Istrien-Radreise (4. Tag, Dienstag 17. April 2007)                       3 | 4 | 5
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Heute bringt uns der Bus über Baderna bis etwa Portoportone. Nach dem Ausladen ziehen wir einer hinter dem andern los in Richtung Motovun. Achim fährt vorneweg und gibt das Tempo vor: 22 kmh, später 24 kmh. Der Himmel strahlt blau, die Sonne scheint, kaum Wind. Rechts das Flusstal der Mirna, der wir am späten Nachmittag nochmals begegnen werden. An manchen Stellen hören wir Frösche im Konzert quaken, rechts zieht ein Schäfer mit seiner Herde dem Tal entlang. Gut zehn Kilometer legen wir derart flott als lange Radler-Perlenschnur zurück, dann sind wir in Livade, wo bereits die Radler aus der schnellen Truppe eingekauft haben. Ab hier beginnt eine etwa 6 km lange Bergstrecke, die es in sich hat: An der voll besonnten Bergflanke geht es in Serpentinen hinauf, 10 % dürften das wohl schon sein. Eine Rennradler-Mannschaft aus Hallein in Österreich zieht locker im Wiegetritt an uns vorbei. Je höher wir kommen desto
reizvoller werden die Ausblicke auf das gegenüberliegende Bergstädtchen Motovun, das wir heute ausgespart lassen. Endlich, endlich sind die ersten auf dem kleinen Paß vor Oprtalj angekommen.

Kaffeepause in Oprtalj. - Foto: Erich Kimmich

Wir beschließen, nicht lange auf den Rest zu warten, sondern sausen rüber ins Örtchen, wo wir das zweite Café neben dem schönen Lapidarium offen vorfinden. Gleich mal für jeden einen Cappuchino bestellt. Franziska hat heute Geburtstag und bekommt von Heinrich eine große Kastanienblütenkerze überreicht. Peu à peu kommen die restlichen Radler hinzu; wir schlürfen inzwischen am zweiten Cappu und lassen uns vor dem Café als immer größer werdende Cappu-Truppe fotografieren. Die Stimmung ist ausgezeichnet, vergessen sind die Strapazen des Anstiegs.

  • Oprtalj wurde erstmals im Jahre 1115 erwähnt. Im Mittelalter war die Stadt Sitz verschiedener Feudalherren. Anfang des 19. Jahrhunderts von den Venezianern besetzt, war es bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts unter französischer, österreichischer und italienischer Herrschaft. 1993 erhielt Oprtalj den Status einer Gemeinde. Das Dorf liegt auf einem ca. 380 Meter hohen Hügel. Auf einer Fläche von 70 km² stellt die Gemeinde Oprtalj mit 1100 Einwohnern eine der am schwächsten besiedelten Gemeinden Istriens dar. Das milde mediterrane Klima, viel Sonne und die Anhöhe von Zrenj lassen Wein, Obst und Oliven gut gedeihen. Die Gegend um Oprtalj ist besonders für Ihren Trüffelreichtum bekannt. Weiters bietet das an Fauna und Flora reiche Gebiet gute Jagdmöglichkeiten.

Alte Stadttore, verfallenes Gemäuer, blühende Mandelbäume und eine prachtvolle Aussicht. Dann geht die Fahrt weiter, jetzt oben auf der Hochebene, durch eine mit Lebensbäumen bestandene Allee, die den Weg zur kleinen Kapelle am Ortsrand zu einer Wallfahrt verwandelt.

Karin hat den Anstieg geschafft!

Die Strecke zieht sich elegant, mal auf, mal ab durch Wiesen und Wälder. Es macht Spaß, sich in dieser sommerlichen Idylle zu bewegen. Die Gruppe bleibt homogen beisammen und legt ein gutes Tempo vor. Nach etwa 4 km erreichen wir den Weiler Sterna, wo uns Heinrich abhanden kommt. Er ist vermutlich weiter gradeaus gefahren, während wir Richtung Martincici links abbiegen wollen. Alles Warten und Suchen bleibt vergebens und so fahren wir ohne ihn weiter.

Anstieg vor Groznjan: Richard, Dagmer, Hermann

Nach einigen kurzen aber heftigen Anstiegen erreichen wir das Künstlerstädtchen Grožnjan hoch oben auf einem Felsplateau. Pause ist angesagt, wir stellen die Räder neben der großen Kirche ab und bummeln durch die Gässchen und bewundern die teilweise sehr liebevoll restaurierten Häuser, Eingänge, Tore.

  • Grožnjan liegt 288 m über dem Meeresspiegel auf einem Bergrücken oberhalb des Mirnatales. In geschichtlichen Aufzeichnungen wird Grožnjan das erste Mal um 1100 als Besitztum der Aquilea Patriarchen erwähnt. Im 14. Jahrhundert wurde es von den Venezianern aufgebaut. Ca. 190 Einwohner zählt heute das kleine mittelalterliche Dorf. Sehenswert, gleich hinter dem Ortstor, sind die alte Stadtloggia (1587) aus der Renaissance, die Pfarrkirche Maria und Vitus aus dem Jahre 1770. Der Tourismus entwickelte sich seit 1965. Grožnjan, einst dem Verfall preisgegeben, entwickelte sich zu einer Künstlerkolonie. In den verlassenen Häusern entstanden Künstlerateliers und Galerien. Grožnjan ist heute ein ansehnliches Örtchen geworden. Vornehmlich von Juni bis August versammeln sich in Grožnjan junge Musiker aus aller Welt. Im Ort finden jedes Jahr Kurse, Musiktage, Workshops für einzelne Instrumente (Violine, Violoncello, Viola, Klavier, Orgel u.a.) und Jazzkonzerte mit Künstlern aus vielen Ländern — auch aus Übersee — statt. Von Grožnjan hat man einen Blick auf Motovun, die Ucka und ins weite Mirnatal. Am Fuße von Grožnjan, am Fluss Mirna, befindet sich der ehemalige Hafen Bastia. Bis zu dieser Stelle war die Mirna einst schiffbar. Hier an dieser Stelle befindet sich die kleine Kirche der Muttergottes aus dem 15. Jahrhundert.

Hausfassade in Groznjan. - Foto: Erich Kimmich

In einer Konoba (Gasthaus) setzen wir uns unter die gelben Sonnenschirme unter der alten Kastanie, genießen ein erfrischendes Pivo (Bier) und genießen den Blick auf den in gleißendes Sonnenlicht getauchten Platz und die Häuserfassaden rundum.
Noch ein Bummel zurück zu den Rädern und gegen 14 Uhr fahren wir wieder los, es läuft flott und bald sehen wir das Städtchen Buje hoch oben auf 222 Meter thronen, die „Wacht Istriens“ mit einer fantastischen Aussicht auf das slowenisch-istrische Grenzgebiet.

Buje: Campanile und Kirche. Foto: Erich Kimmich
Buje: Pfarrkirche Sant Servola aus dem 16. Jahrhundert

Diesen Blick haben wir vom höchsten Punkt Bujes, hinter dem hohen Campanile mit seinem Markuslöwen. Wer gute Augen hat, kann ganz hinten Schneeberge ausmachen, Ausläufer der gut 100 Kilometer entfernten Julischen Alpen in Slowenien mit Höhen bis ca. 2.750 m. Wir genießen den Gang durch die Altstadtgässchen der 5000-Einwohner-Gemeinde und holen dann die anderen im Café an der zentralen Kreuzung ab. Nun schießen wir hinunter in Richtung Umag, Brtonigla, doch schon geht es wieder steil bergauf, auf diesem ruppigen Belag, den man offenbar extra so hergerichtet hat, damit es an dieser Steilstrecke bei Regen und im Winter nicht allzu glatt wird. Über Nova Vas und Buzinia erreichen wir flott und überwiegend abwärts das Meeresstädtchen Novigrad, das auf einer halbinselförmigen Landzunge liegt. Bewaffnet mit einer Waffel Eis (Kugel zu 55 Cent) spazieren wir zu Fuß durch die Gässchen, vorbei an dem riesigen Campanile mit der Engelsfigur auf der Spitze bis hinaus zur Mole und schließen den Entdeckerweg mit einem Cappu am Hafen ab. Nun ist es schon halb fünf und es heißt abdüsen Richtung Hotel. Nach wengen Kilometern überqueren wir vor Tar das Mündungsgebiet der Mirna über einen Damm mit Zugbrücke. Im folgenden bleiben wir auf der Verbindungsstraße nach Poreč, die recht stark befahren ist. Das bietet eben auch den Vorzug, rasch voran zu kommen. Vorbei an Olivenhainen und frisch in die rote Erde gepflügten Äckern geht es zügig voran und gegen 18 Uhr das Hotel.

Die rote Erde Istriens. - Foto: Erich Kimmich

Das Abendessen wird wieder die reine Freude, heute gibt es erstmals Cevapčiči, der Fisch ist wieder pefekt, aber auch die zarten Gemüsevariationen und der vielfältige Nachtisch. Abends stellen uns die Tourenleiter das morgige Programm vor: Die römische Stadt Pula ist dann unser Ziel.

Bilanz des Tages: 75 km, Durchschnitt auf 19,4 kmh gesteigert, 3:53 Stunden reine Fahrzeit, 50,4 kmh max und mal wieder diverse Höhenmeter.

Die Strecke dieses Tages gibt es hier in GoogleMaps. Dank an Achim für den Track!

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