5. Tag. Donnerstag.
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Von Genua-Nervi nach Recco und Camogli.

Gegen 9.15 Uhr sind wir auf der Hauptstraße, der Held Simone Schiaffino auf seinem Denkmal hat bereits den Kopf in der Sonne. Wir kaufen uns fein geschnittene Bresaola und einen San Stefano-Käse in einem der zahlreichen Geschäfte, Olivenbrot beim Bäcker. Postkartenkauf, Stadtbummel. Einen starken Café in der „Baby Bar“ beim Bahnhof (so heißt die wirklich). Der Nahverkehrszug bringt uns zum Villenvorort Nervi am Standtrand von Genua.

Genua-Nervi

Herrlich liegt das Meer vor uns, der Himmel ist fast wolkenlos, Jogger, Hundehalter, Senioren und afrikanische Lederwarenverkäufer bevölkern den Meeruferweg Passeggiata a mare. Agaven klammern sich tief unten in die Felsspalten, die Brandung rauscht regelmäßig. Entlang des Hafenbeckens führt uns die exakte Wegbeschreibung über eine mittelalterliche Brücke und durch belebte Straßen zum Treppenweg Salita Domenico Morelli, der schier endlos in die Höhe führt.

Treppenweg hoch über Nervi

Nach einer Dreiviertelstunde haben wir das kleine Kirchlein San Rocco auf etwa 206 Metern Höhe erreicht – schweißgebadet. Herrliche Blicke hinunter nach Nervi und auf den westlich gelegenen kahlen Bergrücken, auf dem sich dutzende Sendeanlagen von Genua befinden. Auf dem Itinerario Storico Colombiano steigen wir den Hügelkamm weiter hinauf. Immer mehr Edelkastanien tauchen auf, der Weg wird zusehends schattiger.
Auf einem Maultierpfad wandern wir am Hang des Monte Giugo in nordöstlicher Richtung aufwärts. Vom Waldrand blicken wir auf eine einsame, eindrucksvolle Landschaft kahler Berge und erreichen den Passo de la Crocetta (486 m ü.M.). Hier legen wir erstmal eine ausgiebige Rast ein.

Ligurien-Wandern himmelwärts

Im Süden sehen wir hinunter nach Bogliasco, östlich davon zeichnen sich parallel verlaufende Gesteinsbänder wie Riemen durch die Landschaft und setzen sich wie sichtbare Höhenlinien weiter fort. Eine Gottesanbeterin turnt zwischen den Grashalmen und hält ganz still als sie ihrer Bewunderer gewahr wird.

Den Markierungen folgend steigen wir weiter auf dem Hügelkamm an. Die Ausblicke werden immer schöner, auch der störende Autolärm verliert sich. Wir gehen durch eine gespenstische Zone: Hohlgebrannt und verkohlt, recken tote Pinien schwarze Äste, über gestürzten Stämmen wuchert schon wieder unsterbliches Grün – eine ganze Bergflanke steht kahl, niedergebrannt. Unterhalb des bewaldeten Monte Cordona steigen wir an der Ostseite des Berges unter Pinien weiter an bis zur Straße Genua – Uscio (735 m ü.M.), die wir hoch oben gegen 14 Uhr erreichen.
Wolken türmen sich zu dicken Gebilden am Himmel. Zwei rote Quadrate als Markierung führen uns der Straße entlang.

Bald haben wir die verlassenen Gebäude der Osteria del Bacco erreicht und gehen auf der Straße etwa einen Kilometer hinab, erreichen die ersten Häuser von Cornua. Die Trattoria Cornua ist wie aus einem alten Italienfilm – altmodisch eingerichtet, freundlich und immer gut besucht, was angesichts der schmackhaften Hausmacherküche und der milden Preise nicht erstaunt. Auch ein junger Mann, den wir die ganze Zeit auf der Straße vor uns hatten, macht mit seinen drei Hunden hier Rast. Da wir erst nach 14 Uhr ankommen, gibt es leider nur noch belegte Brote, die wir uns schmecken lassen. Unerwartete Geräusche von draußen: es regnet, hagelt und prasselt massiv aufs Vordach. Leute stellen ihr Auto ab und rennen schnell in den Gastraum, um hier den Regenguß abzuwarten.

Unseren Aufenthalt verlängern wir mit Café und Schokolade und gegen 16 Uhr brechen wir auf in den nachlassenden Regen. Optimistisch verzichten wir darauf, den Regenmantel auszupacken und bald schon hat der Niederschlag aufgehört. Doch die Steine sind rutschig, an den Grashalmen, die in den schmalen Pfad ragen, hängen die Regentropfen und nässen unser Schuhwerk mit jedem Schritt mehr ein.

Der schmale Pfad zieht sich nicht enden wollend über den Bergrücken Richtung Süden. „Erdbeersträucher“ mit ihren bunten Früchten begegnen uns, leuchten in der warmen Abendsonne. Schon nach einer halben Stunde haben wir einen weiten Blick zur Trattoria zurück, wir gehen durch Farnwiesen, Kastanienhaine, vorbei an verfallenen Gemäuern. An einer Felsgruppe mit Aussicht stärken wir uns mit Rotwein, Käse und feinem Schinken. Die Wolken sind allesamt verschwunden, niemand würde glauben, dass es vor zweieinhalb Stunden wie aus Eimern geregnet hat.

Vesperpause am Nachmittag mit Aussicht

Wir überqueren hoch oben die viele hundert Meter tiefer verlaufende Autobahn, rechts dahinter am Meer sehen wir den Ort Sori. Wenig später wird nach links der Blick auf Camogli und den Monte Portofino frei. Bei der Kapelle San Uberto steht eine gewaltige Christus-Statue auf einem hohen Sockel. Ein Wanderer kommt herauf, zeigt uns stolz die Pilze in seiner Tasche.
Immer steiler führt der schmale Pfad bergab, die Knie werden heftig belastet.

Blick hinunter nach Recco und Camogli

Die Blicke hinunter sind alle Mühen wert: riesige Pinienbäume, blühende Rosmarinhecken, rosafarbene Abendwolken, der Vollmond kommt zum Vorschein, ein Mountainbiker zeigt uns den Weg bevor er mit luftigen Sprüngen den Hang hinab brettert. Am Ortseingang von Recco erreichen wir die Bahnlinie und wandern auf der Straße noch die letzten zwei Kilometer nach Camogli zurück, den Vollmond hoch oben.

Das Abendessen nehmen wir wieder in der Trattoria La Rotonda ein: Acciughe salate, Lasagnenudeln in Pesto (Helmut), gemischte Vorspeise mit vielen Fischen, Pansotti mit Pilzfüllung und Gemüsesoße (Erich). Vino bianco a la casa, Früchtetorte bzw. Pfirsichkuchen.

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