Istrien-Radreise (6. Tag, Donnerstag 19. April 2007)          5 | 6 | 7
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Heute holen wir nach dem Frühstück unsere Räder aus dem Bus und kurz nach neun geht es hinterm Hotel herum, am Meer entlang nach Poreč. Im Konzum-Supermarket am nördlichen Hafenbecken gibt es wieder die passende Verpflegung (Bananen, Wasser, Erdnüsse!) und endlich geht es weiter durch diverse Kreisverkehre hinauf nach Kastelir und weiter nach Vizinada. Die Rennradgruppe ist knapp vor uns, der Wind bläst recht heftig vom Land Richtung Meer, die Sonne scheint kräftig, der Himmel strotzt im tiefen Blau.

Unterwegs nach Motovun. - Foto: Erich Kimmich

Streckenweise fahren wir Reifen an Reifen im Windschatten. Da kommt uns um dreiviertel Elf die Kaffeebar „Monte Carlo“ in Vizinada gerade recht. Wir genießen den würzigen Cappu, den wir draußen zu uns nehmen.

Vizinada: Im Cafe MonteCarlo. - Foto: Erich Kimmich

Gleich nach dem Kriegerdenkmal weitet sich der Blick und wir sehen unser heutiges Tagesziel vor uns thronen: Motovun! Das befestigte Städtchen erhebt sich in traumhafter Lage auf einem hohen Berghügel. Gegenüber sehen wir oben auf der Hochfläche Oprtalj, wo wir von zwei Tagen nach dem endlos langen Aufstieg uns erholt haben.

Doch erstmal liegt eine gut fünf Kilometer lange Abfahrt nach Portoportone vor uns. Wir können nicht ganz so schnell fahren, wie wir das gerne tun würden, denn an den steilsten Stellen ist der Asphalt aufgerauht worden, um bei Regen die Rutschgefahr zu mindern. In diesen Bereichen rüttelt es gewaltig und wir fahren sorgfältig die Kurven aus.
Die nächsten acht Kilometer versprechen wieder eine flotte Fahrt entlang der breiten Straße im Mirnatal. Heike hat mit einer angreifenden Biene zu kämpfen. Auf halber Strecke machen wir einen Fotostopp – der Blick hinauf nach Motovun ist jetzt steiler, der Anstieg steht bald bevor. In den Talauen quaken die Frösche und Kröten.

Nun steht der Anstieg ins Bergstädtchen Motovun bevor. Hier gleich nach der Brücke bei Livade machen wir noch eine kurze Pause. Einige Orchideen stehen mit ihren schmetterlingsartig aussehenden Blüten in voller Pracht am Straßenrand. Nun gehts mit gut 14 % Steigung im Anti-Uhrzeigersinn den Hang hinauf, vielfach schattig im Wald. Im Vordorf unterhalb der historischen Stadt macht uns Achim Mut: nur noch 500 Meter. Angeblich. Denn hier erst ist das steilste Stück. Immer weiter geht es kreisförmig den Hügel hinauf. Gegen 12.30 Uhr haben wir es endlich geschafft. Und die Hitze des Aufstiegs hat uns geschafft! Wir stellen die Räder ab und gehen den Rest zu Fuß hinauf ins uralte Bergstädtchen.

Motovun: Pause mit Aussicht. - Foto: Erich Kimmich

Achim erzählt, dass die Venezianer zuletzt die Stadt in Besitz hatten. Damals seien auf der ausgebauten Mirna sogar Schiffe bis vor Motovun gefahren. Markuslöwen bestätigen das eindrucksvoll: Am Stadttor, am Kirchturm hoch oben, über dem oberen Turm und einige mehr. Souvenirshops haben mit einer deutschsprachigen Busgruppe einigen Umsatz. Trüffelprodukte werden vielsprachig angeboten. Ein Künstler arbeitet zwischen zwei Häusern an Holztäfelchen und Fischfiguren.

  • Schon zu illyrischer Zeit stellte Motovun eine Art Fluchtburg dar. Der alte Stadtkern ist komplett erhalten und von begehbaren Mauern aus dem 13. und 14. Jh. umgeben. Im Mittelalter gehörte Motovun ebenso wie Pazin zu Poreč und wurde erst unter venezianischer Herrschaft ausgebaut. Motovun liegt im Herzen Istriens. Das mittelalterliche Städtchen thront 277 Meter über dem Meer auf einem Berg hoch über dem Tal. Die Altstadt umgibt immer noch die Originalmauer aus dem 13. und 17. Jahrhundert. Eine zweite, später erbaute Mauer schützte die äußeren Siedlungen. Ein Tor in einem Turm aus dem 15. Jahrhundert führt von der Unter- zur Oberstadt. Heute leben etwa 600 Leute in Motovun (einst ca. 5000).

Hinter dem ersten Stadttor stehen Tische und Bänke direkt an der Mauer. Wer hier isst und trinkt hat einen ausgezeichneten Blick! Klar, dass wir uns hier hin setzen. Zuvor aber noch ein Stadtrundgang: Hinauf durchs innere Tor, an der barocken Kirche vorbei zur Stadtmauer. Dahinter, auf dem kleinen Spielplatz, ist einer mit dem Kreiselmäher lautstark dabei, das Gras zu mähen. Die Stadtmauer bietet einen wirklich faszinierenden Ausblick. Ein 300 Grad-Rundumfoto soll diesen Eindruck speichern. Ich bin gespannt, ob daraus ein schönes Panorama entstehen wird.

Motovun: Blick von der Stadtmauer. - Foto: Erich Kimmich
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Gegen 13 Uhr sitzen wir dann an der Stadtmauer und genießen ein Radler, einen kleinen Toast und später eines dieser herrlichen heißen Schokoladengetränken, für die es allein eine mehrseitige Karte gibt. Die Rennradgruppe macht sich schon mal auf den Weiterweg.

Panoramablick von Motovun aus. - Foto: Erich Kimmich
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Gegen 14 Uhr sind wir in der Unterstadt, von wo es auch schon wieder heftig ansteigend Richtung Karojba weitergeht. Eindrucksvolle Blicke zurück nach Motovun.

Blick zurück nach Motovun

Vor Visnjan gehts zwar abwärts, wird aber heftig holprig: aus einer Lenkertasche fällt ein Schlüsselbund, jemand anderem hüpft die Trinkflasche aus der Halterung. Links und rechts der Straße sehen wir auffällig viele Dolinentrichter. Hier ist unterirdisch ein Stück des Kalkfelsens mit der darüberliegenden Erde eingebrochen. In den fußballfeldgroßen Trichterlöchern wurden später windgeschützte Felder angelegt. Es geht flott voran, unsere Truppe hat gut 23 kmh „drauf“ und so sind wir bald schon in Poreč zurück und sitzen schon kurz vor vier auf dem großen Platz in den prallen Sonne wieder beim Café Calypso bei Bier und Cappu. Später noch ein Miz Maz (eine Mischung aus 1/3 Rotwein und 2/3 Orangenlimo). Schmeckt erfrischend wie Sangria. Wir haben heute kräftig viel Sonne abbekommen. Manche Arme und Wangen sind deutlich rot gefärbt.

Solare Bier- und Kaffeepause in Porec

Vom Schlaraffenland im Essensraum (heute gabs unter anderem eine istrische Truthahnspezialität) will ich weiter nichts berichten. Mir tut wohlig der Bauch weh, wenn ich nur daran denke…

Die Strecke war heute 70,3 km lang, 880 Höhenmeter waren das heute, reine Fahrzeit war 3:48 Stunden, max. Tempo war 58 kmh und der Durchschnitt lag bei 18,5 kmh.

Die Strecke dieses Tages gibt es hier in GoogleMaps. Danke an Achim für den Track!

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