen Häusern und Vorgärten hindurch. Bald schon bietet sich ein schöner Blick hinunter auf Camogli, den Hafen, die Festung und die Pfarrkirche direkt am Wasser. Doch alles ist farblos grau in grau, das Fotografieren macht irgendwie keine Laune heute. Und dazu noch diese unglaubliche Schwüle, die uns den Schwung raubt.

In Ruta auf 250 Meter Höhe kommt uns das kleine Café wie gerufen – zwei Espresso kosten zusammen nur 2,80 Euro. So gestärkt gehen wir die eigentlich für den dritten Tag vorgesehene Wegstrecke: vor dem Tunnel das schmale Gässchen zur Kirche hinauf und nun dem roten Quadrat folgend auf herrlich gepflasterten Wegen durch den Naturpark Portofino ansteigend. Herrlich abwechselnde Mischwälder wechseln sich ab mit Pinienwald, Esskastanien und eigenartigen „Erdbeerbäumen“ und mannshohen Erikabüschen. Bald sind wir am Hotel Portofino Vetta angekommen, eine große Anlage neben einem riesigen Sendemast, nun schon auf 430 Meter Höhe. Die aufgestellten Tischchen bieten Gelegenheit, die lange Wanderhose gegen die kurze auszutauschen und meinen mitgebrachten Weisswein (Viré Clessé) anzubrechen. Zusammen mit dem geräucherten Schweinefilet und der Pfeffersalami ein prima Mittagessen.

Vesperpause beim Hotel Portofino Vetta hoch über Camogli

Weiter gehts dem roten Quadrat entlang bis zu den Pietre Strette (452 m), großen einzeln stehenden Steinblöcken, moosbewachsen und verwunschen aussehend.

Die Pietre Strette, bemooste Riesensteinblöcke im Wald

Wenig später, Helmut hat schon etliche Edelkastanien eingesackt, kommen wir zum höchsten Punkt der Tour auf 470 m über dem Meer. Durch schöne Wälder gelangen wir zum Weiler Olmi. Ausgemergelte Katzen sitzen auf dem Geländer vor den wenigen Häusern. Nun verlassen wir die Hauptmarkierung und biegen in einen Talgrund ein, jetzt mit rotem Kreuz markiert, kommen an einer ehemaligen Mühle vorbei und nun durch landwirtschaftlich genutzte Gebiete bis Sant Anna und Gavi. Ein gut zwölf Meter hoher Avocadobaum nimmt uns mit seinen Ausmaßen, voll grüner Früchte, in Anspruch – unglaublich reichhaltig! Kiwis wachsen am Haus entlang, Granatäpfel und andere quittenartige Früchte hängen in den Bäumen, große Gänseblümchen und gelbes Habichtskraut taucht die Wiesen in bunte Farben, sogar die Sonne kommt ab und zu ein wenig zum Vorschein. An der Kirche von Nozarego vorbei geht es einem kleinen Rinnsal entlang abwärts. Blaue Prunkwinden – unglaublich blau, türkis, violettblau leuchtend – säumen den Pfad. Feigenbäume, Zitronenbäume, Kumquats, rote Bohnen… und noch viel mehr wachsen hier um die Wette.
Nach einem langen Treppenweg (frei nach Helmuts Motto: „Immer locker, locker, locker…“) haben wir Santa Margherita Ligure erreicht, schlenden am Hafen mit den vielen Jachten entlang und trinken auf einer Sonnenterrasse einen Espresso. Das berühmte Jugendstilcafé Caffe Colombo hatte leider zu. Umso mehr sind wir von einem Feinkostgeschäft Seghezzo begeistert, das noch ganz im alten Stil eingerichtet ist. Es ist eines der schönsten Lebensmittelgeschäfte an der Küste. Das internationale Angebot an Esswaren ist fantastisch umfangreich.

Im Feinkostgeschäft in Santa Margherita Ligure...

Unglaublich, was es da alles gibt, wie viele Kaffee- und Schokoladensorten, verschiedenen Schinken, Nudelsorten und Risotto Tartuffo und noch vieles mehr. Am Bahnhof kommen wir grad recht, ein paar Minuten und der Zug nach Camogli fährt ab. Schon gegen sechs sind wir wieder im Quartier, erholen uns und machen uns fit fürs Abendessen.
Im Restaurant La Camogliese gibt es überwiegend Fischgerichte. Hauchdünn geschnittene Espadascheiben in Öl als Vorspeise, Trofie bzw. Tortellini mit Nußfüllung und Nußsauce als Hauptgericht. Eine geviertelte Ananas zum Nachtisch. Espresso und ein nächtlicher Bummel schließen sich an. Der Mond schimmert hinter den Wolken und wirft vereinzelt helle Flecken aufs Meer.

Camogli am späten Abend

Die Handyverbindung ins Internet will heute abend nicht funktionieren. Zahlreiche Varianten bleiben erfolglos… Schade.

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