Oder: „Vrdammt holprig und stoinig heit!“
Istrien-Radreise (5. Tag, Mittwoch 18. April 2007)                     4 | 5 | 6
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9 Uhr. Rovinj (Rovigno) und Pula sind unsere heutigen Ziele. Der Himmel zeigt sich zum ersten Mal bedeckt. Aber es sieht nicht nach Regen aus und so sind wir grade mal eine Schicht mehr bekleidet als sonst. Achims Gruppe hat sich den kompletten Weg nach Pula vorgenommen. Aus Poreč geht es über Flengi und Klostar zum Limfjord. Karin kauft sich zwei Honigpräsente, die Dame in der Verkaufsbude lässt Richard einen Likör probieren und lobt Propolis und all ihre anderen Produkte. Dann sausen wir wieder in den Limfjord hinunter – und gleich auf der anderen Seite wieder hinauf. Die ganze Zeit fliegen zwei Düsenjäger am Himmel, als ob sie sich jagen wollten, immer in großen Kreisen hintereinander her und uns mit Lärm berieselnd.

Unterhalb der Tankstelle nach dem Limfjord-Aufstieg, die wir ja schon kennen, biegen wir ab nach Rovinjsko Selo. Bunte Blumenteppiche in rosa, gelb und violett wechseln sich am Wegesrand ab. Gegen 11.20 Uhr erreichen wir die Stadt Rovinj mit der auf einem eindrucksvollen Felsen erbauten Kirche. Allgemeines Fotoshooting.

Rovinj-Gruppenbild. Foto: Erich Kimmich

Und gleich noch ein gemeinsames Gruppenbild. Dann fahren wir erstmal weiter in die Innenstadt. Neben dem Tourist Office parken wir die Räder und machen uns zu Fuß auf in die Altstadt. Erst durch enge Gässchen, dann an der Uferpromenade entlang, ansteigend bis hoch zur Kirche. Hier treffen wir auf Eberhards schnelle Radelgruppe – und Heerscharen sachsen-anhaltiner Senioren.

  • Urkundlich wird sie erstmals im 7. Jh. als „Ruigno“ und „Rovignio“ erwähnt. 788 wurde sie Teil des fränkischen Reiches, wonach einige Machtwechsel erfolgten, bis sie 1283 an Venedig fiel. Diese Epoche prägte Rovinj als Stadt am meisten. Wie alle anderen istrischen Städte gehörte Rovinj ab 1797 zu Österreich-Ungarn. Vom Ersten Weltkrieg bis 1945 schließlich, stand sie das letzte Mal unter Fremdherrschaft (1920 – 1943 italienisch, 1943 – 1945 deutsch), ab 1945 zu Kroatien und Jugoslawien. 1963 wurde Rovinj zum Kulturdenkmal erklärt.

Kleine Gässchen und Treppchen führen auf aalglatten Pflastersteinen hinunter. Künstler stellen ihre Gemälde aus, Souvenirhändler bieten das gesamte Spektrum von Kitsch bis Postkarten an. Die Kirchenglocken schlagen 12 Uhr. In einem Seitengässchen tummeln sich Katzen neben Ölgemälden. Durch ein kleines Tor gelangen wir wieder auf den Hauptplatz. In einem der vielen Cafés am Hafen genießen wir einen Cappuchino, Hermann hat sich einen Erdbeer-Eisbecher bestellt.

Auf einem der Boote ordnet ein Fischer sein großes Netz; ein Mann trägt eine große Matratze auf dem Rücken quer durch die Touristenströme. Überall stehen Souvenirshops. Von der gegenüberliegenden Seite des Hafens ergibt sich ein postkartenreifer Blick über die blaue Wasserfläche, die Häuser, Restaurants und Cafés bis hinauf zum weißen Kirchturm mit der Engelsfigur auf seiner Spitze.

Hafen von Rovinj. - Foto: Erich Kimmich
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Noch ist Zeit für einen weiteren Cappuchino und um 12.50 Uhr starten wir rund um den Hafen weiter nach Süden. Nochmals ergeben sich traumhafte Foto-Stopps. Hanni aus Bremen, der sich hier auskennt, führt uns entlang des Hafens auf eine Mountainbikestrecke entlang der Küste Richtung Polari. Doch erst mal ein Stopp: Richard hat eine der Schrauben verloren, die die Klickvorrichtung an der Schuhsohle fixieren. Über schräge Felsplatten, parkartige Strandanlagen und geschotterte Wege führt der Pfad entlang der Küste.
Einige Kilometer weiter – wir haben auf Schotterwegen etliche Ferienkolonien durchquert – stellt sich die Frage, wie wir auf die Straße nach Bale kommen. Ein Herr im Rot-Kreuz-Fahrzeug gibt uns Auskunft. Auf grob geschotterten Pisten mit weißen Kalksteinbrocken übersät fahren wir im Zickzack zwischen Schlaglöchern und Steinen – und zunehmend genervt. Wer ein Mountainbike dabei hat, für den ist die Strecke ein echtes Eldorado. Alle anderen werden samt Rad und Gepäck kräftig durchgerüttelt.

Eingestaubt im Kalkschotterweg...

Ab einer Steinbruchzufahrt ist der Weg links und rechts so verstaubt, dass Pflanzen und Bäume weiß wie Schnee aussehen. In der hellen Sonne kann man nicht mal alle Schlaglöcher auf dem weißen Kalkbelag erkennen. Hanni hat aus dem Nichts eine Dose Pivo hervorgezaubert, Karin verteilt Gummibären. Noch eine ganze Strecke lang geht es auf der Rüttelpiste, bevor wir endlich auf die Hauptstraße treffen und nach flotter Fahrt in Bale erstmal in der Pizzeria Toni eine erholsame Pause einlegen. 15 Uhr ist es mittlerweile geworden, Pula liegt noch gut 25 km vor uns.

Frisch gestärkt legen wir nun auf der E751 ein flotteres Tempo vor, fahren im Dreierpack auf Windschatten. Hinter Vodnjan ziehen Hanni und Harald dann richtig los, während die anderen langsamer nachkommen. Inzwischen ist es sonniger geworden, die meisten Wolken haben sich aufgelöst. Und endlich erreichen wir den Ortsrand der großen Stadt Pula. Am Hafen sehen wir den Hassler-Bus stehen – 17 Uhr ist es schon.

  • Pula ist mit 82.000 Einwohnern die größte Stadt der Halbinsel Istrien. Die frühesten Spuren einer Besiedlung wurden wohl vor ca. 35.000 Jahren hinterlassen. Die Histrer, ein illyrischer Volksstamm, errichteten um 1700 v. Chr. erste Befestigungen ungefähr beim heutigen Kastell. Pula taucht auch in griechischen Legenden unter dem namen „Polai“ (Flüchtlinge) auf. Die Histrer wurden dann 177 v. Chr. durch römische Truppen besiegt und ca. 100 Jahre später erhielt das heutige Pula den Status einer römischen Kolonie.
    Das bedeutendste und auffälligste Erbe der Römerzeit ist sicherlich das berühmte Amphitheater, das gut erhalten ist. Nach dem Ende der römischen Herrschaft im Jahre 476, gehörte Pula zum Gebiet von Ravenna, bis 788 das Frankenreich die Kontrolle übernahm. Bis 1331 dauerte diese Epoche, in der unter anderem der Hafen weiter ausgebaut wurde.
    Danach gehörte Pula bis 1797 zu Venedig und wurde mehr oder weniger ausgebeutet.
    In der Zeit Österreich- Ungarns war die Stadt der Marinehafen der Monarchie. Es waren neben den U-Booten der Österreichisch-Ungarischen Kriegsmarine auch die der deutschen Kriegsmarine hier stationiert. Pula ist der Endpunkt des Radweges EuroVelo 9, der von Danzig an der Ostsee aus durch Polen, Tschechien, Österreich, Slowenien und Kroatien verläuft.

Wenigstens das Wahrzeichen Pulas, das riesige Amphitheater aus der Römerzeit, wollen wir uns noch kurz anschauen. Es hat eine Größe von 133×105 Metern, bot etwa 23.000 Menschen Platz und ist damit eines der größten von den Römern erbauten Amphitheatern.Die Römer-Arena von Pula. - Foto: Erich Kimmich

Dann ist auch ein rascher Gang durch die nette Innenstadt noch möglich. Zunächst mit einem Kiwi-Eis ausgestattet, kommen wir zum römischen Triumphbogen Porta Herculea am Eingang in die Altstadt. Er ist das älteste Bauwerk Pulas (1. Jh. v. Chr.). Ein Stück später treffen wir auf dem Forum (Platz der Republik) – und nun mit einem Pistazien-Eis ausgerüstet – auf den römischen Augustustempel mit den typischen Säulen. Er ist 17 Meter lang, nur etwa 6 Meter breit. Als Kaiser Augustus die in den Bürgerkriegen zerstörte Stadt Pula wieder errichten ließ, wurden rechts des alten Tempels ein ihm und der Göttin Roma gewidmeter Tempel errichtet. Seiner Form nach ist er eine der typischen Tempelkonstruktionen.
Rasch geht es weiter am Hafenbecken entlang und schon kommt uns der Bus entgegen. Gegen 18.30 Uhr sind wir wieder in Poreč im Hotel; die Räder lassen wir erstmal im Bus.

Schnell frisch machen und zum Abendessen. Das ist wahrlich ein echter Aktivurlaub! Heute funktioniert auch erstmals der hoteleigene Internetzugang. Doch die Tastatur kennt keine Umlaute und kein „ß“ – stattdessen tummeln sich dort die typischen kroatischen „č“ und „z“-Buchstaben mit ihren „Krönchen“ und Accents… Die Bilder zum Text folgen dann also erst von zuhause aus.

Die Zahlen heute: ca. 850 Höhenmeter, 88,5 km Strecke, Durchschnitt 18,97 kmh, reine Fahrzeit 4:39 Stunden, max. 53,3 kmh

Und hier ist die Strecke als digitale Karte. Vielen Dank an Achim!!

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