6. Tag. Freitag.
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Die große Tour im Hinterland:
Von Ruta über den Monte Manico del Lume nach Rapallo

Der Reiseführer von Christoph Hennig verspricht Exquisites zum Schluß der Reise:  „Ein Höhepunkt der Reise, vor allem, wenn man die Tour an einem Tag mit klarer Sicht durchführt: Die großartige Wanderung zwischen Küste und Bergland verläuft nach einem Anstieg auf Waldwegen mehrere Stunden aussichtsreich auf Bergpfaden, von denen man fast immer weite Ausblicke auf das Meer und die Berge des Hinterlands genießt. Nach einem langen Abstieg – weitgehend im Wald – erreicht man das Ziel Rapallo. 

Camogli: Häuserdetails am Hafen

Wir sind frohen Mutes heute, denn der Blick aus dem Hotelzimmer zeigte einen wolkenfreien Golfo Paradiso. Und zum Frühstück gabs heute auch wieder frischen Fruchtsalat ins Müsli. Mit frischer Ananas, Pfirsich, Melone und Äpfeln. Gegen 9 Uhr sind wir unterwegs in einem farbenfrischen Camogli, besorgen uns noch ein Stück Käse, Schinken und frische Pane di Olivi. Als Beginn der Tour ist Ruta vorgesehen, das 270 Meter oberhalb von Camogli liegt. Also mit dem Bus hinaufgefahren, Tickets am Bahnschalter holen. Dort erfahren wir von einem Streik der Busfahrer und kaufen die Tickets daher nicht. Bald kommt ein Taxi daher und bringt uns für 15 Euro hinauf. (Am ersten Tag sind wir entlang der Straße und viele Treppenwege hinauf nach Ruta gewandert, aber bei einer Gehzeit von mindestens sechs Stunden heute, genießen wir lieber die Taxifahrt).
Kurz vor zehn Uhr: Erstmal geht einigermaßen flach in nordwestlicher Richtung, vorbei am romanischen Kirchlein Chiesa Vecchia. Wegschilder des „Itinerario dei 2 Golfi / Val Fontanabuona – Portofino“ machen uns auf diesen besonderen Weg aufmerksam. Auf herrlichen Waldwegen führt die Route auf dem Bergkamm entlang nach Norden, auf Steinstufentreppen durch Steineichenwald. Die ersten Blicke tun sich auf, rechts in den Golfo Tigullio bei Rapallo und links in den Golfo Paradiso bei Camogli und weit nach hinten Richtung Genua. Zarte Dunst- und Rauchschleier hängen im Gegenlicht bei Santa Margherita, ein Hubschrauber dröhnt in der Ferne bei einem Transporteinsatz am Fels.

Edelkastanien am Itinerario dei 2 Golfi

Bald schon läuft der Weg auf schmalem Pfad, durch Kastanienwälder, die prall behängt mit den brauen Maronen da stehen.
Am Colle die Monte Ampola (498 m) unterhalb des kleinen Wallfahrtskirchleins „Santuario Madonna di Caravaggio“ (615 m) treffen wir auf zwei Wanderer, die sich mit einem Einheimischen unterhalten. Eine Wiese ist (von den Grünröcken) sauber gemäht, oben haben sich Jäger mit grünen Zweigen wieder eine Laubhütte errichtet. Der Weg umgeht den Wallfahrerberg, führt durch Maronenwald hindurch. Wildschweine haben den Wegsaum komplett umgepflügt. Die vielen Esskastanien sind denen wohl nicht mehr gut genug. Nach insgesamt eindreiviertel Stunden sind wir beim Passo del Gallo auf 478 Metern Meereshöhe angekommen. Zeit für eine Vesperpause. Trifft sich gut, dass hier eine Sitzgruppe steht. Von den Strebebalken herab hängt eine tote Schlange, wohl von einem Jäger zur Abschreckung aufgehängt. Wir lassen uns die Stimmung nicht vermiesen, denn Aussicht und Wetter sind viel zu schön hier.

Gegen 12.30 Uhr ziehen wir weiter. Gut 10 Minuten hinter dem Pass verzweigt sich der Weg. Wir schlagen den undeutlicheren, nach rechts abzweigenden Pfad ein (markiert mit rotem Quadrat und rotem Dreieck). Nach wenigen Metern halten wir uns bei einer Gabelung nach rechts. Der schmale, streckenweise ausgesetzte Pfad führt über einen abschüssigen Hang, steigt dann steil nach links an und verläuft schließlich eben in östlicher Richtung. Wir genießen herrliche Blicke auf das Meer und Rapallo. Immer mehr offene Flächen tun sich auf, manchmal mit Hecken bewachsen. Die weitere Tagesstrecke sehen wir wie in einer riesigen Arena rechts vor uns: Immer den kalkweißen Bändern entlang bis zum Monte Manico del Lume.

Rundblick auf den Golfo Tigullio

Bald haben wir den kleinen Passo della Serra (641 m) erreicht, kommen bald danach zu einer Wegverzweigung und wenden uns dem roten Dreieck folgend nach rechts. Es geht nun sehr steil aufwärts, vorübergehend mit leichter Kletterei in felsigen, durch Eisenketten gesicherten Wegstücken. Schließlich erreichen wir gegen 14 Uhr schweißgebadet den Gipfel des Monte Manico del Lume (810 m). Die Aussicht auf die Küste und die Berge des Hinterlands von diesem höchsten Punkt der Wanderung ist begeisternd.

801 Meter über dem Meer: Monte Manico del Lume

Aussicht pur und rundum. Vor allem im Norden haben wir einen guten Blick ins Lavagnatal mit den zahlreichen kleinen Weilern mit ihren Kirchtürmen und die vielen Gipfel nördlich davon. Ein richtiggehend alpines Gipfelerlebnis. Neben einem Gipfelkreuz gibt es demnach auch ein Gipfelbuch, in das wir uns eintragen.

Gestärkt mit Energieriegeln beginnt nun der Abstieg. In leichtem Auf und Ab wandern wir am Hang, immer wieder öffnen sich wunderbare Panoramen. Ein Abschnitt ist ganz von Farn überwuchert und wir müssen intensiv nach dem richtigen Pfad suchen, Brombeerdornen hinterlassen Kratzer an den Waden. Bald haben wir den Passo della Crocetta (599 m) erreicht – wir überqueren eine echte geteerte Straße!
Wir haben uns eine geniale Idee einfallen lassen: Wir wollen nicht dem Weg hinunter nach Rapallo folgen, sondern die Runde in der Bergarena weiter drehen und bis zur Bergstation der Montallegro-Seilbahn gehen. So hoffen wir, uns die anstrengenden 600 Meter Abstieg erleichtern zu können.

Genussvoll und fast auf gleichbleibender Höhe verlaufend, auf gepflasterten Grenzmauern entlang erreichen wir nach gut 45 Minuten kurz vor 17 Uhr die Bergstation nahe der Wallfahrtskirche Montallegro. Gerade noch Zeit genug um uns die Tickets zu kaufen und einen belebenden Cappucchino mit Aussicht zu genießen.

Wallfahrtskirche Montallegro 600 m hoch über Rapallo

Selten war Seilbahnfahren so entspannend! Während der luftigen Fahrt spüren wir jeden ersparten Meter Abstieg wie eine innere Erleichterung. Schnell sind wir von der Talstation am Bachbett entlang in der Innenstadt von Rapallo angelangt. Rapallo war einst ein berühmter Badeort. Ein Bummel in den Ladengassen der Altstadt schließt sich an. Eine Kuriosität ist der Chiosco della Banda Cittadina an der Uferpromenade Lungomare Vittorio Veneto; hier fanden einst die Promenadenkonzerte statt, und an der Decke sieht man noch verblichene Jugendstil-Porträts berühmter Komponisten. Dazu ein herrliches Gelato (gusto pera), wie man es nur in Italien findet. Beim erneuten Altstadtbummel kommen wir in der Via Mazzini zu einem feinen Delikatessgeschäft: Parle come mangi, wo wir uns mit Nudelspezialitäten, Käse und Pesto eindecken.
Gegen 19 Uhr sitzen wir im Zug und sind gegen 19.30 Uhr auf dem Zimmer.

Abendstimmung am Golfo Paradiso

Unser Abendessen genießen wir heute hoch über der Uferpromenade, halb im Freien neben dem Stamm einer hoch aufragenden Schirmpinie. Carpaccio mit Rucola und Parmesan (Erich), Muscheltopf (Helmut), Pizza Capricciosa (H.), Pizza mit geräuchertem Spada (E.), Tiramisu (E.) und Weißwein stehen auf dem Programm.

Hafen von Camogli bei Nacht

Heute ist enorm viel los auf der Promenade, sogar kleine Kunstläden haben noch um 22 Uhr geöffnet. Gegen 23 Uhr gehen wir ins Hotel zurück.

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