Oder: Grüne Hölle im Regen-Wald

Dienstag 29. Mai 2007. Ein schöner Abschlusstag hätte es werden sollen. Aber draußen regnet es in Strömen, ein scharfer Wind pfeift ums Haus und peitscht die Regentropfen an die Scheibe. Durch das geschlossene Fenster zischelt ein Luftzug. Auch nach dem Frühstück ist keine Änderung in Sicht. Wir bezahlen unsere Zimmer und das gestrige Abendessen, packen schweren Herzens die Packtaschen und beladen die Räder. Ulla findet die Regenhose nicht; vermutlich hat sie Stefan gestern abend im Auto mitgenommen.

Werner führt uns nach Südwesten auf einem kleinen Feldweg Richtung Großkuchen. Der Wind wirft uns beinahe aus dem Sattel. Hosen und Schuhe sind in wenigen Minuten komplett durchnässt.

Regen-Radeln

Dann endlich sind wir im Wald. Dort werden aber nur die Tropfen größer, die von den Zweigen herabfallen. Steil bergab geht es, die Bremsen ziehen wegen der Nässe kaum mehr vernünftig; die Brille ist voller Tropfen und ab der Hüfte nach unten bin ich eingeweicht. Wir landen schließlich im Krätzental und radeln durchs Pfaffentäle unter der A7 hindurch bis Niesitz.

Regen-Radeln

Parallel zur Straße fahren wir bis Ebnat weiter, das etwa 5 Kilometer von Elchingen entfernt liegt. Unser Zähler zeigt infolge des Umwegs bereits 13 km an. Irgendwelche Radwegrouten-Schilder zeigen eine Strecke Nr. 2 und eine Nr. 13 an – doch in keiner Karte sind diese Ziffern eingetragen. Eine Orientierung ist damit zwecklos, der Nutzen für Radtouristen mehr als fragwürdig.

Hinter Ebnat führt der Radweg zu dem kleinen Kapellchen „Maria bei der Eiche“. Thomas fragt einen Wanderer nach dem kürzesten Weg nach Aalen. Wir andern schauen uns die Marienfigur an, Uwe richtet imaginäre „Worte ans Volk“ als ein starker Windstoß um die Kapelle tobt. Einen Augenblick später fällt eine haushohe Eiche fast geräuschlos um, streift Werners Rad und landet so zwischen den Rädern unserer Gruppe krachend auf dem Weg. Ein Fingerzeig Gottes? Nein, ein offenbar erst jüngst eingepflanzter Baum, denn es fehlt jegliche Wurzel; der Stamm hat sich wie eine Kugel im Gelenk im Boden gedreht. Glücklicherweise ist niemand getroffen oder beschädigt worden.

Maria bei der (umgestürzten) Eiche

Maria bei der (umgestürzten) Eiche

Ohne weitere Umstände fahren wir auf dem kürzesten Weg zur Landesstraße 1084 hoch, wo wir zwei versprengter Radurlauber treffen. Gemeinsam fahren wir nun auf der mit 12 % Gefälle extrem gefährlichen Straße etwa 160 Höhenmeter hinunter nach Unterkochen. Trotz Dauerbremsen ziehen die Dinger nicht mehr ordentlich. Zum Abbremsen hat es aber dann auch ohne Benutzungs der Notfallspur ausgereicht. Thomas und Wolfram wollen nicht länger warten bis alle unten angekommen sind, verabschieden sich und ziehen los Richtung Wasseralfingen, wo ihr Auto steht. Nach etwa vier Kilometern haben wir dann Aalen erreicht, der Verkehr ist extrem heftig geworden – Laster, Omnibusse, Arbeitsfahrzeuge. Zusammen mit dem Dauerregen war das keine Freude. Hier verläuft auch die Route des Kocher-Jagst-Radwegs: auf Gehwegstrecken, nur dürftig beschildert, über gefährliche Kreuzungen führend.

Bahnhof Aalen: Während Erich Fahrkarten für die Heimreise besorgt, macht sich Ulla auf ins nächste Bekleidungsgeschäft und kauft sich für wenig Geld eine neue trockene Hose. Uwe und Werner haben inzwischen die Regenmäntel über die Räder zum Trocknen ausgebreitet und gönnen sich einen Cappuccino im Stehen.

Bahnhof Aalen - Tourende.

Im Zug trocknen wir unsere Socken an der Heizung, bewundern die Schwimmhäute, die uns inzwischen gewachsen sind, frottieren die Füße trocken solange die Schuhe mit Zeitungspapier ausgestopft sind. Um 13.38 Uhr erreichen wir Stuttgart. Im strömenden Regen versteht sich. Und zuhause gleich das Rad samt Packtaschen abgespritzt, die Heizung an und eine heiße Dusche!!
Schön wars!!

Die Tourdaten heute: 25,4 regennasse Kilometer, Durchschnittstempo 14 km/h, reine Fahrzeit 1:48 Stunde, 42,5 km/h maximal.
Insgesamt ergibt das gut 180 km in den vier Tagen.

Hier gehts zur Karte. Danke an Uwe Walter für die Streckendaten.

Hier gehts zur Bildergalerie.

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