26.05.2007, 9.22 Uhr Stuttgart. Der Regionalexpress nach Aalen fährt los. Das Radabteil im Steuerwagen ist proppevoll. Etliche Radelgruppen wollen allesamt auch nach Aalen. Ich war noch kurz bei Fahrrad Renner und hab mir ein Birnchen für die offenbar defekte Frontleuchte geholt. Um 10.36 Uhr erreicht der Zug Aalen. Das Wetter ist gemischt, bewölkt, teilweise sonnig.
Schock: Der Bahnhof hat weder einen Aufzug noch eine Schieberinne. Also heisst es anheben und tragen. Ein Blick ins Fahrradparkhaus: Unbemannt, ohne Sicherung, anscheinend videoüberwacht. Nirgends eine Person. Hoffentlich haben hier alle ihr Rad gut abgeschlossen.Auf flotter Radspur geht es stadtauswärts, später dann auf dem Gehweg entlang der Straße. Und nach dem Ortseingang von Wasseralfingen gehts rechts hoch zum Schaubergwerk „Tiefer Stollen“, der vor 86 Jahren noch in Betrieb war. Den Anstieg an den Schrebergärten vorbei nehme ich im kleinsten Gang. Vier Packtaschen mit Getränken und mehr müssen bewältigt werden. Oben beim Eingang ins Bergwerk treffe ich die Mitradler. Großes Hallo und Begrüßen.

Eingang in den Tiefen Stollen

Nachdem wir uns trotz der Hitze warm angezogen haben, bekommen wir Helme und leuchtrote Umhänge, setzen uns in die kleinen Wägelchen der elektrischen Bahn und schon fährt die Karawane 400 Meter tief ins Erdinnere hinein. Es rumpelt und rattert, wird sofort deutlich kühler. Wir erleben tief im Berginneren erstmal eine perfekt inszenierte Diaschau, die uns die Geschichte des Eisenerzabbaus nahebringt. Die Führerin kennt sich prima aus und erzählt sehr lebhaft. Wir erkunden etliche hundert Meter der Stollen, der eine ansteigend und Wasser ableitend, der andere parallel zum Flöz leicht absteigend. Beide treffen sich tief im Bergesinneren.

Beim Einfahren in den Tiefen Stollen

  • Geschichte des Bergbaus in der Region Aalen
    Der Reiz des Erzes
    Das reiche Bohnerzvorkommen der Ostalb zog schon sehr früh die Menschen an. Einen Markstein in der Entwicklung der mittelalterlichen Eisengewinnung bildet die Verleihung des Bergbauregals durch Kaiser Karl IV. im Jahre 1365 an Graf Ulrich d.J. von Helfenstein für das Gebiet an Brenz und Kocher. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden Schmelzhütten in Ober- und Unterkochen errichtet, die schon 1519 an die Reichsstadt Ulm gelangten und 1557 durch Kauf an das Herzogtum Württemberg übergingen.
    Nach der völligen Zerstörung aller Werke durch den Dreißigjährigen Krieg entstand das Fürstpröpstlich-Ellwangische Hüttenwerk in Wasseralfingen. Der Hochofen, der 1671 in betrieb genommen wurde, entstand am Fuße des Braunenbergs wegen seines dortigen Erzreichtums und bezog sein Rohmaterial ausschließlich aus den hier eröffneten Gruben. Ab 1803 unter württembergischer Verwaltung entwickelte sich das Wasseralfinger Eisenwerk zu einem der bedeutendsten des Kontinents. Der großen Gießerei wurde ein Walzwerk und eine Präzisionszieherei angegliedert. Um 1860 erreichte der Wasseralfinger Bergbau seinen Höhepunkt. Mit dem Namen der Bergrats Faber du Faur (1786-1855) ist jener Aufstieg untrennbar verbunden.
  • Die Gruben
    Als erste wurde eine Grube in der „Hirschklinge“ am Braunenberg betrieben; ab 1676 wurde das Erz in verschiedenen Gruben in Oberalfingen abgebaut. 1798 waren gar sechs Stollen vorhanden; darunter der bis 1818 benutzte Stöcklesstollen und der Clemensstollen (1797 bis 1846 in Betrieb). Die Flöze waren zwischen 30 cm und 1,40 Meter stark; nur bei diesen dicken Flözen lohnte sich der Abbau. Um Grubenwasser abzuleiten, wurde 1811 der „Tiefe Hilfs- und Wasserstollen“ angelegt. 1818 wurde der „Wilhelmsstollen“ eröffnet. 1840/41 entstand die auf das obere Flöz führende „Tagstrecke Nr. 1“; gleichzeitig wurde senkrecht unter dieser der „Tiefe Stollen“ auf das untere Flöz getrieben. Beide Stollen waren bis 1924 in Betrieb. 1924 wurde der Stollen „Süßes Löchle“ erschlossen (oberes Flöz); doch bereits 1925 wurde der Hochofen in Wasseralfingen stillgelegt und der Bergbau eingestellt. 1934 wurde der Abbau im „Süßen Löchle“ noch einmal aufgenommen; zur Verhüttung brachte man das Erz mit der Bahn zur „Gutehoffnungshütte“ nach Oberhausen. 1939 wurde der Stollen schließlich nach der Wiederinbetriebnahme des Faber-du-Faur-Stollens in Aalen verlassen. 1948 endete auch dort aus wirtschaftlichen gründen der Erzabbau.
    Noch heute lagern ca. 1,3 Milliarden Tonnen Roherz im Gebiet der Schwäbisch-Fränkischen Alb, das sind ca. 14 % der Eisenvorräte in den alten Bundesländern.
    (Zitiert aus der Aufschrift einer Informationstafel am Besucherbergwerk)

Ein herrlicher benachbarter Biergarten ist unsere nächste Station. Gerauchte Würste, Fleischkäse, Radler-Halbe – so muss ein Urlaub beginnen!

Dann endlich gehts richtig los: Wir radeln bergab nach Wasseralfingen und weiter über Oberalfingen bis Westhausen. Die Landschaft ist herrlich, die Radelstrecken auch. Nun bewegen wir uns auf dem Kocher-Jagst-Radweg. Die Beschilderung ist dicht und zufriedenstellend, die modernen Wegweiser mit zwei Zielangaben fehlen hier aber überwiegend.

Blick zur Kapfenburg

Über Westerhofen erreichen wir Lauchheim. Ein herrliches Stadttor erinnert uns an Nördlingen, eine dominante Kirche und ein herrlich verzierter Maibaum empfangen uns. Und mitten in der Stadt ist das Café neben dem Brunnen und Maibaum. Hier gibts die verdiente Stärkung: Cappuccino, (Erdbeer-)Eisbecher, Kuchen und mehr. Dann heißt es alle Kraft in die Pedale, denn es geht nun heftig aufwärts zur Kapfenburg, eine ehemalige Burg des Deutschen Ordens. Sie dient heute der Kultur und Musik.

Das imposante und ausgezeichnet renovierte Schloss Kapfenburg bietet eine fantastische Aussicht auf Lauchheim und die ganze Umgebung. Für eine Hochzeitsfeier bereitet sich eine Musikgruppe vor, Sektgläser und Stehtische im grünen Rasen vor der Schlosskulisse. Das feine Restaurant macht Lust aufs Abendessen.

Schloss Kapfenburg

Doch wir müssen noch weiter: Über Hülen fahren wir dirch das idyllische Kugeltal über Beuren und weiter bis Elchingen.

Eine fantastische Weitsicht bietet sich kurz vor Elchingen. Die Gewitterfront hat sich schon wieder aufgelöst und ist weiter gezogen. Im Landgasthof Ochsen in Elchingen hat Werner für uns Quartier besorgt. Nach dem Beziehen der Zimmer konnten wir zum Abendessen auf der Terrasse hinter dem Haus sitzen. Meine Schweinelendchen mit Weincremesauce und Broccoligemüse waren ausgezeichnet, zum Nachtisch gabs noch einen Eiskaffee. Im Laufe des Abends diskutierten wir darüber ob bei gleichem Gesamtgewicht ein an den Felgen optimiertes Rad besser läuft…

Die Tourdaten am 1. Tag: 38,53 km, Durchschnitts-Tempo 13,9 km/h, Reine Fahrzeit 2:46 h, Maximaltempo 39,8 km/h.

Danke an Uwe Walter für die Streckendaten. Hier gehts zur Karte.

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