Istrien-Radreise (3. Tag, Montag 16. April 2007)                               2 | 3 | 4
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Heute setzen wir den Bus ein zu einer Fahrt nach Pazin im Osten der istrischen Halbinsel. Gegen zehn Uhr treffen wir dort am Bahnhof ein, können im Supermarkt nebenan unsere Bananen- und Wasservorräte auffüllen. Noch ein kleines Stück weiter lassen wir uns chauffieren. Im kleinen Weiler Novaki Pazinski heißt es dann endgültig aussteigen. Die mittlere Gruppe mit Achim hat heute wohl die meisten Teilnehmer.

Anstiege im Hinterland. - Foto: Erich Kimmich

In einer sanft hügeligen, lieblichen Landschaft, unterbrochen nur durch kleine Weiler oder Einzelgehöfte, verlassen wir vor Cerovlje die Durchgangsstraße und folgen dem kleinen Sträßchen parallel zur Bahnlinie. Beim Dörfchen Borut geht es dann langsam aus dem Tal heraus. Und dabei gibt es immer wieder einigermaßen kurze, aber heftige Anstiege. Mal unterqueren wir die neue Autobahn, mal sind wir ganz abseits und hörten nur noch das Rauschen des Windes in den Kiefernwäldern. Der Blick reicht nach Osten, wo wir immer wieder das hoch aufragende Karstmassiv des Cicerija-Gebirges mit bis 1100 Meter hoch aufragenden Höhenzügen sehen. Gelber Ginster und zartgrüne Blätter an Hecken und Bäumen und eine enorme Blütenvielfalt am Wegensrand sind die bunten Zutaten dieses Landschafts-Menüs. Über den Weiler Erkovčici und viele heftige Anstiege erreichen wir unser erstes Tagesziel: das kleine Städtchen Hum.

Idyllische Ecke in Hum. - Foto: Erich Kimmich

Das mittelalterliche Städtchen auf dem grünen Hügel wurde bereits im 11. Jahrhundert unter dem Namen Chlom erwähnt und gehört wie Roc zu den Zentren der glagolitischen Schriftkultur. Ein Rundgang durch die kleinen Gässchen in diesem Ministädtchen ist eine wahre Augenweide. Nur den ersehnten Cappuchino gabs nicht: Das einzige Lokal war Montags geschlossen. Hum ist angeblich die kleinste Stadt der Welt mit angeblich nur noch drei Bewohnern. Kein Wunder, dass Montags geschlossen ist… Vor etlichen Häusern stehen Schilder, die den berühmten aus Misteln destillierten Biska-Pfarrerschnaps anbieten.

  • Hum zählt zu den außergewöhnlichsten Städten Istriens. Hum wird in Reiseführern gemeinsam mit der Stadt Roc vorgestellt. Die beiden Städte Hum und Roc verbindet die landschaftlich und kulturell einmalige Gedenkallee der Glagoliter. In beiden Städten wurde die glagolitische Schrift als Ausdruck der slawischen Nationalkultur bis heute festgehalten. Roc ist mit seinen ca. 170 Einwohnern bereits sehr klein, aber Hum mit 23 Einwohnern steht im Guinessbuch der Rekorde als die Kleinste Stadt der Welt. Diesen Titel verdankt Hum vor allem seiner Miniaturgröße, Architektur und Anordnung. Erstmals wurde Hum 1102 unter dem Namen Castrum Cholm erwähnt, wird es heute von dem 22 m hohen wuchtigen Glockenturm aus dem 15. Jh. dominiert. Das Gesicht des Ortes hat sich seit 1000 Jahren kaum verändert. Der Name „Hum“ bedeutet Hügelchen. Eine Blütezeit erlebte Hum während der Herrschaft Venedigs im 16. Jahrhundert – als Verwaltungs-, Kultur- und Wirtschaftszentrum.

Entlang der Aleja Glagoljasa (Glagoliter-Allee) geht es flott bergab bis Brnobiči. Hier stehen zehn moderne steinerne Monumente – die sich auch prima als Motiv für ein Gruppenfoto eignen.

Gruppenbild am Glagoliter-Denkmal.

Schon können wir oben auf einem Hochplateau das Dörfchen Roc sehen, das wir gegen 13 Uhr nach einem heftigen Anstieg erreichen. Das Städtchen, das schon im 6. Jahrhundert besiedelt war, ist von einer eindrucksvollen Stadtmauer umgeben. Auch hier kein Cappuchino – montags haben wohl alle Cafés ihren Ruhetag. Stadttor, Kirche, spielende Schulkinder…. Wir treffen hier die Gruppe von Angelika.
Bei der rasanten Abfahrt hätte es Harald aus München beinahe erwischt: Plötzlich war ein bergauffahrendes Auto vor ihm, er musste bremsen und schlingerte, konnte sein Rad aber noch nach rechts bringen und im letzten Moment ausweichen. Uff!
Noch acht Kilometer ist es bis nach Buzet, dem Hauptort des istrischen Trüffels. Schon von weitem können wir den markanten 160 m hochragenden Berghügel sehen, auf dem die alten Häuser dicht an dicht gedrängt wie aus einem Vogelnest herabschauen. Erstmal wieder eine langgezogene Abfahrt, bei der ich sogar einen „lahmen“ Laster überhole.

Buzet - Foto: Erich Kimmich

Klar dass wir unten im Tal, in Buzets Neustadt angekommen auch gleich das Sträßchen hinauf ansteuerten. Endlich oben, finden wir ein offenes Café, das aber dermaßen intensiv von der Sonne bestrahlt wird, dass wir dort lieber nicht einkehren möchten. Ein Blick durch die verwinkelten Gässchen der Altstadt, ein Foto von der bunt behängten Wäscheleine vor einem der Häuser und ein Blick in die Kirche – und schon gehts wieder abwärts. Im kleinen Café unten bei der Brücke kommen wir dann endlich zu dem ersehnten Cappu, zur Limo oder zum Cremekuchenstückchen.

Aufstieg hinter Buzet. - Foto: Erich Kimmich

So dermaßen gut erholt ist es nur noch halb so anstrengend, die vielen Serpentinen hinaufzufahren über Marinci bis Prodani. Da kommen Höhenmeter zusammen!


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Ab Prodani zieht sich die wenig befahrene Straße auf der Höhe des breiten Bergrückens leicht weiter bergauf. Auf beiden Seiten wird ein weiter Blick frei: Links hinüber nach Roc und Hum und die weißen Kalkfelsen des Cicerija-Gebirges, rechts Richtung Süden bis weiter hinter den See Jezero Butoniga im Gegenlicht.

Graguc - Foto: Erich Kimmich

Ein Bergdorf am Horizont mit dem typischen Kirchturm, hier die Weiler Osliči, Sveti Rok, Draguc weit hinten am Horizont in Richtung Slowenien wieder ein Bergdorf und über allem die strahlende Sonne und der blaue Himmel. Ein überwältigendes Gefühl – vor allem bei den kilometerlangen Abfahrten hinab nach Cerovlje. Drei Kilometer bis Novaki Pazinski und nochmal sechs bis nach Pazin.
Da kommt es uns dann grade recht, dass der Bus noch nicht da ist und der Supermarkt herrliche istrische Kartoffelchips und Erdnüsse der Firma Franck anbietet. Und dazu ein quellfrisches Jana-Wasser oder ein einheimisches Bier! Wie das zischt!
Räder einpacken, Rückfahrt nach Poreč, duschen, umziehen und ab in den Speisesaal. Das Schlaraffenland wartet – heute mit wechselnden Gerichten: dutzende verschiedener Salate, frisch gebratene Drachenkopf-Fische, Seeteufel, gegrillte Leber, Pizza, Gemüse aller Art und ein feiner Nachtisch… Wein, Bier, Café! Und dazu ein fulminanter Sonnenuntergang über dem Meer.

Tourdaten: 1100 Höhenmeter sollen heute zusammengekommen sein, ca. 69 km Fahrtstrecke, mein Durchschnitt lag bei 16,7 kmh (das ist angesichts der vielen Bergetappen ganz gut); die reine Fahrzeit lag bei etwa 4:07 Stunden. Die Maximalgeschwindigkeit bei der Abfahrt nach Buzet war 57 kmh (als ich den lahmen Laster überholt habe).

Und hier ist die Strecke als digitale Karte. Vielen Dank an Achim!!

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