Siebter Tag. Samstag.
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Cinque Terre: Monterosso – Vernazza

Es scheint heute es ein Regentag zu werden. Die Tropfen fallen aufs Glasdach des kleinen Wintergartens im Frühstücksraum. Heute gibts wieder den frischen Obstsalat zum Frühstück! Wir fahren von Camogli über Sestri Levante nach Monterosso al Mare, das erste der Cinque-Terre-Dörfer. Vom Bahnhof aus müssen wir erst mal in östlicher Richtung entlang der tosenden Küste gehen. Kein Mensch badet bei diesem stürmischen Wetter, das Meer tost, hohe Wogen schlagen gegen die Felsen. Der kleine Kiosk am Bahnhof hat sich geschäftstüchtig mit farbigen Regencapes und Schirmen ausgerüstet. Durch den Tunnel zwischen Bahnhofsstrand und Altstadt zieht kalte Luft wie ein starker Sog hindurch. Die kleinen Sträßchen der Altstadt sind noch feucht, Schirm oder Regenmantel können wir aber eingepackt lassen. Alles scheint auf besseres Wetter hinzudeuten.

Monterosso al Mare, Kirche

In den Arkaden am Dorfplatz hinter der Kirche geben Mitglieder eines caritativen Vereins Fischgerichte und Risotto aus – schade, dass wir noch keinen Hunger haben. Wir schauen uns die pittoreske Altstadt mit ihren engen Gässchen an. Beeindruckend ist die Kirche San Giovanni Battista mit ihrer schwarz-weiß gestreiften Fassade und der fein gemeißelten Rosette.

Fahrrad-Stilleben in Monterosso al Mare

Im Haus der Nationalparkverwaltung kaufen wir zwei Billets für die Via dell’Amore (je 3 Euro). Das gibts nicht alle Tage: Eintrittskarten für einen Wanderweg. Hinter den Häusern am Ortsrand zieht sich der Treppenweg hinauf, wir erhaschen immer schönere Blicke zurück aufs kleine Dörfchen, aufs Meer, auf den Strand vor dem Bahnhof. Oberhalb des Dorfes sehen wir das Kapuzinerkloster, draußen auf dem Meer scheint in einem schmalen Streifen am Horizont entlang die Sonne und malt einen gleißenden Querstrich dorthin, wo sich sonst Wasser und Himmel treffen.

Sonnenstreifen am Horizont

Die Sonne bricht sich Bahn, bald wird uns reichlich warm beim Wandern. Immer weiter hinauf gehen die Treppen, an einem kleinen plätschernden Rinnsal entlang, hinter Trockenmauern wachsen Weinreben, eine kleine „römische“ Bogenbrücke spannt sich über ein weiteres Bächlein. Ein jung-sportliches englisches Pärchen im Turboschritt überholt uns. Nicht lange und wir haben sie beim Klamottenwechseln wieder eingeholt. Vor uns ragen Landzungen ins Meer, dazwischen die Häuser von Corniglia und ganz hinten ein paar Häuser von Riomaggiore. Feigenkakteen an der Steilwand. An einem Aussichtspunkt ist es Zeit für eine Vesperpause; wir trinken den Rest des Cinque-Terre-Weins, essen den Käse und den Schinken auf. Hinter den nächsten Felsrippe bietet sich der unvergleichliche Anblick auf das malerische Vernazza.

Blick von Vernazza Richtung Westen

Auf einer kleinen Halbinsel drängen sich Häuser und die Burgtürme, wir sehen bunte Sonnenschirme, farbige Fischerboote im Hafen, die Kirche mit dem schönen Glockenturm. Eine blühende Bougainvillea setzt der Aussichts-Euphorie die Krone auf: blütenumkränzter Ausblick!!

Vernazza, das bekannteste der Cinque-terre-Orte

Noch ein paar Dutzend Stufen hinunter, durch enge Gassen hindurch, Katzen liegen dösend an der Hausecke, lassen sich ablichten wie verwöhnte Fotomodels.
Auf der kleinen Piazza am Hafen ist wie immer viel los; die Cafés haben geöffnet, es gibt kaum mehr freie Plätze, jeder versucht hier auf die angenehmste Weise ein wenig Sonne zu tanken. Bunte Hausfassaden, dunkelgrüne Fensterläden, Wäsche flattert.

Ein duftendes Eis in Vernazza. - Foto: Helmut Eßlinger

Kurz in die nächste Gelateria und schon beginnt auch für uns der Genuß! Dann noch ein Cappuchino ganz vorne am Café an der Hafenmole. Und schließlich ein Bummel für Genießer entlang der Hafenmauer. Bunte Boote schaukeln im geschützten Hafen, Kinder kreischen am Strand bei der Kirche, ab und zu saust hinter der Kirche einen Zug vorbei. Das Personenschiff, das entlang der fünf Orte regelmäßig verkehrt – das haben wir von oben verfolgen können – hat einen vergeblichen Versuch gemacht, an der Landebrücke festzumachen. Die Wellen sind aber so heftig, dass es den Versuch bald aufgegeben, umgedreht und weitergefahren ist. Immer wieder fegen besonders hohe Wellen mit Wucht über den Anleger, peitscht das Meer den Schaum zu sprühenden Nebeln hoch.

Gefährlich: Die Brandung kann die Schwimmer gegen die Mole schmettern

Junge englische Touristen springen mutig in die Wellentäler und lassen sich von den wuchtigen Wogen wieder auf die Plattform des Anlegers hinaufspülen. Sieht sehr gefährlich aus. Und schon bald humpelt einer von ihnen nach hinten.
Gegen 18 Uhr machen wir uns auf zum Bahnhof, besorgen uns ein Ticket, trinken noch ein Gläschen Wein und verlassen Vernazza voller bunter, lebhafter Urlaubseindrücke.

Abend in Sestri Levante

Den Abend verbringen wir in Sestri Levante, in einer Pizzeria lassen wir uns nochmal die Acciughe schmecken, dann Nudeln Gorbatschow (mit einer würzigen Wodka-Soße), bummeln durch die reizvolle Altstadt, genießen einen Espresso in einer kleinen Bar und lassen den letzten Tag unserer Wandertour ausklingen. Der Reisebericht geht langsam zu Ende…

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