Mit Rucksack und Laptop auf dem schottischen West Highland Way.
1. Tag, Sonntag 17. Juni 2007.

Ein Gast findet eine Fliege im Bier, fischt sie heraus und legt sie in den Aschenbecher. Der Ober entschuldigt sich höflich und bringt sofort ein frisch gezapftes Bier. Ein Schotte am Nebentisch hat alles mitangesehen, blickt in sein fast leeres Glas und fragt: „Verzeihung, ist die Fliege jetzt frei?“

Wir starten in Stuttgart pünktlich mit dem Airbus A319 um 10.38 Uhr. Und zwar Richtung Westen anstatt nach Norden – so kann man sich täuschen -, wir überfliegen den Schwarzwald (*wink*) und Strasbourg. Zwischen Metz und Nancy geht es weiter Richtung Amiens und nun erst in nördlicher Richtung bis Heathrow. 725 km etwa sind zurückzulegen. Und bei bis zu 798 km/h und Gegenwind bis zu 116 km/h kommen wir auf eine Flughöhe von bis zu 11.400 Metern. Die Wolken da unten sind nur vereinzelt, wir sehen die Küste zum Ärmelkanal.

Blick auf den Ärmelkanal

Aber über England liegt eine dicke Wolkenbank wie eine große dicke Schwäbische-Alb-Fläche, in die wir nun eintauchen.
In Heathrow gibt es Schlangen an der Abfertigung und wir verlassen den Flughafen, um neu einzuchecken. Helmuts Rucksack wiegt knapp 10, meiner 16 Kilo. Wir essen noch Square Pies und checken wieder ein: sogar die Schuhe müssen ausgezogen werden, die Kontrollen sind ausgesprochen intensiv. Nochmal ein Flug (mit einem Gin Tonic) und wir sind in Glasgow-Paisley gelandet. Das Wetter ist trocken, aber dicht bewölkt. Mit einem Citylink-Bus kommen wir für 3,25 Pfund ins Zentrum von Glasgow, Schottlands größter Stadt. In der Bothwell Street steigen wir aus und staunen über die eindrucksvollen, hohen und kunstvoll verzierten viktorianischen Geschäftshäuser.
Stadtverkehr in Glasgow

Wir erkunden die Innenstadt von Glasgow, den George Square mit dem Denkmälern von Queen Victoria, Sir Walter Scott, Prince Albert, James Watt und einigen anderen.

Glasgow: George Square, James-Watt-Denkmal

Dann erforschen wir die Zugverbindungen nach Milngavie. In einem tollen Innenhof in der Merchant City, ganz auf Jugendstil getrimmt, gibt es eine Cappuchino-Pause. In der Fußgängerzone ist trotz des Sonntags einiges los, denn manche Geschäfte haben geöffnet.

Unter dem Glasdach der Merchant City

Nun folgt die Fahrt mit dem Vorortzug der North Clyde Line etwa 13 km bis zur Endstation Milngavie. Schon bald haben wir das Quartier gefunden, das West View House, fünf Minuten vom Bahnhof aus. Morag McNeill bewirtet die Wanderer, von denen angeblich 50.000 jährlich den West Highland Way abwandern. Die Dame ist nicht mehr die jüngste, sie bringt uns resolut das Reglement bei, zeigt uns den Hausschlüssel und dass das Frühstück um 8 Uhr sei und was wir dabei gerne denn möchten. Ja, Rührei mit Lachs, finden wir einen guten Vorschlag und sie freut sich. In der Ecke des Zimmers ist alles für eine gute Tasse Tee vorbereitet. Wir trinken gleich einen Tee auf dem Zimmer, essen ein paar Cookies dazu.

Schlafe gut-Bettdecke

Auf der Bettdecke stehen Sprüche („Sleepy Head, Sweet Dreams, Forty Winks, Chill Out, Float Away…“), im winzigen Bad weist sie mit Schildern auf die gute Wasserqualität hin. Prima. Abends gehen wir ins Zentrum des fast menschenleeren Dörfchens.

Cross Keys, Milngavie. Foto: Erich KimmichBeim einzigen echten Restaurant am Ort, dem Italiener Primo – Authentic Italian! – gibts prima Nudeln und einen Cider (in der Getränkekarte unter der Rubrik „Bier“ aufgeführt).
Im alt-ehrwürdigen Pub „Cross Keys“ an der Straßenecke Station Road und Mugdock Road gibt es abschließend noch ein erstes Guiness. Auf mehreren Großbildschirmen laufen Sportveranstaltungen; eine Bedienung füllt aus großen Packungen die kleinen Senf-, Ketchup- und Brown-Sauce-Tütchen auf, die auf allen Tischen stehen.
Leicht angefeuchtet durch einen Regenschauer kommen wir nach Hause. Prosit und gute Nacht!

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Ganz Eilige können sich hier den nachfolgenden Film von Graven Errie ansehen, der einige Wochen vor unserer Tour entstanden ist (6 min.):