Mehr als eine Woche lang kaltes Schmuddelwetter und das Ende Mai, Anfang Juni. Wir sehnen uns nach Sonne.
Samstag früh um 5:10 Uhr klingelt der Wecker. Um halb sieben sind wir abfahrtbereit. Wenig Verkehr, feuchte Nebelfetzen in den Talniederungen. Rasch sind wir am Rastplatz Hegau, wo wir eine kleine Pause machen. Weiter geht es flott nach Konstanz. Dort kaufen wir erst mal eine Autobahn-Vignette für die Schweiz (40 sFr, 30 EUR).
Dann geht es über Kreuzlingen nach Romanshorn weiter. Hier fängt eine Autobahnstrecke an, mit der es zügig über Sankt Margarethen und das Rheintal aufwärts Richtung Chur geht. Südlich von Chur beginnt der erste Stau. Die meisten Mitstauer kommen aus Baden-Württemberg oder Bayern. Die sind offenbar auch genauso früh wie wir aufgestanden – um sich nun mit uns zu treffen. Schleichend geht es voran. Stop and go. Als die Strecke sich dann teilt – hinauf zum San Bernardino oder das Rheintal aufwärts Richtung Disentis – da haben wir Glück: Anscheinend haben sich alle den Bernardino ausgesucht und wir ziehen rechts am Stau vorbei.

Wir kommen durch Laax (nettes Örtchen, viele Geschäfte, Restaurants) und dann schlängelt sich die Straße langwierig und kurvig dahin bis Disentis. Reizvoll sind die Wiesen voller Margareten und die violetten Flecken mit Wiesensalbei. Hat die Außentemperatur heute früh noch 0 Grad betragen, hat sie sich jetzt langsam auf 13 Grad erhöht, es hat noch immer Wolken am Himmel und es weht ein frischer, kalter Wind. Ganz oben sehen wir frisch gezuckerte schneeweiße Berggipfel, die wohl erst in den letzten Tagen frisch beschneit worden sind.

Mein Verdacht, dass auf dem Lukmanierpass Neuschnee liegen wird, bestätigt sich dann aber nicht. Die Schneegrenze liegt noch ein paar Höhenmeter weiter oben als die 1924 Meter, die der Lukmanier aufweist. Im Passgasthof kehren wir ein, bestellen die typisch schweizerische Rivella und einen Rhabarber-Kuchen.


Vorbildlich: Sogar eine regionale Radroute über den Lukmanier

Dann geht’s weiter bergab und schon nach etwa 20 Kilometer haben wir Biasca erreicht und gut 1000 Höhenmeter verloren. Mit der weiteren Strecke über Bellinzona – Chiasso – Milano – Genova haben wir keine Probleme, es läuft „wie geschmiert“. Felder mit roten Mohn im Getreide, grüne Hügelketten, eine kurvige Autobahn, die sich elegant zwischen den Hügeln hindurch zwängt.

Genova lassen wir rechts liegen und fahren der Küstenautobahn entlang. Hier reiht sich ein Tunnel an den anderen, kaum ist man endlich wieder am Tageslicht, taucht schon der nächste Schlund auf, die Dunkelheit umfängt uns erneut. Bei Sestri Levante verlassen wir die Tunnel-Rennstrecke und gehen hinunter auf Meeresniveau.
Hier sind die Straßen schmal, die wenigen Strandabschnitte gut bevölkert, es ist sonnig warm, Wolken sind Mangelware. Außentemperatur inzwischen 24 Grad. Hmmmm!

Vor der anstehenden Küstenstrecke ist eine rote Ampel vor einem Tunnel. Wir müssen fast eine Viertelstunde lang warten, bevor die einspurige Strecke (engste Stelle 1,80 mit breit!) frei wird. Dann geht es als Kolonne los: Tunnel, Tageslicht, Tunnel, Tageslicht, Tunnel.

Plötzlich mitten im Tunnel ein Schild: Camping Smeralda – Blinker raus, Vollbremsung, abgebogen und 5 Meter weiter sind wir da. Ein reizvoller Camping/Wohnwagenplatz, verknüpft und verschachtelt in den steil ansteigenden Fels, zwischen Kiefernbäumen und Meereswellen. Kleine Holzhütten, schmale galerieartige Gitterwege hoch am Fels, unten Zelte, darunter das Meer. Wir richten das Häuschen Nummer 5 her, es gefällt uns hier ganz gut.

Der Blick geht nach Moneglia, das in der langgezogenen Bucht gegenüber noch in der Sonne liegt. Bilderbuch-Idylle. Dann noch das Restaurant entdeckt, Jana hat Bärenhunger. Jetzt ist es auch schon 19.30 Uhr. Auf der Terrasse im Freien hoch über den Wellen essen wir Pizza und Spaghetti Frutti di Mare. Sonnenuntergang. Und müde um halb zehn ins Bett. Morgen ist Pfingstsonntag. Wir wollen zunächst nur die nähere Umgebung erkunden. Schnell noch Tagebuch schreiben, draußen lachen Kinder, draußen rauscht das Meer als würde es regnen. Besteckgeklapper: Unter unserer Hütte sind eine Reihe Zelte, vor denen die Leute essen und gemeinsam den Abend verbringen. Regnet es? Ach nein, es ist ja nur das Rauschen der Wellen…

letzter Tag || nach oben || nächster Tag

Hat dir der Text gefallen? Ich freue mich über deinen Kommentar!