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Erichs (B)Logbuch » Essen

Freundinnen-Ausflug

Postcards Ein Kommentar »

Postkarte aus Bamberg von Angelika

Angelika war mit Freundinnen übers Wochenende auf Ausflug in Bamberg. Bummeln war angesagt, Straßen, Cafés und Shops…Dazu gutes Essen und viele Sorten Bier. Und am Abend noch eine Theatervorstellung im  (unleserlich)?gewölbe.
Ich kann mich trösten: Demnächst steht Dresden auf dem Plan…

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Schluss-Etappe für 2015

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Dienstag 9. Juni 2015. Von Champdieu nach Montbrison und per TGV nach Basel.

Die diesjährige Pilger-Tour geht zu Ende: Morgen habe ich einen Termin in Lörrach und werde daher heute den Jakobsweg in Montbrison verlassen. Doch erstmal gibt es Frühstück bei Martine. Sie packt mir sogar noch ein Stück Käse mit ein, als Wegzehrung, und begleitet mich Zimmer in der alten Scheune bei Martine. - © Foto: Erich Kimmich dann zur Wehrkirche, wo sie mir die Krypta zeigen will. Dieses historische Städtchen beeindruckt mich mit seinem Stadttor Porte de Bise und der wehrhaften Priorei.  Hoch über uns lugen die Pechnasen heraus als wir die Kirche betreten. Hinten in der Ecke steigen wir hinab in die Krypta. Sie besteht aus einer Apsis und zwei Seitenkapellen. Auf dem Altar befindet sich eine Muttergottesstatue aus dem 19. Jahrhundert. Ein andächtiger Platz. Spürbare Geschichte.

Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich

Krypta der Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich    Krypta der Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich

In der Prioreikirche über die Krypta fallen die große Zahl romanischer Kapitelle mit ihren geometrischen, pflanzlichen Motiven und menschlichen Figuren auf. Sie illustrieren die Sicht der Welt der Menschen im Mittelalter: der ewige Kampf zwischen Lastern und Tugenden.

Kapitelle in der Kirche der Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich    Kapitelle in der Kirche der Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich

Die Kirche existierte bereits im elften Jahrhundert, ihr Grundriss ist dem lateinischen Kreuz entsprechend und typisch für die Kirchen des 12. Jahrhunderts. Der Hauptteil der Kirche war damals den Mönchen vorbehalten. Der Gottesdienst für die Dorfbewohner fand in einer der Seitenkapellen statt und wurde von einem Kaplan gelesen. Der Kreuzgang ist leider noch geschlossen.

In der Kirche der Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich     Wehrkirche Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich

Draußen beeindrucken mich die Bogenstrukturen (Machicoulis) , die sich um die Kirche herum ranken und die dazu dienten, den Feind nach unten hin zu beobachten und mit brennenden Materialien oder Geschossen zu bewerfen.

Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich

Blick zurück nach Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich     Blick auf Montbrison und St-Romain-le-Puy. - © Foto: Erich Kimmich

Ich verabschiede mich von Martine, mache noch ein paar Fotos und folge wieder dem Muschelsymbol, das mich aus dem Ort hinaus bringt, leicht ansteigend über die Felder und Weinberge. Eine weite Aussicht lässt mich linker Hand Champdieu erkennen und rechts die städtischen Strukturen von Montbrison und dahinter den markanten Hügel von St-Romain-le-Puy mit dem einstigen Kloster. Über Curtieux und durch ein ausgedehntes Wohngebiet erreiche ich Montbrison.

Altstadt Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich    Altstadt Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich

Altstadt Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich    Altstadt Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich

Altstadt Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich    Panache in Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich

Gegen Mittag bin ich im Zentrum des attraktiven Städtchens, bewundere die urige Altstadt mit ihren alten Häusern, überquere den kanalisierten Bachlauf und stehe vor der gotischen Kirche Notre-Dame d’Espérance (1226-1466).  Hier verlasse ich den Chemin de St-Jacques und steuere Richtung Bahnhof. In einer Bar gibt es für mich ein Panaché. Auf dem Glas ein mexikanisches Motiv…

Eingangsdetail in Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich

Gegenüber des Bahnhofs entdecke ich ein „Routiers“-Restaurant und genieße ein solides, preiswertes Mittagessen. Anstelle des Zuges nach St-Etienne fährt ein Ersatzbus, da an den Schienen gearbeitet wird.

St-Etienne. - © Foto: Erich Kimmich    Bahnhofsplatz in St-Etienne. - © Foto: Erich Kimmich

Bahnhofsplatz in St-Etienne. - © Foto: Erich Kimmich

In St-Etienne habe ich ein wenig Zeit, schaue mir den Bahnhofsvorplatz und das Fahrradverleihsystem an. An einem benachbarten Haus sind riesige Cartoons aufgemalt. Auf dem Vorplatz wachsen gläserne Bäume! Der Regionalzug bringt mich nach Lyon, der TGV dann nach Basel (Bâle). Hier komme ich unangemeldet in der Jugendherberge unter und genieße am späten Abend im Gasthof zum Goldenen Stern nahe bei der Jugendherberge ein ausgesprochen genussvoll zubereitetes Abendessen.

Menü im Gasthof zum Goldenen Stern Basel. - © Foto: Erich Kimmich    Menü im Gasthof zum Goldenen Stern Basel. - © Foto: Erich Kimmich

Menü im Gasthof zum Goldenen Stern Basel. - © Foto: Erich Kimmich

Menü im Gasthof zum Goldenen Stern Basel. - © Foto: Erich Kimmich    Menü im Gasthof zum Goldenen Stern Basel. - © Foto: Erich Kimmich

407 Kilometer habe ich zurückgelegt. Fünf weitere Wandertage (oder 114 km) entlang der Loire über Valprivas und Retournac hätte ich noch gebraucht… und ich wäre in Le Puy angekommen, da wo ich 2013 schon von Genf her gewandert bin. Dieses Verbindungsstückchen möchte ich auf jeden Fall noch vervollständigen, sobald sich dafür eine Gelegenheit bietet.

Basel by night. - © Foto: Erich Kimmich

Überblick 2015:Alle Etappen meiner Jakobsweg-Wanderung 2015

Hier alle meine Etappen auf dem Sentier de St-Jacques in diesem Jahr – 407 Kilometer zwischen Dole und Montbrison.

Wetter: sonnig, einzelne Wolken; 24 °C Tagesstrecke 7 km   Gesamt-Kilometer des Abschnitts 2015 (Dole - Montbrison). 407,6 km.

 

Weiter nach Le Puy (Bericht aus 2013) Le-Puy-en-Velay (Etappe 2013) || nach oben || zurück: Pommiers – Champdieu


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Von St-Maurice nach Pommiers-en-Forez

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Sonntag 7. Juni 2015. Von St-Maurice-sur-Loire bis Pommiers-en-Forez.

Beim Frühstück sind noch zwei weitere Gäste. Die Gespräche verlaufen nun etwas schneller als gestern und ich habe alle Mühe, den Gesprächsfaden nicht zu verlieren. Ich verabschiede mich von Monsieur Alex. Dann verlasse ich das Dörfchen, hinter der alten Kirche geht es steil abwärts. Schon bald stehe ich am Ufer der Loire. Der Jakobsweg verläuft mit einem Gesundheitspfad ein Seitental entlang, an dessen Ende ein Aufstieg folgt. Schon bietet sich von der Höhe ein Blick zurück auf St-Maurice-sur-Loire, das vom Bergfried beschützt wird. Das Fernweh hat mich wieder. Der Ruhetag hat mir aber dennoch gut getan. Zwei junge Pilger überholen mich beim Fotografieren; ich habe sie gestern Abend schon durchs Dörfchen spazieren gesehen.

Abschied von meinem Quartier in St-Maurice-sur-Loire (links). - © Foto: Erich Kimmich    Blick von Bully nach St-Maurice-sur-Loire. - © Foto: Erich Kimmich

Eichenwald bei Bully. - © Foto: Erich Kimmich    Am zweiten Aufstieg zwischen Bully und Dance - © Foto: Erich Kimmich

Ein eindrucksvoller Eichenwald bringt mich nach Bully. Das Dörfchen wirkt ruhig und verschlafen. Die Blüten vor einem Haus lachen mir in allen Farben von gelb bis rot entgegen.

Blumenpracht in Bully. - © Foto: Erich Kimmich

Am Friedhof entlang verlasse ich Bully. Heute ist Sonntag. Und da kommen mir doch tatsächlich zwei Wanderer entgegen. Die Frau zückt die Kamera als sie mich sieht und fängt an, mich ungefragt abzuknipsen. Für ihre digitale Pilger-Sammlung? Der zweite Anstieg heute bringt mich nun auf einen über 500 m hoch gelegenen Höhenzug. Die schwüle Hitze macht mir zu schaffen. Ein lichtes Kiefernwäldchen begleitet mich bis zur Anhöhe. Dort stehen die beiden jungen Pilger wieder. Sie reden mit einem schönen Pferd in einer Koppel, das sich von ihnen kraulen lässt. Ich ziehe mit einem fröhlichen Hallo vorbei und bleibe hundert Meter weiter stehen: Dieses Panorama muss ich „einfangen“. Die beiden überholen mich wieder.

Blick zurück: Aufstieg hinter Bully. - © Foto: Erich Kimmich    Blick in die Loire-Ebene. - © Foto: Erich Kimmich

Ins Bild klicken für Panorama

Da unten kann ich den Kirchturm von Dancé sehen. Der Rundblick ist fantastisch, da unten fließt also die Loire, rechts da hinten wird mein Weg mich weiterführen, das sind die Berge des Forez und der Auvergne.

Panoramablick im Roannais. - © Foto: Erich Kimmich     Dance und das Loiretal. - © Foto: Erich Kimmich

Blick Richtung Montbrison / Le Puy. - © Foto: Erich Kimmich

Geradeaus geht es abwärts zum Kirchturm von Dancé. Rechts um die Ecke stehen die beiden Franzosen wieder. Da haben engagierte Damen einen mobilen Verpflegungsstand aufgebaut – nein, nicht wegen den paar Pilgern, sondern es gab wohl eine größere Gruppenwanderung, die hier vorbei geführt hat. So kommen wir Pilgernden in den Genuss eines heißen Kaffees, Schinken- und Käsebrote, ein paar Aprikosen und ein Apfel. „Greifen Sie ruhig zu!“ hieß es. All das war ja übrig, die Großgruppe war bereits durchgezogen. Die jungen Franzosen haben bei den beiden Müttern von der Verpflegungsstation mächtig Werbung für den Jakobsweg gemacht. Wenigstens die eine konnte es sich vorstellen, das auch mal zu machen. Ich bedankte mich herzlich und ging wieder auf die Piste. Nun war ich wieder vorne dran. Die weite Landschaft macht mir Freude!

Jakobsweg hinter Dance. - © Foto: Erich Kimmich     Blick Richtung Montbrison / Le Puy. - © Foto: Erich Kimmich

Im Roannais. - © Foto: Erich Kimmich

Hin und her und quer durch. - © Foto: Erich KimmichHinter dem Weiler Amions zieht sich der Weg durch einen langen Wald, dann abknickend entlang der Autobahn und durch eine Unterführung geradeaus zur Landstraße. Hier zeigen die Zeichen nach links. Ich bin unschlüssig, ob ich entlang der Straße gehen soll oder den parallelen grünen Pfad. Ein kleiner Bach verhindert, dass ich weiter gehe. Also ein Stück zurück. Da kommen ja die beiden Franzosen auch schon aus dem Wald. Wir beraten gemeinsam, wie wir gehen sollen. Schließlich haben wir uns alle drei verlaufen. Mein Navi zeigt das auch ganz deutlich an. Schließlich gehen wir auf der Reifenspur eines Traktors durch das Getreidefeld, um die nächstgelegene Landstraße zu erreichen.

Quer durch den Acker. - © Foto: Erich Kimmich

Dann sind es nur noch ein paar Kilometer und wir sind in Pommiers-en-Forez angekommen. Ich lade die beiden zu einem kühlen Drink ein. Alle drei Gläser sind schneller leer als erwartet. Das hat eine Gegeneinladung zur Folge und noch einen wohltuenden kühlen Schluck! Die beiden stammen aus der Gegend und haben beschlossen, mal ein paar Tage auf der Pilgerstrecke zu wandern. Sie ergänzen sich ganz gut. Gemeinsam gehen wir zum städtischen Campingplatz, der im Guide als Übernachtungsmöglichkeit aufgeführt ist.

Drei Pilger in Pommiers. - © Foto: Erich Kimmich

Ich hatte dort bereits angerufen und mir einen Wohnwagenplatz reserviert. Die beiden Jungs bauen weiter hinten ihr Zelt auf. Mich reizt die Altstadt von Pommiers, die wir rechts der Strecke haben liegen lassen.

Mein Wohnwagen in Pommiers. - © Foto: Erich Kimmich     Mein Wohnwagen in Pommiers. - © Foto: Erich Kimmich

Das ehemalige Benediktinerkloster dominiert den Blick von weitem. Ich leiste mir den Eintritt in das schon 1792 geschlossene Kloster, Man geht von der Kirche aus unten durch die dicken Wehrtürme, in denen sich kleine Ausstellungen befinden. Einige Räume sind im alten Stil eingerichtet. Der Besuchersaal und der Speisesaal sind besonders schön hergerichtet.

Mittelalterliche Brücke vor Pommiers. - © Foto: Erich Kimmich     Mauer-Kunst. - © Foto: Erich Kimmich

Wehrhaftes Kloster Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich    Kreuzgang im Kloster Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Eingang in den Kreuzgang im Kloster Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Kloster Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich    Restaurant Le Savigny, Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Bleigraue Wolken kündigen den nahenden Regen an, es ist gegen 20 Uhr als die ersten dicken Tropfen fallen und ich am Eingang des Restaurants Le Savigny stehe. Ich entscheide mich für eine Muschel-Fisch-Creme und ein Filet de Boeuf mit Morchelrahmsoße und Gemüse. Ich trinke einen roten Côtes du Forez Les Loges dazu und genieße die verschiedenen Käsesorten, die es als Nachgang gibt. Mit einem süßen Allerlei beschließe ich den Genuss.

Restaurant Le Savigny, Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich    Restaurant Le Savigny, Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Restaurant Le Savigny, Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich    Restaurant Le Savigny, Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Der Regen hat aufgehört und durch die klare, immer noch warme Abendluft marschiere ich zum Campingplatz zurück. Die abziehenden Regenwolken und die untergehende Sonne verzaubern das wehrhafte Klosterdorf wie im Märchen.

Zauberhaftes Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Zauberhaftes Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

 

Wetter: teils sonnig, teile wolkig, warm; 23 °C Tagesstrecke 24,4 km Durchschnittstempo inkl. Pausen; ohne Pausen: 4,1 km/h 2,6 km/h Unterwegszeit 8:13 Summe Aufstiege. 587 hm Summe der Abstiege. 585 hm Gesamt-Kilometer des Abschnitts 2015 (Dole - Montbrison). 369,6 km.

 

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Mein Buch-Tipp:

Rother Wanderführer: Jakobsweg Strasbourg - Le PuyDie Pilgerrouten nach Santiago de Compostela führen quer durch Europa. Einer dieser Wege nimmt seinen Ausgangspunkt in Straßburg und stellt nach 800 km in Le Puy-en-Velay den Anschluss an die Via Podiensis her. Dieser Jakobsweg ist im Gegensatz zum Spanischen Jakobsweg ein eher ruhiger Weg, auf dem kein Rummel herrscht. Zunächst wird das lebensfrohe Elsass mit seinen mittelalterlich anmutenden Winzerorten durchquert. Thann ist ein alter Pilgertreff- und Sammelpunkt, auch heute noch mündet der Jakobsweg aus dem süddeutschen Raum hier ein. Nach Belfort zieht der Weg durch die Franche-Comté. In Burgund ist man in den berühmtesten Weinberglagen der Welt unterwegs. Das im Mittelalter bedeutende geistige Zentrum Cluny zieht die Aufmerksamkeit der Pilger auf sich.
Dieser bewährte Rother-Wanderführer bietet alle nötigen Informationen zur Planung und Durchführung der Pilgerfahrt. Detaillierte Karten, präzise Beschreibungen der einzelnen Streckenabschnitte inklusive aussagekräftiger Höhenprofile sowie umfangreiche Angaben zur Infrastruktur am Weg, wie etwa Einkehr- oder Einkaufsmöglichkeiten, erleichtern die individuelle Tourenplanung auch abweichend von den im Buch gewählten Etappen. Außerdem werden umfassende Infos zu Lage und Ausstattung der am Weg liegenden Gîtes d Etapes sowie Hinweise auf weitere Übernachtungsgelegenheiten gegeben. Eine Auswahl aussagekräftiger Bilder vermittelt einen ersten Eindruck von der Vielfalt der Landschaft an diesem Jakobsweg und macht Lust, den Rucksack zu packen und aufzubrechen.

Renate Florl:
Französischer Jakobsweg:
Von Straßburg bis Le Puy-en-Velay
41 Etappen
224 Seiten; 14,90 Euro
Bergverlag Rother; 1. Auflage (2009)

Auf der grünen Piste nach Taizé und Cluny

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Samstag 30. Mai 2015. Von St-Gengoux-le-National über Taizé nach Cluny.

Claude kümmert sich aufmerksam um ihren Gast. Sie hat für mich in Cluny einen Schlafplatz reserviert. Beim Frühstück erfahre ich noch einiges mehr über die Renovierungsarbeiten, die sie in Les Lierres durchgeführt hat. Nebenbei gießt sie ihre Pflanzen und Fensterblümchen. Als ich abmarschbereit bin, stellen wir uns vor dem Haus zu einem Abschiedsfoto auf. Der Selbstauslöser macht seine Arbeit ausgezeichnet.

Die Türme der Kirche in St-Gengoux. - © Foto: Erich Kimmich    Gastgeberin Claude Moreau und ihr pilgernder Gast. - © Foto: Erich Kimmich

Bergfried (1683) und davor das Waschhaus. - © Foto: Erich Kimmich

St-Gengoux-le-National ist mir ans Herz gewachsen. Als ich dann am Hotel de la Gare vorbei komme, stelle ich fest, dass an diesem Bahnhof längst keine Züge mehr fahren. Eine Voie Verte, eine „grüne Strecke“, ist aus der stillgelegten Bahntrasse geworden – eine Piste für Radfahrer, Skater und Wanderer. Alles ist sehr gut beschriftet und markiert. An querenden Straßen hat die Voie Verte Vorfahrt sofern es sich nicht um belebte Hauptstraßen handelt: Dann müssen die Radwanderer Rücksicht nehmen.Ich setze mich auf eine der zahlreichen Sitzbänke und schnüre die Schuhe fester.

St-Gengoux: Bahnhof und Voie Verte. - © Foto: Erich Kimmich    Auf der Voie Verte Richtung Süden. - © Foto: Erich Kimmich

Jetzt kann ich mal zeigen, welches Tempo ich im optimalen Flachland zu leisten vermag. Doch schneller als 6 km/h wird es nicht. Mir fehlt offenbar noch diese Fitness, die sich erst nach einigen Wanderwochen so richtig einstellt.

Bahnbrücke bei Cormatin. - © Foto: Erich Kimmich    Chateau Cormatin. - © Foto: Erich Kimmich

Vor Malay führt die Route über das Flüßchen La Guye. Dann sehe ich das Schloss von Cormatin auf der linken Seite. Immer wieder stehen Sitzbänke am Rand der Piste, die ich gerne für eine kleine Verschnaufpause nutze. Wenn es auf anderen Abschnitten solche Sitzbänke gegeben hätte – was wäre das für ein Komfort gewesen!

Abzweig nach Taize: unten verläuft die Voie Verte. - © Foto: Erich Kimmich   

Gleich hinter Cormatin quert die Voie Verte eine Straße und dann verlässt der Muschelweg die Radpiste, steigt sanft aufwärts, an herrlichen Eichenbäumen vorbei. Schon nach wenigen Metern hat man einen Überblick auf die Umgebung. An einer langen Steinmauer entlang kommt der Pilger ins Dörfchen Ameugny und ich bewundere den Turm der uralten Kirche.

. - © Foto: Erich Kimmich    Kirchturm in Ameugny. - © Foto: Erich Kimmich

Rosenblüten in Ameugny. - © Foto: Erich Kimmich

Es ist gegen 12 Uhr mittags. Ein Mädchen fotografiert die blühenden Rosen an einer Hauswand, andere schlendern auf der Straße. Immer mehr Leute gehen in meine Richtung, Jugendliche zumeist. Sie reden in allen Sprachen, ich höre bayrisch, englisch, französisch. Oder sie gehen schweigend, sind einzeln oder meist in Grüppchen. Da wird mir klar, dass Taizé nicht mehr weit sein kann.

Auf dem Weg zum Gebet in Taizé. - © Foto: Erich Kimmich

Ich lasse mich einfach mit dem Strom der Vielen dahin treiben und schon bald stehe ich vor dem zeltartigen Eingang der Ökumenischen Gemeinschaft von Taizé. An den Türen stehen Jugendliche mit einem „Silence“-Schild. Um 12.30 Uhr beginnt das Gebet. Mit fröhlichen Liedern, die in mehreren Sprachen gesungen werden. Sitzbänke gibt es nicht; man sitzt auf dem Boden in markierten Abschnitten. Es ist eine Woche nach Pfingsten und offenbar sind viele Besucher da. Von meinem Sitzplatz im hinteren Teil des verschachtelten Gebäudes – den schweißnassen Rucksack habe ich neben mich an die Außenwand gestellt – kann ich nicht mal bis zum Zentrum des Geschehens sehen.

Ökumenische Gemeinschaft von Taize. - © Foto: Erich Kimmich    Ökumenische Gemeinschaft von Taize. - © Foto: Erich Kimmich

Ökumenische Gemeinschaft von Taize. - © Foto: Erich Kimmich

Nach knapp 30 Minuten ist das Gebet beendet und die Menge verläuft sich. Einige Jugendliche sind gruppenweise zum Staubsaugen eingeteilt und reinigen die Teppichbodenfläche mit Ungetümen der Marke Nilfisk. Nun durchschreite ich die hallenartige Versöhnungskirche und bewundere den Altarbereich und die stimmungsvollen, farbigen acht Glasfenster an der Südseite, die wie moderne Schießscharten in die Betonwand eingelassen sind. Sie wurden von Frère Éric de Saussure gestaltet.

Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich    Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich

Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich    Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich

Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich    Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich

Die ökumenische Gemeinschaft Taizé wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Roger Schutz gegründet. Heute leben etwa 90 Brüder in Taizé, die sich für ein Leben im Vertrauen auf die Lehre Christi und für die Versöhnung unter den Menschen stark machen. Neben der Kirche hat es große Zeltstädte und einfache Unterkünfte. Drei Mal täglich trifft man sich zum beten und singen.

Es hat mich ausgeglichener gemacht; sogar den Hunger kann ich eine Weile noch ignorieren. So spaziere ich durch das kleine Dorf hinaus, das mehr als 100.000 Jugendlichen pro Jahr besucht wird. Schon bald bin ich wieder auf der Voie Verte angelangt und nutze eine der Sitzbänke für eine Vesperpause.

Auf der Voie Verte nach Cluny. - © Foto: Erich Kimmich    Cluny in Sicht. - © Foto: Erich Kimmich

Noch etwa zehn Kilometer monotones Schritt-für-Schritt stehen mir bevor. Die TGV-Linie von Paris nach Lyon und Marseille kreuzt die grüne Route. Im 5-Minuten-Abstand sausen die Hochgeschwindigkeitszüge in beide Richtungen vorbei wie donnernde Düsenjäger – doch keiner macht Halt in Cluny! Claude hat mir heute morgen von Leuten erzählt, die täglich nach Paris pendeln. Doch es ist mehr als die eine Stunde Fahrzeit, denn am Ziel muss noch der Weg zum Arbeitsplatz, am Start die Autofahrt zum TGV-Bahnhof dazu gezählt werden…

Als ich die markante Kirche von Cluny sehe, verlasse ich die Voie Verte. Die Jakobsmuschel leitet mich ins Zentrum. Bald habe ich die städtische Herberge „Cluny séjour“ gefunden und mich eingerichtet. Durst und Hunger sind nun die wichtigsten Bedürfnisse. Also: Los ins Städtchen! Am Place du 11 août, dem Vorplatz der ehemaligen Abteikirche, steht eine Gruppe von Franzosen, die fröhliche Lieder im Walzertakt singen. Denen macht das Singen richtig Spaß! Es entsteht eine lockere Stimmung auf dem Platz. Ein wenig Zuhören und ein demi peche dazu. Prima. Ein Blumenbeet ist in voller Blüte.

Blütenvielfalt in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Singgruppe in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich    Abteikirche Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Ich gehe ein Stück in die Rue Mercière und entscheide mich am Place Petit Marché für das Restaurant La Nation. Die Sonne scheint durch eine Seitenstraße hinter Notre-Dame, die Gäste und die Gläser glänzen im Gegenlicht. Es ist eine wunderbare Stimmung, einer dieser ganz besonderen Momente.

Restaurant la Nation in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Gegenlicht beim Abendessen. - © Foto: Erich Kimmich

Auch die Speisekarte ist eine Offenbarung. Ich entscheide mich für das Menu de la Nation zu 28 Euro und wähle folgendes aus:

  • Tranché de Foie gras de canard, Réduction de cassis et Chutney
  • Le Filet de Saint-Pierre, le Beurre rouge, les Légumes du marché
  • La Variété de fromage au choix
  • Crème de fraises

Tranché de Foie gras de canard, Réduction de cassis et Chutney. - © Foto: Erich Kimmich    Saint Veran, burgunder Weißwein. - © Foto: Erich Kimmich    Le Filet de Saint-Pierre, le Beurre rouge, les Légumes du marché. - © Foto: Erich Kimmich

Varieté de fromages. - © Foto: Erich Kimmich    Creme de fraises. - © Foto: Erich Kimmich    Restaurant la Nation in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Die Speisen sind sorgfältig abgestimmt und äußerst wohlschmeckend. Ich bin andächtig dabei und genieße jeden Bissen. Es ist Nacht geworden und schon spät, als ich beschwingt den Rückweg ins Quartier antrete.

Restaurant la Nation in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Zuvor werfe ich einen andächtigen Blick hinauf zum Turm der Abteikirche. Soeben ist der Mond hinter eine Wolke verschwunden.

Abteikirche in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Nächtliches Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Wetter: bewölkt, abends heiter; 20 °C Tagesstrecke 24,4 km Durchschnittstempo inkl. Pausen; netto 4,49 kmh 3,01 km/h Unterwegszeit 8:06 Summe Aufstiege. Maximale Höhe 350 m 526 hm Summe der Abstiege. Minimale Höhe 171 m 551 hm Gesamt-Kilometer des Abschnitts 2015 (Dole - Montbrison). 180,4 km.

 

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Ein Blick in die Etappen-Karte:

Auf dem Burgunder Jakobsweg bis Montbrison

Grüne Hecken und weite Landschaft

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Freitag 29. Mai 2015. Von St-Désert entlang der Hügelkette nach St-Gengoux-le-National.

Um acht Uhr soll es Frühstück geben hatten wir vereinbart. Ich gehe die Treppe hinunter und wieder außen herum auf die Terrasse am Garten, die Tür fällt lautstark ins Schloss. Der Kies knirscht lautstark beim Auftreten. Doch nichts passiert. Gegen 8:30 Uhr sehe ich die Hausherrin dann durchs Küchenfenster und sie deckt nun das Frühstück auf der Terrasse. Ein wenig widerwillig wie mir scheint. Auf die Frage, was ich noch möchte und meiner Antwort „Orangensaft“ belehrt sie mich, dass das nicht gesund sei. Sie hat bereits Orangenspalten und Bananenstücke in einer Art Müsli hergerichtet. Zusammen mit einem frischen Croissant, dunklem Brot, Orangenmarmelade und einer Mini-Flûte ergibt sich ein feines Frühstück. Ihr Mann hat mir ein Käppi geschenkt als ich davon erzählt habe, wie sehr mich die Sonne gestern traktiert hat.

Mit neuer Kopfbedeckung. - © Foto: Erich Kimmich     Bewohnte Windmühle bei St-Desert. - © Foto: Erich Kimmich     Blumenpracht am Wegrand. - © Foto: Erich Kimmich
Mein Rucksack ist bereits gepackt und so starte ich in St-Désert um 9:25 Uhr. Vor dem Haus den Berg hinauf, gegenüber kann ich den Mont Avril sehen, den ich gestern quasi umrundet habe. In aller Ruhe geht es aufwärts, Sonne pur und dazu ein kräftiger Wind. Prima. Das nimmt den Schweiß gleich mit! Im Turm einer alten Windmühle wohnt eine Familie. Märchenhaft! Bald habe ich die korrekte Wegstrecke wieder erreicht und folge der blau-gelben Jakobsmuschel.

Blick nach Moroges. - © Foto: Erich Kimmich

Leucht-Wölkchen. - © Foto: Erich Kimmich      Abwechslungsreicher Wegverlauf. - © Foto: Erich Kimmich

Rast am Croix-de-St-Morille. - © Foto: Erich Kimmich

Am Croix-de-St-Morille ist eine Sitzbank unter der großen Eiche. Hier mache ich eine Rucksackpause. Im Wind trocknen die nass geschwitzten Klamotten recht rasch. Das ist eine ausgezeichnete Wetter-Mischung heute! Der Blick reicht weit ins Land hinaus; ein wunderschönes Plätzchen ist das hier.

Panorama-Ausblick in die Weinberge. - © Foto: Erich Kimmich

Einige Kilometer weiter kommt der nächste Rastplatz. Hier steht hoch über dem Tal der Grosne eine Marienstatue an der Bergkante und blickt hinaus in die Weite. Diese Sonne ist heute durch den Wind wunderbar angenehm. Diese Aussicht ist genial! Tief unten sind Weinberge und kleine Weiler zu sehen, das müssten St-Vallerin und Jully-lès-Buxy sein weiter hinten.

Ausblick von der Marienstatue aus. - © Foto: Erich Kimmich

Der Wegverlauf ist einzigartig. Immer wieder bietet sich diese herrliche Aussicht, dann stehen wieder grüne Hecken links und rechts des Weges.

Cotes du Maconnais. - © Foto: Erich Kimmich

Mauer auf ursprüngliche Art. - © Foto: Erich Kimmich

Vor Culles-les-Roches geht es abwärts. Bei einer kurzen Rast überholt mich eine wandernde Dame. Später überhole ich zwei Wandersmänner. Noch ein paar Kilometer leicht abwärts und ich erreiche ganz unverhofft das mittelalterliche Städtchen St-Gengoux-le-National, das mich gleich in seinen Bann zieht. Doch zuerst: Durst! Also nehme ich vor dem Gasthaus oberhalb der Apotheke Platz und genieße ein prickelnd-kühles Panachée.

Panachee in St-Gengoux. - © Foto: Erich Kimmich

Im Tourismusbüro frage ich nach Unterkünften. Die freundliche Dame telefoniert gleich los und vermittelt mich zum Gästezimmer Les Lierres (Der Efeu) in die Rue des Chapeliers. Hier empfängt mich eine ältere Dame. Sie heißt Claude und hat insgesamt drei Betten zu vermieten, mit Wifi, Kochgelegenheit und Dusche. Sie hat  im Jahr 2000 dieses schmale Haus gekauft und seither liebevoll renoviert und restauriert. Sie bietet sogar einen Wäsche-Service, den ich dankbar annehme.

Gästezimmer Les Lierres. - © Foto: Erich Kimmich

Mein Zimmer in Les Lierres. - © Foto: Erich Kimmich    Blick aus dem Fenster. - © Foto: Erich Kimmich
Die Zimmer strahlen eine wohnliche Heiterkeit aus. Hier gefällt es mir. Sehr zu empfehlen!

St-Gengoux liegt an der Weinstraße des Mâconnais. Es liegt am Kreuzungspunkt zweier antiker römischer Routen (Tournus – Mâcon und Joncy – Loire) und war schon in merowingischer Zeit besiedelt. Im Jahr 925 errichteten die Benediktiner aus Cluny eine Kirche, die dem Heiligen Gengoul gewidmet war. 1120 wurde eine neue Kirche errichtet; 1166 wird Saint Gengoux und seine Umgebung dem König Ludwig VIII unterstellt.  Im Jahr 1200 erlässt Ludwig eine königliche Charta, die Stadt heißt ab 1246 Saint Gengoux le Royal. 1793 wird die Stadt im Zuge der Revolution in Jouvence umbenannt. Ab 1870 nennt sie sich dann St-Gengoux-le-National. Heute ist sie eine der Sites clunisiens.

Die Kirche St. Gengoux. - © Foto: Erich Kimmich

Mauer-Blümchen in St. Gengoux. - © Foto: Erich Kimmich     Kapitell-Köpfe, Kirche in St. Gengoux. - © Foto: Erich Kimmich

Pflaster-Optik in St. Gengoux-le-National. - © Foto: Erich Kimmich

Der alte Turm St. Gengoux-le-National. - © Foto: Erich Kimmich    Charakteristische Fenster von Anfang 13, Jh. - © Foto: Erich Kimmich

Mittelalterliche Katze. - © Foto: Erich Kimmich    Hier nicht sitzen! - © Foto: Erich Kimmich

Dann mache ich mich auf zu einem Rundgang durch die wundervolle Altstadt. Er beginnt beim Waschaus von 1857. In der Kirche von 1566 mit ihrem zusätzlichen Uhrenturm und einer Zugangsbrücke zum achteckigen romanischen Glockenturm werfen die Glasfenster farbige Sonnenflecken an die Wände. Köpfe bilden den Abschluss der Bögen.  Ich fühle mich wie in eine frühere Epoche zurückversetzt. In einer kleinen Sackgasse steht ein uriger Turm, einer der ältesten der Stadt, der zur ersten Stadtmauer gehört hat Anfang des 13, Jahrhunderts. Oberhalb der Stadt steht der efeuumwachsene Turm François I und der sogenannte Mönchsturm, in dem früher die Soldaten untergebracht waren. Ein Fachwerkhaus reiht sich ans andere. Der Turm „La Courtille“ ist ein Treppenturm, der dem davor liegenden Platz seinen Charme gibt.

Place de la Courtille. - © Foto: Erich Kimmich

Hausdetail in St-Gengoux-le-National. - © Foto: Erich Kimmich

Am Abend kehre ich nochmals oberhalb der Apotheke dort ein, wo ich meinen ersten Durst gelöscht habe. Das Menü ist preiswert und sehr gut: Als Vorspeise gibt es reichlich Burgunder Schinken, als Hauptgericht habe ich mich mutig für den Tete de Veau entschieden, mit Sauce Gribiche – ein herrlich zartes Fleisch mit Kartoffeln und dieser wunderbaren Sauce mit dem eigenartigen Namen.

Abendessen: Burgunder Schinken. - © Foto: Erich Kimmich    Abendessen: Burgundischer Wein. - © Foto: Erich Kimmich    Tete de Veau. - © Foto: Erich Kimmich

Käse-Nachtisch. - © Foto: Erich Kimmich     Aprikosen-Flan. - © Foto: Erich Kimmich     Nächtlicher Heimweg. - © Foto: Erich Kimmich

Jana bietet mir aus der Ferne per WhatsApp gleich die Lösung: Sauce gribiche  ist eine traditionelle kalte Soße mit Ei, Kapern, Gewürzgurken, Senf, Essig, Öl, Estragon und Kerbel. Dazu ein kleines Fläschchen Montagny 1er Cru. Zum Abschluss gibt es dreierlei Käse und einen Flan d’abricots. Und natürlich ein Espresso ganz zum Schluss.
Schließlich frage ich neugierig, was die Herren da drüben genau trinken. Es ist „un demi peche“ – ein Bier mit einem Schuss Pfirsich-Sirup. Gut zu wissen… Neu gestärkt und wohlig gesättigt gehe ich zu Bett.

Wetter: sonnig, windig und warm; 24 °C  Tagesstrecke 22 km Durchschnittstempo inkl. Pausen 2,3 km/h Unterwegszeit 9:18 Summe Aufstiege. Maximale Höhe 350 m 668 hm Summe der Abstiege. Minimale Höhe 171 m 667 hm Gesamt-Kilometer des Abschnitts 2015 (Dole - Montbrison). 156,0 km.

 

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Rother Wanderführer: Jakobsweg Strasbourg - Le PuyDie Pilgerrouten nach Santiago de Compostela führen quer durch Europa. Einer dieser Wege nimmt seinen Ausgangspunkt in Straßburg und stellt nach 800 km in Le Puy-en-Velay den Anschluss an die Via Podiensis her. Dieser Jakobsweg ist im Gegensatz zum Spanischen Jakobsweg ein eher ruhiger Weg, auf dem kein Rummel herrscht. Zunächst wird das lebensfrohe Elsass mit seinen mittelalterlich anmutenden Winzerorten durchquert. Nach Belfort zieht der Weg durch die Franche-Comté. In Burgund ist man in den berühmtesten Weinberglagen der Welt unterwegs. Das im Mittelalter bedeutende geistige Zentrum Cluny zieht die Aufmerksamkeit der Pilger auf sich.
Dieser bewährte Rother-Wanderführer bietet alle nötigen Informationen zur Planung und Durchführung der Pilgerfahrt. Detaillierte Karten, präzise Beschreibungen der einzelnen Streckenabschnitte inklusive aussagekräftiger Höhenprofile sowie umfangreiche Angaben zur Infrastruktur am Weg, wie etwa Einkehr- oder Einkaufsmöglichkeiten, erleichtern die individuelle Tourenplanung auch abweichend von den im Buch gewählten Etappen. Außerdem werden umfassende Infos zu Lage und Ausstattung der am Weg liegenden Gîtes d Etapes sowie Hinweise auf weitere Übernachtungsgelegenheiten gegeben. Eine Auswahl aussagekräftiger Bilder vermittelt einen ersten Eindruck von der Vielfalt der Landschaft an diesem Jakobsweg und macht Lust, den Rucksack zu packen und aufzubrechen.

Renate Florl:
Französischer Jakobsweg:
Von Straßburg bis Le Puy-en-Velay
41 Etappen
224 Seiten; 14,90 Euro
Bergverlag Rother; 1. Auflage (2009)

Durchs Burgund von Beaune nach Chagny

Jakobsweg, Wandern Diesen Beitrag kommentieren »

Mittwoch 27. Mai 2015. Von Beaune über Meursault nach Chagny.

Nach dem Frühstück begleite ich Helmut zum Bahnhof. In wenigen Stunden wird er zu Hause sein und sich ärztlich untersuchen lassen. Die Schmerzen haben nicht nachgelassen.
Ein Haus fällt durch eine aufgemalte Filmszene auf: Da steht offenbar Louis de Funès vor dem Hôtel Dieu in Beaune und es wird offenbar ein Film gedreht. Lebensgroße Figuren!

Gemalte Filmszene in Beaune. - © Foto: Erich Kimmich    Gemalte Filmszene in Beaune. - © Foto: Erich Kimmich

Ein Stück später stehe ich genau dort beim Hôtel Dieu. Ein kleiner Markt findet statt. Bunte Stofftaschen, Salamiwürste und Käse werden angeboten. Die Stadt ist voller Touristen.

Feinste Käse. Markt in Beaune. - © Foto: Erich Kimmich

Salami. Markt in Beaune. - © Foto: Erich Kimmich     Antiquitätenhändler in Beaune. - © Foto: Erich Kimmich

Ein Antiquitätengeschäft zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich verlasse die Altstadt und bin bald wieder mitten in den Weinbergen. Heute will ich zur Abwechslung meine Wanderhalbschuhe ausprobieren, die ich ansonsten für Abends dabei habe. Doch bald merke ich: darin läuft es sich keineswegs besser. Die Sonne liefert zwischen den Wolken ein spannendes Lichtspiel: Ein kleines Weinberghäuschen leuchtet schneeweiß inmitten der Reben.

Südlich von Beaune. - © Foto: Erich Kimmich

Radroute durch die Weinberge. - © Foto: Erich Kimmich     Weinberg-Blüten. - © Foto: Erich Kimmich

Ein älteres Ehepaar – echte Wanderer – kommt mir entgegen. Natürlich wird man als Rucksackwanderer sofort angesprochen. Sie haben offenbar Sigrid südlich von Beaune getroffen und erzählen mir davon. Sie hat offenbar einige Kilometer Vorsprung.
Der Wanderweg durch die Grands Crus verläuft fast ohne motorisierten Verkehr inmitten der Weinflächen. Überall wird in den Rebzeilen gearbeitet. Die Strecke ist ab Beaune als „Veloroute La Voie des Vignes“ markiert. Zwei Asiaten kommen auf Leihfahrrädern vorbei. Am nächsten zarten Hügelchen hole ich sie wieder ein, denn nun schieben sie ihr Fahrrad. Im Angesicht von Schloss Pommard wechsle ich wieder in die Wanderschuhe. Trotz der Sonne ist es recht warm und ich spüre jeden Sonnenstrahl.

Klicken für Panorama-Ansicht

Chateau Pommard. - © Foto: Erich Kimmich

Gesegnete Landschaft. - © Foto: Erich Kimmich    Volnay: Blüten in den Mauern. - © Foto: Erich Kimmich

Über Volnay erreiche ich gegen Mittag den bekannten Weinort Meursault. Im Hotel du Centre setze ich mich auf einen der Stühle vor dem Haus. Eine junge Dame bittet mich in den Innenhof, der ruhig und schattig und nicht so zugig sei. Dort haben sich schon einige andere Touristen zum Mittagessen niedergelassen. Ich bestelle ein Krüglein frischen Meursault (Chardonnay) und eine Lachsplatte dazu. Sie erzählt, dass sie auch schon auf den Jakobsweg von Le Puy aus gewandert sei.

Chardonnay de Meursault. - © Foto: Erich Kimmich    Lachsteller in Meursault. - © Foto: Erich Kimmich

Wasser zum Wein. - © Foto: Erich Kimmich    Alter Marc de Bourgogne. - © Foto: Erich Kimmich

Rathaus in Meursault. - © Foto: Erich Kimmich

Ich ziehe wieder los, am Rathaus mit seinem bunten Dachziegeln und dem Springbrunnen vorbei und weiter durch die lang gezogenen Weinfelder. Spezialmaschinen sind im Einsatz, es ist noch wärmer geworden. Jeder Weinberg hat seinen guten Namen an einem steinernen Eingangsportal stehen, „Domaine Clos de la Chapelle“ steht da zum Beispiel. Oder „Montrachet, Marquis de Laguiche“.

Arbeit im Weinberg. - © Foto: Erich Kimmich    Weinberge bei Chassagne-Montrachet. - © Foto: Erich Kimmich

Weinberge bei Chassagne-Montrachet. - © Foto: Erich Kimmich

Bei Chassagne-Montrachet, dessen Weine weltweit geschätzt werden, wird die Landschaft ein wenig hügeliger. Weiter südlich überquert der Camino die Bahnlinie und führt an einer uralten Brücke vorbei nach Remigny.

Alte Brücke vor Remigny. - © Foto: Erich Kimmich    Canal du Centre bei Remigny. - © Foto: Erich Kimmich

Canal du Centre bei Chagny. - © Foto: Erich Kimmich    Canal du Centre bei Chagny. - © Foto: Erich Kimmich

Hinter dem Rand des Dörfchens zieht sich der Canal du Centre. Auf 114 Kilometern zieht sich diese künstliche Wasserader. Sie verbindet den Atlantik mit dem Mittelmeer, in dem sie Loire und Rhône miteinander verknüpft. 81 Schleusen und 62 Brücken sind dafür ab dem Jahr 1783 gebaut worden. Heute begegnen dem Wanderer nur hin und wieder ein paar Hausboote. Links und rechts des Kanals ist für Wanderer, Jogger und Radfahrer viel Platz zur Bewegung. In einer sanften Schleife tut sich ein kurzer Blick auf die Kirche von Chagny auf. Bald bin ich am heutigen Ziel angelangt!

Auf Höhe des Bahnhofs verlasse ich den Kanal und komme ins Stadtzentrum von Chagny: Jetzt brauche ich erstmal ein erfrischendes Panaché! Danach werde ich eine Unterkunft suchen.  Im Hotel de la Ferté finde ich eine prima Bleibe. Ein Restaurant gibt es dort jedoch keines. Also schlendere ich frisch geduscht und ohne rucksacklos durch die Straßen. In einer Pizzeria genieße ich einen Salade Niçoise und eine Spezialkomposition namens „Pizza Andouillette“ und zum Abschluss eine wunderbare Kugel Cassis-Eis. Im Hotel falle ich innerhalb von Minuten in den Tiefschlaf.

Immer wieder ein super Durstlöscher: Panachee. - © Foto: Erich Kimmich    Pizza Andouillette. - © Foto: Erich Kimmich

Wetter: bewölkt und warm; 25 °C Tagesstrecke 24,1 km Durchschnittstempo inkl. Pausen; ohne Pausen 4,3 kmh 3,1 km/h Unterwegszeit 7:45 Summe Aufstiege. Maximale Höhe 350 m 468 hm Summe der Abstiege. Minimale Höhe 171 m 449 hm Gesamt-Kilometer des Abschnitts 2015 (Dole - Montbrison). 108,0 km.

 

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Rother Wanderführer: Jakobsweg Strasbourg - Le PuyDie Pilgerrouten nach Santiago de Compostela führen quer durch Europa. Einer dieser Wege nimmt seinen Ausgangspunkt in Straßburg und stellt nach 800 km in Le Puy-en-Velay den Anschluss an die Via Podiensis her. Dieser Jakobsweg ist im Gegensatz zum Spanischen Jakobsweg ein eher ruhiger Weg, auf dem kein Rummel herrscht. Zunächst wird das lebensfrohe Elsass mit seinen mittelalterlich anmutenden Winzerorten durchquert. Thann ist ein alter Pilgertreff- und Sammelpunkt, auch heute noch mündet der Jakobsweg aus dem süddeutschen Raum hier ein. Nach Belfort zieht der Weg durch die Franche-Comté. In Burgund ist man in den berühmtesten Weinberglagen der Welt unterwegs. Das im Mittelalter bedeutende geistige Zentrum Cluny zieht die Aufmerksamkeit der Pilger auf sich.
Dieser bewährte Rother-Wanderführer bietet alle nötigen Informationen zur Planung und Durchführung der Pilgerfahrt. Detaillierte Karten, präzise Beschreibungen der einzelnen Streckenabschnitte inklusive aussagekräftiger Höhenprofile sowie umfangreiche Angaben zur Infrastruktur am Weg, wie etwa Einkehr- oder Einkaufsmöglichkeiten, erleichtern die individuelle Tourenplanung auch abweichend von den im Buch gewählten Etappen. Außerdem werden umfassende Infos zu Lage und Ausstattung der am Weg liegenden Gîtes d Etapes sowie Hinweise auf weitere Übernachtungsgelegenheiten gegeben. Eine Auswahl aussagekräftiger Bilder vermittelt einen ersten Eindruck von der Vielfalt der Landschaft an diesem Jakobsweg und macht Lust, den Rucksack zu packen und aufzubrechen.

Renate Florl:
Französischer Jakobsweg:
Von Straßburg bis Le Puy-en-Velay
41 Etappen
224 Seiten; 14,90 Euro
Bergverlag Rother; 1. Auflage (2009)