Istrien-Radreise (2. Tag, Sonntag 15. April 2007)                                1 | 2 | 3
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Eine Fahrt in den Süden Istriens steht heute auf dem Programm. Die drei Gruppen wollen fast ähnliche Strecken zurücklegen, teilweise mit unterschiedlichem Tempo oder zusätzlichen „Schlenkern“. Nach einem reichhaltigen Frühstück stehen alle Punkt neun Uhr vor dem Hotel Rubin zur Abfahrt bereit.

Treffpunkt Hoteleingang. Gleich gehts los. - Foto: Erich Kimmich

Nach Süden führt die Straße über Puntica und Funtana bis Vrsar (Orsar; von Ursus = der Bär). Hier führt uns Achim hinauf ins Dörfchen mit den schönen, engen Gassen. Hinter der großen Kirche steht ein dicker Baum und es bietet sich ein ausgezeichnetes Panorama auf den Bootshafen und zahlreiche vorgelagerte, bewaldete Insel und Inselchen.

  • Das ehemalige Fischerdorf Vrsar (2.700 Einwohner) hat sich zu einem wichtigen Ferienzentrum entwickelt. Die lange touristische Tradition reicht bis zu den Sommerresidenzen der Porečer Bischöfe. Eine Besonderheit ist die Zweiteilung der Stadt in die Uferpromenade und die hügelige Altstadt auf der anderen Seite. Das Leben scheint sich nur am Uferbereich abzuspielen, während die Altstadt einen Eindruck wie vor 50 Jahren macht. Relikte alter Villen und Mosaikfunde zeugen von der prägenden Römerzeit. Im Mittelalter wurde die Stadt von einer Stadtmauer umgeben, von der die beiden Stadttore noch am besten erhalten sind. Auch das Kastell und eine frühchristliche Basilika zeugen noch von dieser Zeit.

Aussichtspunkt in Vrsar. - Foto: Erich Kimmich

Blumen zeigen ihre bunten Blüten, die Stimmung ist ausgezeichnet. Einheimische gehen zur Kirche, die Bäckerei hat geöffnet. Wir genießen die Aussicht ausgiebig und lassen die anderen Gruppen schon mal abfahren.

Steinerner Radlerkollege. - Foto: Erich Kimmich

Franziska hat einen steinernen Mitradler gefunden. Steil geht es enge Gässchen hinunter und wir stehen am Hafen und bewundern die blankgeputzten Yachten, die in Reih und Glied hier vor Anker liegen.

Hafen von Vrsar. - Foto: Erich Kimmich

Gleich hinterm Hafen steigt die Straße schon wieder an. Das bedeutet auch einen prima Blick zurück auf das alte Städtchen.

Panoramablick auf Vrsar. - Foto: Erich Kimmich

Nur wenig Sonntags-Verkehr herrscht auf der Straße nach Flengi. Im Örtchen Gradina stehen vor allen Gasthäusern drehende Spanferkel, unter denen ein Holzkohlefeuer brennt. Würzige Duftschwaden wehen uns entgegen, erste Hungergefühle formieren sich im Gehirn.

Ein fröhlicher Anstieg. - Foto: Erich Kimmich

Hinter Klostar treffen wir auf die Fernverbindung Richtung Pula und nutzen zwei schöne Aussichtspunkte, um den Limski Kanal zu bewundern, der tief unten sich wie ein langgezogener blauer See zwischen das Grün der Gebirgsrücken eingegraben hat.

  • Der Limski Kanal wird oft als schönster kroatischer Fjord bezeichnet, obwohl es eigentlich eine Bucht ist. Vor ca. 10 000 Jahren versank die 25 km lange Karstschlucht Limski draga im Meer. Heute reicht die Limski Bucht (kroat. Limski zaljev) fast 12 km in die unberührte, wilde Karstlandschaft. Aus dem Landesinneren trifft das Frischwasser des Lim-Baches auf das eindringende Meerwasser und bietet z.B. für Austern hervorragende Zuchtmöglichkeiten.

Blick hinab in den Limski Fjord. - Foto: Erich Kimmich

Andenkenbuden allerorten: es gibt Grappa in den verschiedensten Flaschen, Lavendelprodukte, Honig, Postkarten und was der Tourist sonst noch alles kaufen soll.

Souvenirs, Souvenirs... - Foto: Erich Kimmich

Noch ein Blick hinunter auf den kleinen Limski-Hafen mit dem Gasthaus und schon brettern wir mit rasantem Tempo hinab in den Fjord, vorbei an weißen Felstürmen, biegen unten in die Zufahrtstraße. Schon sind wir am Café-Restaurant angekommen, wo wir die anderen Gruppen treffen. Betty aus Karlsruhe beschließt, die Gruppe zu wechseln. Alle trinken kräftigen Cappuchino oder Wasser, genießen den halbschattigen Sitzplatz mit dem Blick auf den Kanal, die Verkaufsbuden und die aus dem ankommenden Booten strömenden Touristen.
Und schon gehts wieder weiter und nun mit 7 % Steigung – im Halbschatten – den Berg hinauf.

Anstieg aus dem Limskital heraus. - Foto: Erich Kimmich

Treten, Treten, Treten und nicht nachlassen. Je höher wir kommen, desto offener wird der Blick, treten weiße Kirchtürme auf fernen Anhöhen ins Bild. Jeder fährt in seinem Tempo die gut 100 Höhenmeter hinauf. Alle treffen sich bei einer Tankstelle wieder. Kurz darauf biegen wir links ab Richtung Kanfanar. Die Strecke ist nur noch leicht wellig, wir sind jetzt auf der karstigen Hochebene. Wir queren die neu erbaute Autobahn. Die Blumenfelder am Wegesrand wechseln ihre Farbe: erst die blauen Flecken verblühender Traubenhyazinthen, dann wieder an wärmeren Standorten das Rosaviolett des Thymians, dazwischen das Gelb des Zwergginsters. Heftig zieht sich die Strecke bergan nach Kanfanar (281 m). Doch warum steigt Susanne vom Rad? Nein, sie hat herrliche Orchideen am Straßenrand erspäht! Ähnlich dem Knabenkraut, doch viel dicker, üppiger und großblütiger. Drei Pflanzen blühen hier in einer unwahrscheinlichen Schönheit.

Orchideen am Straßenrand. - Foto: Erich Kimmich

In Kanfanar – es ist genau 13 Uhr – haben wir Mittagessen vorbestellt. Im schönen Biergarten des Restaurants „Lipi i Grdi“ sitzen wir unter gelben Sonnenschirmen neben alten Kastanienbäumen, genießen ein zischendes Radler und die schmackhaften istrischen Gerichte.

Im Restaurant Lipi i Grdi in Kanfanar. - Foto: Erich Kimmich

Mein Chef-Salat mit Streifen aus Schinkenspeck schmeckt ausgezeichnet, das Istrische Schnitzel (eine Art Cordon bleu) mit würzigen Kartoffeln und einer Pilz-Rahmsoße mundet ausgezeichnet. Wir verlieren Zeit, weil recht umständlich einzeln abgerechnet wird und die Bedienung nach jedem Berechnungsvorgang ins Haus läuft, um das Geld bzw. Wechselgeld zu holen.

Chefsalat! - Foto: Erich Kimmich

  • Kanfanar existierte zur gleichen Zeit wie Dvigrad. Der Ort wurde erst Anfang des 18. Jahrhundert zur Gemeinde, nachdem Dvigrad verlassen wurde und die Geistlichen und die Verwaltung ihren Sitz nach Kanfanar verlegten.

Um 15 Uhr starten wir wieder – und werden gleich gebremst von einem Zug, auf den wir hinter der Schranke lange warten müssen. An einem alten außerhalb gelegenen Friedhof vorbei führt uns ein kleines Sträßchen hinunter in eine tiefe Schlucht. Das einst sehr mächtige Dvigrad, die einzige Schluchtstadt Istriens, wurde 1630 während einer Pestepidemie verlassen, nur die efeubewachsenen Ruinen sind zurückgeblieben.
Polizeifahrzeuge stehen an einer Stelle der kurvigen Abfahrt, an der offenbar unmittelbar vor unserer Durchfahrt ein Rennradler tödlich verunglückt ist.

Dvigrad. - Foto: Erich Kimmich

Nach Dvigrad führt die Straße durch eine idyllische Senke, vorbei an einer kleinen Kapelle. Friedliche Natur überall, hoch oben die Felsgrate der ehemaligen Burgfeste. Nach der Abfahrt folgt nun der Anstieg auf der gegenüberliegenden Talflanke.

Hermann und Heike beim Aufstieg. - Foto: E. Kimmich

Auf der Hochebene führt das kleine Strässchen durch kleine Weiler und dann durch das Örtchen Barat. Mal gehts ein wenig rauf, dann wieder ein wenig bergab, kaum mal überholt uns ein Auto. Das pure Idyll! Doch in Selina muss eine Familienfeier zu Ende gegangen sein. Urplötzlich wimmelt es auf demselben ruhigen Strässchen von Autos, die in Gruppen sich an uns vorbeihupen. Ab Marčiči geht es flott voran, wir fahren stracks durch das herrliche Sveti Lovreč mit seiner großen Kirche und einer umfassenden Stadtmauer und haben nach weiteren sechs Kilometern und einem flotten Tempo in Zbandaj die Zubringerstraße nach Porec erreicht. Ein Großteil der Gruppe beschließt einen verkehrsarmen, 24 km langen „Schlenker“ nach Norden zu fahren.
Heike und Erich fahren flott auf dem Zubringer ins Hotel nach Porec zurück: Das Bad im Meer ruft! Heute ist es recht kühl. Dennoch: das Element Wasser hat einfach noch gefehlt. 68 km zeigt der Zähler heute an. Das Maximaltempo von 48,5 km/h war natürlich bei der Abfahrt in den Limski-Fjord, klar.

Dessertauswahl (Ausschnitt). - Foto: Erich Kimmich

Schon bald ist es 19 Uhr und wir genießen wieder das opulente Abendbüfett mit Salaten, Fleisch, Fisch, Suppen, Pizza, Dessertvariationen (Foto) und Getränken nach Herzenslust. Die Fahrräder haben wir bereits in den Bus verstaut, denn morgen gehts schon um 8.30 Uhr los in Richtung Südost.

Tourdaten: 68 km, Durchschnitt 17,4 km/h;  3:51 Stunden reine Fahrzeit. Maximaltempo 48,5 kmh

Und hier ist die Strecke als digitale Karte. Vielen Dank an Achim!!

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