Dritter Tag. Dienstag.
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Camogli – San Rocco – San Fruttuoso – Portofino

Camogli: Welches Fenster ist aufgemalt?

Eine lange und schwierige Wanderung auf dem Sentiero Verdeazzurro im Parco Regionale di Portofino steht auf dem Programm. Entlang des kleinen Baches, der vor unsrem Hotel ins Meer mündet, steigen wir auf schmalen, gepflasterten Treppenwegen bergan und haben nach etwa 20 Minuten den Weiler San Rocco erreicht, der hoch über Camogli 200 Meter über dem Meer thront. Eine Briefträgerin hat ihre Vespa vor der Kirche abgestellt und trägt die Post zu Fuß in die umliegenden Häuser. Nachher begegnet sie uns im Weiler Mortola nochmal. Der Weg führt bestens ausgebaut hoch über dem Meer an der Felswand entlang. Wir sind über die vielen Früchte, die hier überall wachsen und die herrliche Aussichtslage hoch entzückt. Gleich lassen wir uns eine frische Feige vom Baum schmecken, bewundern die pfirsichartigen Früchte in den Bäumen, die prallen Tomaten an den Sträuchern und die frischen Walnüsse in den Bäumen. Und wenn man die Oliven essen könnte, wärs eine schwierige Strecke geworden…

Zwischen Esskastanien und Pinien und der verfilzten, duftenden Macchia verläuft der Weg, tief unten und dahinter und bis zur Horizont ist immer das Meer. Der Weg wird allmählich immer ursprünglicher, aufregender, es gibt keinen Belag und keine Treppen mehr. Er schlängelt sich durch wilde Macchia, in der es teilweise ganz dunkel wird, dann kommen wir wieder auf ausgesetzte Stellen und erleben ein sehr eigenartiges Gestein – das Portofino-Konglomerat. Es sieht aus als seien viele verschieden große Kieselsteine mit einer Art Zement zusammengebacken worden, ganze Hänge sind hier damit aufgetürmt. Nun sind wir an ausgesetzten Stellen, schräg zum Meer hinunter abfallend, die ersten Sicherungsketten helfen uns beim sicheren Gehen. Streckenweise geht es weglos über abschüssige Felsplatten. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind gefragt.

Kletterpartie im Portofino-Konglomerat

Hoch über der Punta Chiappa sehen wir rechts hinten die Städte um Genua, vor uns liegt das Meer, grau in grau mit dem Horizont sich verbindend. Vereinzelte Sonnenflecken zeigen Strahlen an, die das Meer in eine silberne Masse verwandeln. Unser Weg mit den zwei roten Punkten, die oft wie leuchtende Augen aussehen, führt auf und ab, wir erleben fantastische Ausblicke in die Cala dell’Oro. Bei schönem Wetter würden wir vielleicht dort hinabsteigen und ein kühlendes Bad nehmen…

An den „Batterie“ vorbei, Befestigungen aus dem Zweiten Weltkrieg, führt der Weg wieder in einen Taleinschnitt hinab. Noch ein Mal geht es von 75 Metern steil hinauf durch Steineichenwälder bis auf eine Passhöhe auf etwa 300 Meter, die wir nach einer guten halben Stunde erklommen haben. Kurze Blicke auf die Bucht von San Fruttuoso und den Doria-Turm geben uns eine Ahnung von dem bevorstehenden Abstieg. Durch Buschwald und Olivenhaine kommen wir gegen 13 Uhr dort mit heiß gelaufenen Sohlen und vom vielen Bremsen angespannten Knien an.

San Fruttuoso

Wir sind gelandet zwischen Blumen und Kräutergärten, glucksenden Hennen und dösenden oder hinter Eidechsen herflitzenden Katzen, anscheinend im Mittelalter, das hier in sich versunken andauert unter der achteckigen, campanilehaften romanischen Kirchenkuppel.
Wir sind enttäuscht über das geschlossene Kloster und bestellen in dem kleinen Strandcafé erstmal einen Cappucchino, Wasser und ein Stückchen von der Torta di Nonna (einem feinen Eierkuchen mit Rosinen). Wenige Wanderer rasten hier, das Meer wälzt sich lautstark unmittelbar davor auf die Kieselsteine. Die gründliche Pause haben wir uns verdient.

Das Kloster San Fruttuoso mit dem Doria-Turm

Gotisch ist die meerzugewandte, schlichte, doch beherrschende Marmorfassade mit ihren in zwei Stockwerken angeordneten Triforien von faszinierender Asymmetrie über maßvoll spitzbogigen Arkaden. Die stecken zur Hälfte im Meeresschutt: Man denkt an Sanduhren. Im Bogenschatten schlafen Boote und Katzen, es riecht nach Fisch.
Im achten Jahrhundert entstanden hier die ersten Gebäude als sich spanische Mönche auf der Flucht vor den Sarazenen mit den Reliquien des Heiligen Fruttuoso hier niederließen. Im verwahrlosten Kreuzgang spürt man die vergangene Zeit und die Zeitlichkeit. Römische Marmorsäulen, einst zur Stärkung mit Backstein ummantelt, treten nun wieder unterm bröckelnden Rot hervor. Heute sind viele der Gebäude vom Verfall gezeichnet. Auch der Doriaturm ist geschlossen und wir nehmen hinter einer Baustelle den erneuten Anstieg auf 250 Höhenmeter in Angriff. „Base 0“ heißt diese Stelle und wir erleben hoch über der Calle d’Inglesi eine absolut herrliche Strecke, genießen die Sonne bei einer ausgedehnten Vesperpause mit Schinken, Käse und pfälzischem Schwarzriesling hoch über dem silbern schimmernden Meer. Zum Abschluss gibt es knusprige Müsliriegel 😉

Wanderfreuden: Rast mit Meerblick

Eine Art Jakobstreppe mit gut 1500 Stufen geht es hinab, an Brombeerdickichten und efeuumarmten Ölbäumen vorbei zu rebengesäumten Gehöften. Später kommen wir durch den Weiler Prato und erreichen nach einem langen Treppenabstieg endlich das Ortsende von Portofino. Sofort fallen die Touristenmassen auf, die Hotels und die feinen Juweliergeschäfte. Am Hafen, wo edle Jachten vor Anker liegen, lassen wir die Tour bei Café und Gelato ausklingen.

Am Hafen von Portofino

Wie in einem von der Natur geschaffenen Amphitheater liegt Portofino und seine Bucht geborgen hinter dem Vorgebirge an der Küste. Auf zehn Einwohner Portofinos kommt ein Liegeplatz für eine Yacht oder ein größeres Sportboot. Hier haben die Feinen die Fischer in den Hintergrund gedrängt. Exklusiv wie die Gäste sind auch die Boutiquen und Galerien.

Das Wetter wird trüber, die Wolken dunkler. Entlang des Hafens ist das Wasser schon auf die Uferpromenade getreten, hate Stühle umzingelt, die ersten Regentropfen fallen. Nicht zu früh… Wir schnappen uns den nächsten Linienbus nach Santa Margherita, der proppevoll mit Touristen ist. In gut 20 Minuten spannender Fahrt entlang der kurvigen Küstenstraße sind wir in Santa Margherita. Spontan steigen wir beim Cafe Colombo aus, das gestern geschlossen war.

Drinks und Snacks im Jugendstil-Cafe Colombo

In dem mit hölzernem Schnitzwerk verzierten „Jugendstilcafe“ bestellen wir uns erfrischende Drinks: einen Aperol a l’Orange und einen Bellini con Prosecco (Pfirsichmus mit prickelndem Schaumwein). Dazu gibts gratis Oliven, Knabberzeug und Erdnüsse aus einer seltsam anmutenden „Flasche“.

Gewitter bei Sant Margherita Ligure

Als wir gegen 18.30 Uhr aus dem Café kommen tobt draußen der Sturm, dunkle Wolken hängen drohend über der Stadt, die Wellen haben eine ordentliche Stoßkraft erreicht, bleierne Farben herrschen vor. Wir gehen zum Bahnhof und sind bald darauf in Camogli im Hotel.
La Rotonda heißt heute abend unser Restaurant. Als Vorspeise gibt es Carpaccio de Bresaola bzw. Musciola (Miesmuscheln). Dann zu einem bunten Salat zweierlei Pilzgerichte. Die schmackhaften Funghis sind mit Olivenöl zart angebraten und schmecken vorzüglich. Ein Fruchtsalat, Espresso und ein Grappa geben uns den Rest. Der abschließende Spaziergang führt uns hinauf zum alten Stadtkern hinter der Pfarrkirche. Der Mond spiegelt sich silbern im Meer.

Camogli: Gasthaus La Rotonda

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