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Erichs (B)Logbuch » Geniessen

Blütengemüse

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Heute habe ich seit langem mal wieder eine Artischocke genossen. Einfach köstlich, dieses Blütengemüse aus der Korbblütler-Family
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Schluss-Etappe für 2015

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Dienstag 9. Juni 2015. Von Champdieu nach Montbrison und per TGV nach Basel.

Die diesjährige Pilger-Tour geht zu Ende: Morgen habe ich einen Termin in Lörrach und werde daher heute den Jakobsweg in Montbrison verlassen. Doch erstmal gibt es Frühstück bei Martine. Sie packt mir sogar noch ein Stück Käse mit ein, als Wegzehrung, und begleitet mich Zimmer in der alten Scheune bei Martine. - © Foto: Erich Kimmich dann zur Wehrkirche, wo sie mir die Krypta zeigen will. Dieses historische Städtchen beeindruckt mich mit seinem Stadttor Porte de Bise und der wehrhaften Priorei.  Hoch über uns lugen die Pechnasen heraus als wir die Kirche betreten. Hinten in der Ecke steigen wir hinab in die Krypta. Sie besteht aus einer Apsis und zwei Seitenkapellen. Auf dem Altar befindet sich eine Muttergottesstatue aus dem 19. Jahrhundert. Ein andächtiger Platz. Spürbare Geschichte.

Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich

Krypta der Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich    Krypta der Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich

In der Prioreikirche über die Krypta fallen die große Zahl romanischer Kapitelle mit ihren geometrischen, pflanzlichen Motiven und menschlichen Figuren auf. Sie illustrieren die Sicht der Welt der Menschen im Mittelalter: der ewige Kampf zwischen Lastern und Tugenden.

Kapitelle in der Kirche der Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich    Kapitelle in der Kirche der Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich

Die Kirche existierte bereits im elften Jahrhundert, ihr Grundriss ist dem lateinischen Kreuz entsprechend und typisch für die Kirchen des 12. Jahrhunderts. Der Hauptteil der Kirche war damals den Mönchen vorbehalten. Der Gottesdienst für die Dorfbewohner fand in einer der Seitenkapellen statt und wurde von einem Kaplan gelesen. Der Kreuzgang ist leider noch geschlossen.

In der Kirche der Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich     Wehrkirche Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich

Draußen beeindrucken mich die Bogenstrukturen (Machicoulis) , die sich um die Kirche herum ranken und die dazu dienten, den Feind nach unten hin zu beobachten und mit brennenden Materialien oder Geschossen zu bewerfen.

Priorei Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich

Blick zurück nach Champdieu. - © Foto: Erich Kimmich     Blick auf Montbrison und St-Romain-le-Puy. - © Foto: Erich Kimmich

Ich verabschiede mich von Martine, mache noch ein paar Fotos und folge wieder dem Muschelsymbol, das mich aus dem Ort hinaus bringt, leicht ansteigend über die Felder und Weinberge. Eine weite Aussicht lässt mich linker Hand Champdieu erkennen und rechts die städtischen Strukturen von Montbrison und dahinter den markanten Hügel von St-Romain-le-Puy mit dem einstigen Kloster. Über Curtieux und durch ein ausgedehntes Wohngebiet erreiche ich Montbrison.

Altstadt Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich    Altstadt Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich

Altstadt Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich    Altstadt Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich

Altstadt Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich    Panache in Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich

Gegen Mittag bin ich im Zentrum des attraktiven Städtchens, bewundere die urige Altstadt mit ihren alten Häusern, überquere den kanalisierten Bachlauf und stehe vor der gotischen Kirche Notre-Dame d’Espérance (1226-1466).  Hier verlasse ich den Chemin de St-Jacques und steuere Richtung Bahnhof. In einer Bar gibt es für mich ein Panaché. Auf dem Glas ein mexikanisches Motiv…

Eingangsdetail in Montbrison. - © Foto: Erich Kimmich

Gegenüber des Bahnhofs entdecke ich ein „Routiers“-Restaurant und genieße ein solides, preiswertes Mittagessen. Anstelle des Zuges nach St-Etienne fährt ein Ersatzbus, da an den Schienen gearbeitet wird.

St-Etienne. - © Foto: Erich Kimmich    Bahnhofsplatz in St-Etienne. - © Foto: Erich Kimmich

Bahnhofsplatz in St-Etienne. - © Foto: Erich Kimmich

In St-Etienne habe ich ein wenig Zeit, schaue mir den Bahnhofsvorplatz und das Fahrradverleihsystem an. An einem benachbarten Haus sind riesige Cartoons aufgemalt. Auf dem Vorplatz wachsen gläserne Bäume! Der Regionalzug bringt mich nach Lyon, der TGV dann nach Basel (Bâle). Hier komme ich unangemeldet in der Jugendherberge unter und genieße am späten Abend im Gasthof zum Goldenen Stern nahe bei der Jugendherberge ein ausgesprochen genussvoll zubereitetes Abendessen.

Menü im Gasthof zum Goldenen Stern Basel. - © Foto: Erich Kimmich    Menü im Gasthof zum Goldenen Stern Basel. - © Foto: Erich Kimmich

Menü im Gasthof zum Goldenen Stern Basel. - © Foto: Erich Kimmich

Menü im Gasthof zum Goldenen Stern Basel. - © Foto: Erich Kimmich    Menü im Gasthof zum Goldenen Stern Basel. - © Foto: Erich Kimmich

407 Kilometer habe ich zurückgelegt. Fünf weitere Wandertage (oder 114 km) entlang der Loire über Valprivas und Retournac hätte ich noch gebraucht… und ich wäre in Le Puy angekommen, da wo ich 2013 schon von Genf her gewandert bin. Dieses Verbindungsstückchen möchte ich auf jeden Fall noch vervollständigen, sobald sich dafür eine Gelegenheit bietet.

Basel by night. - © Foto: Erich Kimmich

Überblick 2015:Alle Etappen meiner Jakobsweg-Wanderung 2015

Hier alle meine Etappen auf dem Sentier de St-Jacques in diesem Jahr – 407 Kilometer zwischen Dole und Montbrison.

Wetter: sonnig, einzelne Wolken; 24 °C Tagesstrecke 7 km   Gesamt-Kilometer des Abschnitts 2015 (Dole - Montbrison). 407,6 km.

 

Weiter nach Le Puy (Bericht aus 2013) Le-Puy-en-Velay (Etappe 2013) || nach oben || zurück: Pommiers – Champdieu


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Von St-Maurice nach Pommiers-en-Forez

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Sonntag 7. Juni 2015. Von St-Maurice-sur-Loire bis Pommiers-en-Forez.

Beim Frühstück sind noch zwei weitere Gäste. Die Gespräche verlaufen nun etwas schneller als gestern und ich habe alle Mühe, den Gesprächsfaden nicht zu verlieren. Ich verabschiede mich von Monsieur Alex. Dann verlasse ich das Dörfchen, hinter der alten Kirche geht es steil abwärts. Schon bald stehe ich am Ufer der Loire. Der Jakobsweg verläuft mit einem Gesundheitspfad ein Seitental entlang, an dessen Ende ein Aufstieg folgt. Schon bietet sich von der Höhe ein Blick zurück auf St-Maurice-sur-Loire, das vom Bergfried beschützt wird. Das Fernweh hat mich wieder. Der Ruhetag hat mir aber dennoch gut getan. Zwei junge Pilger überholen mich beim Fotografieren; ich habe sie gestern Abend schon durchs Dörfchen spazieren gesehen.

Abschied von meinem Quartier in St-Maurice-sur-Loire (links). - © Foto: Erich Kimmich    Blick von Bully nach St-Maurice-sur-Loire. - © Foto: Erich Kimmich

Eichenwald bei Bully. - © Foto: Erich Kimmich    Am zweiten Aufstieg zwischen Bully und Dance - © Foto: Erich Kimmich

Ein eindrucksvoller Eichenwald bringt mich nach Bully. Das Dörfchen wirkt ruhig und verschlafen. Die Blüten vor einem Haus lachen mir in allen Farben von gelb bis rot entgegen.

Blumenpracht in Bully. - © Foto: Erich Kimmich

Am Friedhof entlang verlasse ich Bully. Heute ist Sonntag. Und da kommen mir doch tatsächlich zwei Wanderer entgegen. Die Frau zückt die Kamera als sie mich sieht und fängt an, mich ungefragt abzuknipsen. Für ihre digitale Pilger-Sammlung? Der zweite Anstieg heute bringt mich nun auf einen über 500 m hoch gelegenen Höhenzug. Die schwüle Hitze macht mir zu schaffen. Ein lichtes Kiefernwäldchen begleitet mich bis zur Anhöhe. Dort stehen die beiden jungen Pilger wieder. Sie reden mit einem schönen Pferd in einer Koppel, das sich von ihnen kraulen lässt. Ich ziehe mit einem fröhlichen Hallo vorbei und bleibe hundert Meter weiter stehen: Dieses Panorama muss ich „einfangen“. Die beiden überholen mich wieder.

Blick zurück: Aufstieg hinter Bully. - © Foto: Erich Kimmich    Blick in die Loire-Ebene. - © Foto: Erich Kimmich

Ins Bild klicken für Panorama

Da unten kann ich den Kirchturm von Dancé sehen. Der Rundblick ist fantastisch, da unten fließt also die Loire, rechts da hinten wird mein Weg mich weiterführen, das sind die Berge des Forez und der Auvergne.

Panoramablick im Roannais. - © Foto: Erich Kimmich     Dance und das Loiretal. - © Foto: Erich Kimmich

Blick Richtung Montbrison / Le Puy. - © Foto: Erich Kimmich

Geradeaus geht es abwärts zum Kirchturm von Dancé. Rechts um die Ecke stehen die beiden Franzosen wieder. Da haben engagierte Damen einen mobilen Verpflegungsstand aufgebaut – nein, nicht wegen den paar Pilgern, sondern es gab wohl eine größere Gruppenwanderung, die hier vorbei geführt hat. So kommen wir Pilgernden in den Genuss eines heißen Kaffees, Schinken- und Käsebrote, ein paar Aprikosen und ein Apfel. „Greifen Sie ruhig zu!“ hieß es. All das war ja übrig, die Großgruppe war bereits durchgezogen. Die jungen Franzosen haben bei den beiden Müttern von der Verpflegungsstation mächtig Werbung für den Jakobsweg gemacht. Wenigstens die eine konnte es sich vorstellen, das auch mal zu machen. Ich bedankte mich herzlich und ging wieder auf die Piste. Nun war ich wieder vorne dran. Die weite Landschaft macht mir Freude!

Jakobsweg hinter Dance. - © Foto: Erich Kimmich     Blick Richtung Montbrison / Le Puy. - © Foto: Erich Kimmich

Im Roannais. - © Foto: Erich Kimmich

Hin und her und quer durch. - © Foto: Erich KimmichHinter dem Weiler Amions zieht sich der Weg durch einen langen Wald, dann abknickend entlang der Autobahn und durch eine Unterführung geradeaus zur Landstraße. Hier zeigen die Zeichen nach links. Ich bin unschlüssig, ob ich entlang der Straße gehen soll oder den parallelen grünen Pfad. Ein kleiner Bach verhindert, dass ich weiter gehe. Also ein Stück zurück. Da kommen ja die beiden Franzosen auch schon aus dem Wald. Wir beraten gemeinsam, wie wir gehen sollen. Schließlich haben wir uns alle drei verlaufen. Mein Navi zeigt das auch ganz deutlich an. Schließlich gehen wir auf der Reifenspur eines Traktors durch das Getreidefeld, um die nächstgelegene Landstraße zu erreichen.

Quer durch den Acker. - © Foto: Erich Kimmich

Dann sind es nur noch ein paar Kilometer und wir sind in Pommiers-en-Forez angekommen. Ich lade die beiden zu einem kühlen Drink ein. Alle drei Gläser sind schneller leer als erwartet. Das hat eine Gegeneinladung zur Folge und noch einen wohltuenden kühlen Schluck! Die beiden stammen aus der Gegend und haben beschlossen, mal ein paar Tage auf der Pilgerstrecke zu wandern. Sie ergänzen sich ganz gut. Gemeinsam gehen wir zum städtischen Campingplatz, der im Guide als Übernachtungsmöglichkeit aufgeführt ist.

Drei Pilger in Pommiers. - © Foto: Erich Kimmich

Ich hatte dort bereits angerufen und mir einen Wohnwagenplatz reserviert. Die beiden Jungs bauen weiter hinten ihr Zelt auf. Mich reizt die Altstadt von Pommiers, die wir rechts der Strecke haben liegen lassen.

Mein Wohnwagen in Pommiers. - © Foto: Erich Kimmich     Mein Wohnwagen in Pommiers. - © Foto: Erich Kimmich

Das ehemalige Benediktinerkloster dominiert den Blick von weitem. Ich leiste mir den Eintritt in das schon 1792 geschlossene Kloster, Man geht von der Kirche aus unten durch die dicken Wehrtürme, in denen sich kleine Ausstellungen befinden. Einige Räume sind im alten Stil eingerichtet. Der Besuchersaal und der Speisesaal sind besonders schön hergerichtet.

Mittelalterliche Brücke vor Pommiers. - © Foto: Erich Kimmich     Mauer-Kunst. - © Foto: Erich Kimmich

Wehrhaftes Kloster Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich    Kreuzgang im Kloster Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Eingang in den Kreuzgang im Kloster Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Kloster Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich    Restaurant Le Savigny, Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Bleigraue Wolken kündigen den nahenden Regen an, es ist gegen 20 Uhr als die ersten dicken Tropfen fallen und ich am Eingang des Restaurants Le Savigny stehe. Ich entscheide mich für eine Muschel-Fisch-Creme und ein Filet de Boeuf mit Morchelrahmsoße und Gemüse. Ich trinke einen roten Côtes du Forez Les Loges dazu und genieße die verschiedenen Käsesorten, die es als Nachgang gibt. Mit einem süßen Allerlei beschließe ich den Genuss.

Restaurant Le Savigny, Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich    Restaurant Le Savigny, Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Restaurant Le Savigny, Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich    Restaurant Le Savigny, Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Der Regen hat aufgehört und durch die klare, immer noch warme Abendluft marschiere ich zum Campingplatz zurück. Die abziehenden Regenwolken und die untergehende Sonne verzaubern das wehrhafte Klosterdorf wie im Märchen.

Zauberhaftes Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

Zauberhaftes Pommiers-en-Forez. - © Foto: Erich Kimmich

 

Wetter: teils sonnig, teile wolkig, warm; 23 °C Tagesstrecke 24,4 km Durchschnittstempo inkl. Pausen; ohne Pausen: 4,1 km/h 2,6 km/h Unterwegszeit 8:13 Summe Aufstiege. 587 hm Summe der Abstiege. 585 hm Gesamt-Kilometer des Abschnitts 2015 (Dole - Montbrison). 369,6 km.

 

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Mein Buch-Tipp:

Rother Wanderführer: Jakobsweg Strasbourg - Le PuyDie Pilgerrouten nach Santiago de Compostela führen quer durch Europa. Einer dieser Wege nimmt seinen Ausgangspunkt in Straßburg und stellt nach 800 km in Le Puy-en-Velay den Anschluss an die Via Podiensis her. Dieser Jakobsweg ist im Gegensatz zum Spanischen Jakobsweg ein eher ruhiger Weg, auf dem kein Rummel herrscht. Zunächst wird das lebensfrohe Elsass mit seinen mittelalterlich anmutenden Winzerorten durchquert. Thann ist ein alter Pilgertreff- und Sammelpunkt, auch heute noch mündet der Jakobsweg aus dem süddeutschen Raum hier ein. Nach Belfort zieht der Weg durch die Franche-Comté. In Burgund ist man in den berühmtesten Weinberglagen der Welt unterwegs. Das im Mittelalter bedeutende geistige Zentrum Cluny zieht die Aufmerksamkeit der Pilger auf sich.
Dieser bewährte Rother-Wanderführer bietet alle nötigen Informationen zur Planung und Durchführung der Pilgerfahrt. Detaillierte Karten, präzise Beschreibungen der einzelnen Streckenabschnitte inklusive aussagekräftiger Höhenprofile sowie umfangreiche Angaben zur Infrastruktur am Weg, wie etwa Einkehr- oder Einkaufsmöglichkeiten, erleichtern die individuelle Tourenplanung auch abweichend von den im Buch gewählten Etappen. Außerdem werden umfassende Infos zu Lage und Ausstattung der am Weg liegenden Gîtes d Etapes sowie Hinweise auf weitere Übernachtungsgelegenheiten gegeben. Eine Auswahl aussagekräftiger Bilder vermittelt einen ersten Eindruck von der Vielfalt der Landschaft an diesem Jakobsweg und macht Lust, den Rucksack zu packen und aufzubrechen.

Renate Florl:
Französischer Jakobsweg:
Von Straßburg bis Le Puy-en-Velay
41 Etappen
224 Seiten; 14,90 Euro
Bergverlag Rother; 1. Auflage (2009)

Gluthitze in der Roanner Ebene

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Donnerstag 4. Juni 2015. Von Briennon durchs Roannais bis St-Haon-le-Châtel.

Ein frisches Ei von den eigenen Hühnern. Bei Cathérine in Briennon gibt es feine Marmeladen und einen guten Kaffee zum Frühstück. Sie vermittelt mich auch gleich telefonisch ins nächste Quartier. Dann heißt es Abschied nehmen. Ein neues Stück Weg wartet. Wir spazieren ums Haus herum und Cathérine erzählt mir, dass sie das Motiv mit der blau gestrichenen Eingangstür als Motiv bei Facebook und auf ihren Werbekärtchen hat. Die orangefarbenen Lilien stehen in schönem Kontrast zur blauen Tür.

Les Heures Claires. - © Foto: Erich Kimmich

Les Heures Claires. - © Foto: Erich Kimmich    Les Heures Claires. - © Foto: Erich Kimmich

Neben dem Haus blühen Zwiebeln mit kugeligen Blüten, von denen ich ein Makrofoto mache. Diese warmen, intensiven Farben der Blüten und der Hausfront sind in der Morgensonne umwerfend beeindruckend. Dann starte ich gegen 9:15 Uhr. Zunächst muss ich nach Briennon zurück und benutze dazu den empfohlenen Weg entlang des Roanne-Digoin-Kanals. Nach 2,2 km erreiche ich an der Brücke in Briennon wieder den Jakobsweg.

Blühende Zwiebel (Detail). - © Foto: Erich Kimmich     Blühende Zwiebel. - © Foto: Erich Kimmich

Canal Roanne - Digoin - © Foto: Erich Kimmich     Briennon am Canal Roanne - Digoin - © Foto: Erich Kimmich

Ich nehme mir einige Minuten Zeit für die Kirche in Briennon, die auf das 11. Jahrhundert zurückgeht. Die romanischen Kapitelle sind flächig bemalt.

Briennon: Kirche Ste-Irémée. - © Foto: Erich Kimmich

Aus der kühlen Kirche gehe ich wieder hinaus in die Hitze, vorbei am kleinen Hafen und einer Scheune, die aus Ziegeln erbaut ist: durch die feinen Schlitze kann stets die Luft zirkulieren.

Briennon: Ziegel-Scheune. - © Foto: Erich Kimmich     Briennon: Restaurant-Schiff am Hafen. - © Foto: Erich Kimmich

Der Jakobsweg verlässt den Kanal und führt durch ein Wohngebiet und an einem schattigen Wald entlang. Nach etwa einer Stunde bin ich in La Bénisson-Dieu angelangt und mache einen Abstecher zur einstigen Zisterzienserabtei. Es ist das dritte ehemalige Kloster seit Charlieu.

La Bénisson-Dieu. - © Foto: Erich Kimmich

Kirche in La Bénisson-Dieu. - © Foto: Erich Kimmich    La Bénisson-Dieu. - © Foto: Erich Kimmich

In der Französischen Revolution wurde der Kreuzgang zerstört. So kann ich heute nur die beachtlich große Klosterkirche bewundern und die Rosen vor der Mauer. Die Hitze hat mich auf dem kurzen Wegstück schon beinahe wieder lahm gelegt. Es ist gegen Mittag. Ich mache eine ausgiebige Pause in den kühlen, schattigen Mauern, die den Geist der Vergangenheit in sich tragen. Ich bin der einzige Mensch hier. Es ist unglaublich ruhig.

Bach-Querung. - © Foto: Erich Kimmich    Blick auf Noailly. - © Foto: Erich Kimmich

Einen Kilometer weiter fehlt eine Brücke über den Fluss. Kleine Betonpföstchen dienen als „Trittsteine“. Nach einem Starkregen sieht diese Stelle vermutlich gefährlicher aus.

Leider nicht zum Baden. - © Foto: Erich Kimmich    Baum-Profil. - © Foto: Erich Kimmich

Der Weg knickt vor den Ortschaften ab. Hin und wieder kommen große Teiche, die vielleicht früher von den Mönchen zur Fischzucht angelegt wurden. Das kühle Nass zieht mich magisch an, Schilder wie „Privée“ und am Ufer sitzende Angler halten mich von einem kühlenden Bad allerdings ab.

Später läuft der Weg auf die Nationalstraße 7 zu, auf der ein unendlich tosender Verkehr schon aus der Ferne zu erkennen ist. Ich bin über mein Trinksystem sehr froh, denn so habe ich immer einen Schluck Wasser greifbar, wenn ich Durst verspüre. Und das ist andauernd der Fall.

Blick durch die Hitze zu den Madeleine-Bergen. - © Foto: Erich Kimmich

Endlich geht es durch das Dörfchen St-Romain-la-Motte und da gibt es sogar eine Bar! Juhuu! Schnell ist auch klar, dass es innen kühler ist als draußen. Nun sitze ich drinnen, den Rucksack habe ich draußen auf seinem Stuhl gelassen. Ein Panaché, ein Aprikosensaft, ein Espresso. Weiter gehts.

Hinter St-Romain-la-Motte steuert der Weg auf eine Bahntrasse zu. Ein Kilometer Umweg ergibt sich dadurch, dass man diese erst weiter links offiziell überqueren kann und dann auf der anderen Seite zurück geht. Bäume und Schatten sind inzwischen Mangelware geworden und ich frage mich, wie das die weißen Charolais-Rinder auf den Weiden eigentlich den ganzen Tag lang aushalten. Wenn es einen Baum gibt, stehen sie dicht an dicht in seinem Schatten. Am Himmel fliegt seit Stunden ein Düsenjäger seine Übungsrunden: Mal hinwärts, mal zurück und nach einer Weile wieder von neuem. Die Hitze legt mich allmählich lahm. Die Felder sind flach, weit, scheinbar endlos.

Sentier de St-Jacques. - © Foto: Erich Kimmich

Jour après jour la route nous appelle, c’est la voix de compostelle

Den ganzen Tag über bin ich weitgehend in der Ebene des Loiretals gewandert. Die Loire verläuft etwa zehn Kilometer links des Weges etwa parallel zum Jakobsweg. Zum Ende des Tages hin steigt der Weg nun auch noch an. Das Ganze – wie gestern und typisch Camino – gegen die Abendsonne, die mich frontal bescheint. Nach dem Überqueren der D8 steigt es nun richtig saftig an.

St-Haon-le-Châtel liegt in den Ausläufern der Madeleine-Berge. Die Mühe des Aufstiegs hat ihr Gutes: Die Aussicht in die Loire-Ebene ist hervorragend. Das Örtchen mit seinen knapp 600 Einwohnern überrascht durch seine uralten Häuser, die teilweise aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammen. Mittelalter-Feeling stellt sich ein. Ich gehe weiter aufwärts und komme gegen 18 Uhr zum Place Verdun vor dem Rathaus.

Neben dem Restaurant: Bar in St-Haon-le-Chatel. - © Foto: Erich Kimmich

Orangina! St-Haon-le-Chatel. - © Foto: Erich Kimmich    Gite communal Le Bourg in St-Haon-le-Chatel. - © Foto: Erich Kimmich

Da ist rechts das Restaurant Au Natur’Elles und links davon eine Mischung zwischen Boutique, Feinkost und Bar. Cathérine hatte mir erklärt, dass die Leute vom Restaurant auch die Gîte d’Etape bewirtschaften. Deshalb trinke ich erstmal eine kühle Orangina vor der Bar. Schon hat mich Natalie von nebenan als den angemeldeten Pilger ausgemacht und zeigt mir gleich den Weg zur städtischen Herberge. Dort bin ich neben einem älteren Herrn, der hier seinen Sohn besucht, der einzige Übernachtungsgast. Duschen, umziehen, Klamotten waschen und zum Trocknen aufhängen.

Altstadt St-Haon-le-Chatel. - © Foto: Erich Kimmich    Altstadt St-Haon-le-Chatel. - © Foto: Erich Kimmich

Vor dem Abendessen noch ein kleiner Spaziergang durch die alten Gassen. Die Stadtbefestigung stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Die Hitze strahlt noch aus denMauern. Die Abendsonne bringt die kleinen Gässchen zum Leuchten. Dann sitze ich wieder vor dem Au Natur’Elles und harre der „Halbpension“, die da kommen wird… Die Terrasse ist sehr geschmackvoll dekoriert, alle Plätze sind belegt. Das Essen schmeckt ausgezeichnet. Nach dem Apéritif Maison und dem Roséwein ist auch mein Flüssigkeitsbedarf meine Laune wieder bestens.

Im Restaurant Au NaturElles, St-Haon-le-Chatel. - © Foto: Erich Kimmich    Im Restaurant Au NaturElles, St-Haon-le-Chatel. - © Foto: Erich Kimmich

Im Restaurant Au NaturElles, St-Haon-le-Chatel. - © Foto: Erich Kimmich    Im Restaurant Au NaturElles, St-Haon-le-Chatel. - © Foto: Erich Kimmich

Gegenüber fliegen Schwalben ums Haus. Auf einem Fenstersims sitzt eine Katze und bewegt lüstern ihre Augen entlang der Flugbahnen der Schwalben. Leider kann sie nicht fliegen…

 

Wetter: sonnig und sehr heiß; 30 °C  Tagesstrecke 27,2 km Durchschnittstempo inkl. Pausen; netto 4,32 km/h 2,84 km/h Unterwegszeit (9:16 - 18:50) 9:34 Summe Aufstiege. 550 hm Summe der Abstiege. 536 hm Gesamt-Kilometer des Abschnitts 2015 (Dole - Montbrison). 319,6 km.

 

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Hier eine kleine Übersicht:

Die Etappen zwischen Cluny und Montbrison

Auf der grünen Piste nach Taizé und Cluny

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Samstag 30. Mai 2015. Von St-Gengoux-le-National über Taizé nach Cluny.

Claude kümmert sich aufmerksam um ihren Gast. Sie hat für mich in Cluny einen Schlafplatz reserviert. Beim Frühstück erfahre ich noch einiges mehr über die Renovierungsarbeiten, die sie in Les Lierres durchgeführt hat. Nebenbei gießt sie ihre Pflanzen und Fensterblümchen. Als ich abmarschbereit bin, stellen wir uns vor dem Haus zu einem Abschiedsfoto auf. Der Selbstauslöser macht seine Arbeit ausgezeichnet.

Die Türme der Kirche in St-Gengoux. - © Foto: Erich Kimmich    Gastgeberin Claude Moreau und ihr pilgernder Gast. - © Foto: Erich Kimmich

Bergfried (1683) und davor das Waschhaus. - © Foto: Erich Kimmich

St-Gengoux-le-National ist mir ans Herz gewachsen. Als ich dann am Hotel de la Gare vorbei komme, stelle ich fest, dass an diesem Bahnhof längst keine Züge mehr fahren. Eine Voie Verte, eine „grüne Strecke“, ist aus der stillgelegten Bahntrasse geworden – eine Piste für Radfahrer, Skater und Wanderer. Alles ist sehr gut beschriftet und markiert. An querenden Straßen hat die Voie Verte Vorfahrt sofern es sich nicht um belebte Hauptstraßen handelt: Dann müssen die Radwanderer Rücksicht nehmen.Ich setze mich auf eine der zahlreichen Sitzbänke und schnüre die Schuhe fester.

St-Gengoux: Bahnhof und Voie Verte. - © Foto: Erich Kimmich    Auf der Voie Verte Richtung Süden. - © Foto: Erich Kimmich

Jetzt kann ich mal zeigen, welches Tempo ich im optimalen Flachland zu leisten vermag. Doch schneller als 6 km/h wird es nicht. Mir fehlt offenbar noch diese Fitness, die sich erst nach einigen Wanderwochen so richtig einstellt.

Bahnbrücke bei Cormatin. - © Foto: Erich Kimmich    Chateau Cormatin. - © Foto: Erich Kimmich

Vor Malay führt die Route über das Flüßchen La Guye. Dann sehe ich das Schloss von Cormatin auf der linken Seite. Immer wieder stehen Sitzbänke am Rand der Piste, die ich gerne für eine kleine Verschnaufpause nutze. Wenn es auf anderen Abschnitten solche Sitzbänke gegeben hätte – was wäre das für ein Komfort gewesen!

Abzweig nach Taize: unten verläuft die Voie Verte. - © Foto: Erich Kimmich   

Gleich hinter Cormatin quert die Voie Verte eine Straße und dann verlässt der Muschelweg die Radpiste, steigt sanft aufwärts, an herrlichen Eichenbäumen vorbei. Schon nach wenigen Metern hat man einen Überblick auf die Umgebung. An einer langen Steinmauer entlang kommt der Pilger ins Dörfchen Ameugny und ich bewundere den Turm der uralten Kirche.

. - © Foto: Erich Kimmich    Kirchturm in Ameugny. - © Foto: Erich Kimmich

Rosenblüten in Ameugny. - © Foto: Erich Kimmich

Es ist gegen 12 Uhr mittags. Ein Mädchen fotografiert die blühenden Rosen an einer Hauswand, andere schlendern auf der Straße. Immer mehr Leute gehen in meine Richtung, Jugendliche zumeist. Sie reden in allen Sprachen, ich höre bayrisch, englisch, französisch. Oder sie gehen schweigend, sind einzeln oder meist in Grüppchen. Da wird mir klar, dass Taizé nicht mehr weit sein kann.

Auf dem Weg zum Gebet in Taizé. - © Foto: Erich Kimmich

Ich lasse mich einfach mit dem Strom der Vielen dahin treiben und schon bald stehe ich vor dem zeltartigen Eingang der Ökumenischen Gemeinschaft von Taizé. An den Türen stehen Jugendliche mit einem „Silence“-Schild. Um 12.30 Uhr beginnt das Gebet. Mit fröhlichen Liedern, die in mehreren Sprachen gesungen werden. Sitzbänke gibt es nicht; man sitzt auf dem Boden in markierten Abschnitten. Es ist eine Woche nach Pfingsten und offenbar sind viele Besucher da. Von meinem Sitzplatz im hinteren Teil des verschachtelten Gebäudes – den schweißnassen Rucksack habe ich neben mich an die Außenwand gestellt – kann ich nicht mal bis zum Zentrum des Geschehens sehen.

Ökumenische Gemeinschaft von Taize. - © Foto: Erich Kimmich    Ökumenische Gemeinschaft von Taize. - © Foto: Erich Kimmich

Ökumenische Gemeinschaft von Taize. - © Foto: Erich Kimmich

Nach knapp 30 Minuten ist das Gebet beendet und die Menge verläuft sich. Einige Jugendliche sind gruppenweise zum Staubsaugen eingeteilt und reinigen die Teppichbodenfläche mit Ungetümen der Marke Nilfisk. Nun durchschreite ich die hallenartige Versöhnungskirche und bewundere den Altarbereich und die stimmungsvollen, farbigen acht Glasfenster an der Südseite, die wie moderne Schießscharten in die Betonwand eingelassen sind. Sie wurden von Frère Éric de Saussure gestaltet.

Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich    Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich

Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich    Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich

Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich    Glasfenster von Frère Éric de Saussure. - © Foto: Erich Kimmich

Die ökumenische Gemeinschaft Taizé wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Roger Schutz gegründet. Heute leben etwa 90 Brüder in Taizé, die sich für ein Leben im Vertrauen auf die Lehre Christi und für die Versöhnung unter den Menschen stark machen. Neben der Kirche hat es große Zeltstädte und einfache Unterkünfte. Drei Mal täglich trifft man sich zum beten und singen.

Es hat mich ausgeglichener gemacht; sogar den Hunger kann ich eine Weile noch ignorieren. So spaziere ich durch das kleine Dorf hinaus, das mehr als 100.000 Jugendlichen pro Jahr besucht wird. Schon bald bin ich wieder auf der Voie Verte angelangt und nutze eine der Sitzbänke für eine Vesperpause.

Auf der Voie Verte nach Cluny. - © Foto: Erich Kimmich    Cluny in Sicht. - © Foto: Erich Kimmich

Noch etwa zehn Kilometer monotones Schritt-für-Schritt stehen mir bevor. Die TGV-Linie von Paris nach Lyon und Marseille kreuzt die grüne Route. Im 5-Minuten-Abstand sausen die Hochgeschwindigkeitszüge in beide Richtungen vorbei wie donnernde Düsenjäger – doch keiner macht Halt in Cluny! Claude hat mir heute morgen von Leuten erzählt, die täglich nach Paris pendeln. Doch es ist mehr als die eine Stunde Fahrzeit, denn am Ziel muss noch der Weg zum Arbeitsplatz, am Start die Autofahrt zum TGV-Bahnhof dazu gezählt werden…

Als ich die markante Kirche von Cluny sehe, verlasse ich die Voie Verte. Die Jakobsmuschel leitet mich ins Zentrum. Bald habe ich die städtische Herberge „Cluny séjour“ gefunden und mich eingerichtet. Durst und Hunger sind nun die wichtigsten Bedürfnisse. Also: Los ins Städtchen! Am Place du 11 août, dem Vorplatz der ehemaligen Abteikirche, steht eine Gruppe von Franzosen, die fröhliche Lieder im Walzertakt singen. Denen macht das Singen richtig Spaß! Es entsteht eine lockere Stimmung auf dem Platz. Ein wenig Zuhören und ein demi peche dazu. Prima. Ein Blumenbeet ist in voller Blüte.

Blütenvielfalt in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Singgruppe in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich    Abteikirche Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Ich gehe ein Stück in die Rue Mercière und entscheide mich am Place Petit Marché für das Restaurant La Nation. Die Sonne scheint durch eine Seitenstraße hinter Notre-Dame, die Gäste und die Gläser glänzen im Gegenlicht. Es ist eine wunderbare Stimmung, einer dieser ganz besonderen Momente.

Restaurant la Nation in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Gegenlicht beim Abendessen. - © Foto: Erich Kimmich

Auch die Speisekarte ist eine Offenbarung. Ich entscheide mich für das Menu de la Nation zu 28 Euro und wähle folgendes aus:

  • Tranché de Foie gras de canard, Réduction de cassis et Chutney
  • Le Filet de Saint-Pierre, le Beurre rouge, les Légumes du marché
  • La Variété de fromage au choix
  • Crème de fraises

Tranché de Foie gras de canard, Réduction de cassis et Chutney. - © Foto: Erich Kimmich    Saint Veran, burgunder Weißwein. - © Foto: Erich Kimmich    Le Filet de Saint-Pierre, le Beurre rouge, les Légumes du marché. - © Foto: Erich Kimmich

Varieté de fromages. - © Foto: Erich Kimmich    Creme de fraises. - © Foto: Erich Kimmich    Restaurant la Nation in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Die Speisen sind sorgfältig abgestimmt und äußerst wohlschmeckend. Ich bin andächtig dabei und genieße jeden Bissen. Es ist Nacht geworden und schon spät, als ich beschwingt den Rückweg ins Quartier antrete.

Restaurant la Nation in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Zuvor werfe ich einen andächtigen Blick hinauf zum Turm der Abteikirche. Soeben ist der Mond hinter eine Wolke verschwunden.

Abteikirche in Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Nächtliches Cluny. - © Foto: Erich Kimmich

Wetter: bewölkt, abends heiter; 20 °C Tagesstrecke 24,4 km Durchschnittstempo inkl. Pausen; netto 4,49 kmh 3,01 km/h Unterwegszeit 8:06 Summe Aufstiege. Maximale Höhe 350 m 526 hm Summe der Abstiege. Minimale Höhe 171 m 551 hm Gesamt-Kilometer des Abschnitts 2015 (Dole - Montbrison). 180,4 km.

 

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Ein Blick in die Etappen-Karte:

Auf dem Burgunder Jakobsweg bis Montbrison

Grüne Hecken und weite Landschaft

Jakobsweg, Wandern Diesen Beitrag kommentieren »

Freitag 29. Mai 2015. Von St-Désert entlang der Hügelkette nach St-Gengoux-le-National.

Um acht Uhr soll es Frühstück geben hatten wir vereinbart. Ich gehe die Treppe hinunter und wieder außen herum auf die Terrasse am Garten, die Tür fällt lautstark ins Schloss. Der Kies knirscht lautstark beim Auftreten. Doch nichts passiert. Gegen 8:30 Uhr sehe ich die Hausherrin dann durchs Küchenfenster und sie deckt nun das Frühstück auf der Terrasse. Ein wenig widerwillig wie mir scheint. Auf die Frage, was ich noch möchte und meiner Antwort „Orangensaft“ belehrt sie mich, dass das nicht gesund sei. Sie hat bereits Orangenspalten und Bananenstücke in einer Art Müsli hergerichtet. Zusammen mit einem frischen Croissant, dunklem Brot, Orangenmarmelade und einer Mini-Flûte ergibt sich ein feines Frühstück. Ihr Mann hat mir ein Käppi geschenkt als ich davon erzählt habe, wie sehr mich die Sonne gestern traktiert hat.

Mit neuer Kopfbedeckung. - © Foto: Erich Kimmich     Bewohnte Windmühle bei St-Desert. - © Foto: Erich Kimmich     Blumenpracht am Wegrand. - © Foto: Erich Kimmich
Mein Rucksack ist bereits gepackt und so starte ich in St-Désert um 9:25 Uhr. Vor dem Haus den Berg hinauf, gegenüber kann ich den Mont Avril sehen, den ich gestern quasi umrundet habe. In aller Ruhe geht es aufwärts, Sonne pur und dazu ein kräftiger Wind. Prima. Das nimmt den Schweiß gleich mit! Im Turm einer alten Windmühle wohnt eine Familie. Märchenhaft! Bald habe ich die korrekte Wegstrecke wieder erreicht und folge der blau-gelben Jakobsmuschel.

Blick nach Moroges. - © Foto: Erich Kimmich

Leucht-Wölkchen. - © Foto: Erich Kimmich      Abwechslungsreicher Wegverlauf. - © Foto: Erich Kimmich

Rast am Croix-de-St-Morille. - © Foto: Erich Kimmich

Am Croix-de-St-Morille ist eine Sitzbank unter der großen Eiche. Hier mache ich eine Rucksackpause. Im Wind trocknen die nass geschwitzten Klamotten recht rasch. Das ist eine ausgezeichnete Wetter-Mischung heute! Der Blick reicht weit ins Land hinaus; ein wunderschönes Plätzchen ist das hier.

Panorama-Ausblick in die Weinberge. - © Foto: Erich Kimmich

Einige Kilometer weiter kommt der nächste Rastplatz. Hier steht hoch über dem Tal der Grosne eine Marienstatue an der Bergkante und blickt hinaus in die Weite. Diese Sonne ist heute durch den Wind wunderbar angenehm. Diese Aussicht ist genial! Tief unten sind Weinberge und kleine Weiler zu sehen, das müssten St-Vallerin und Jully-lès-Buxy sein weiter hinten.

Ausblick von der Marienstatue aus. - © Foto: Erich Kimmich

Der Wegverlauf ist einzigartig. Immer wieder bietet sich diese herrliche Aussicht, dann stehen wieder grüne Hecken links und rechts des Weges.

Cotes du Maconnais. - © Foto: Erich Kimmich

Mauer auf ursprüngliche Art. - © Foto: Erich Kimmich

Vor Culles-les-Roches geht es abwärts. Bei einer kurzen Rast überholt mich eine wandernde Dame. Später überhole ich zwei Wandersmänner. Noch ein paar Kilometer leicht abwärts und ich erreiche ganz unverhofft das mittelalterliche Städtchen St-Gengoux-le-National, das mich gleich in seinen Bann zieht. Doch zuerst: Durst! Also nehme ich vor dem Gasthaus oberhalb der Apotheke Platz und genieße ein prickelnd-kühles Panachée.

Panachee in St-Gengoux. - © Foto: Erich Kimmich

Im Tourismusbüro frage ich nach Unterkünften. Die freundliche Dame telefoniert gleich los und vermittelt mich zum Gästezimmer Les Lierres (Der Efeu) in die Rue des Chapeliers. Hier empfängt mich eine ältere Dame. Sie heißt Claude und hat insgesamt drei Betten zu vermieten, mit Wifi, Kochgelegenheit und Dusche. Sie hat  im Jahr 2000 dieses schmale Haus gekauft und seither liebevoll renoviert und restauriert. Sie bietet sogar einen Wäsche-Service, den ich dankbar annehme.

Gästezimmer Les Lierres. - © Foto: Erich Kimmich

Mein Zimmer in Les Lierres. - © Foto: Erich Kimmich    Blick aus dem Fenster. - © Foto: Erich Kimmich
Die Zimmer strahlen eine wohnliche Heiterkeit aus. Hier gefällt es mir. Sehr zu empfehlen!

St-Gengoux liegt an der Weinstraße des Mâconnais. Es liegt am Kreuzungspunkt zweier antiker römischer Routen (Tournus – Mâcon und Joncy – Loire) und war schon in merowingischer Zeit besiedelt. Im Jahr 925 errichteten die Benediktiner aus Cluny eine Kirche, die dem Heiligen Gengoul gewidmet war. 1120 wurde eine neue Kirche errichtet; 1166 wird Saint Gengoux und seine Umgebung dem König Ludwig VIII unterstellt.  Im Jahr 1200 erlässt Ludwig eine königliche Charta, die Stadt heißt ab 1246 Saint Gengoux le Royal. 1793 wird die Stadt im Zuge der Revolution in Jouvence umbenannt. Ab 1870 nennt sie sich dann St-Gengoux-le-National. Heute ist sie eine der Sites clunisiens.

Die Kirche St. Gengoux. - © Foto: Erich Kimmich

Mauer-Blümchen in St. Gengoux. - © Foto: Erich Kimmich     Kapitell-Köpfe, Kirche in St. Gengoux. - © Foto: Erich Kimmich

Pflaster-Optik in St. Gengoux-le-National. - © Foto: Erich Kimmich

Der alte Turm St. Gengoux-le-National. - © Foto: Erich Kimmich    Charakteristische Fenster von Anfang 13, Jh. - © Foto: Erich Kimmich

Mittelalterliche Katze. - © Foto: Erich Kimmich    Hier nicht sitzen! - © Foto: Erich Kimmich

Dann mache ich mich auf zu einem Rundgang durch die wundervolle Altstadt. Er beginnt beim Waschaus von 1857. In der Kirche von 1566 mit ihrem zusätzlichen Uhrenturm und einer Zugangsbrücke zum achteckigen romanischen Glockenturm werfen die Glasfenster farbige Sonnenflecken an die Wände. Köpfe bilden den Abschluss der Bögen.  Ich fühle mich wie in eine frühere Epoche zurückversetzt. In einer kleinen Sackgasse steht ein uriger Turm, einer der ältesten der Stadt, der zur ersten Stadtmauer gehört hat Anfang des 13, Jahrhunderts. Oberhalb der Stadt steht der efeuumwachsene Turm François I und der sogenannte Mönchsturm, in dem früher die Soldaten untergebracht waren. Ein Fachwerkhaus reiht sich ans andere. Der Turm „La Courtille“ ist ein Treppenturm, der dem davor liegenden Platz seinen Charme gibt.

Place de la Courtille. - © Foto: Erich Kimmich

Hausdetail in St-Gengoux-le-National. - © Foto: Erich Kimmich

Am Abend kehre ich nochmals oberhalb der Apotheke dort ein, wo ich meinen ersten Durst gelöscht habe. Das Menü ist preiswert und sehr gut: Als Vorspeise gibt es reichlich Burgunder Schinken, als Hauptgericht habe ich mich mutig für den Tete de Veau entschieden, mit Sauce Gribiche – ein herrlich zartes Fleisch mit Kartoffeln und dieser wunderbaren Sauce mit dem eigenartigen Namen.

Abendessen: Burgunder Schinken. - © Foto: Erich Kimmich    Abendessen: Burgundischer Wein. - © Foto: Erich Kimmich    Tete de Veau. - © Foto: Erich Kimmich

Käse-Nachtisch. - © Foto: Erich Kimmich     Aprikosen-Flan. - © Foto: Erich Kimmich     Nächtlicher Heimweg. - © Foto: Erich Kimmich

Jana bietet mir aus der Ferne per WhatsApp gleich die Lösung: Sauce gribiche  ist eine traditionelle kalte Soße mit Ei, Kapern, Gewürzgurken, Senf, Essig, Öl, Estragon und Kerbel. Dazu ein kleines Fläschchen Montagny 1er Cru. Zum Abschluss gibt es dreierlei Käse und einen Flan d’abricots. Und natürlich ein Espresso ganz zum Schluss.
Schließlich frage ich neugierig, was die Herren da drüben genau trinken. Es ist „un demi peche“ – ein Bier mit einem Schuss Pfirsich-Sirup. Gut zu wissen… Neu gestärkt und wohlig gesättigt gehe ich zu Bett.

Wetter: sonnig, windig und warm; 24 °C  Tagesstrecke 22 km Durchschnittstempo inkl. Pausen 2,3 km/h Unterwegszeit 9:18 Summe Aufstiege. Maximale Höhe 350 m 668 hm Summe der Abstiege. Minimale Höhe 171 m 667 hm Gesamt-Kilometer des Abschnitts 2015 (Dole - Montbrison). 156,0 km.

 

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Rother Wanderführer: Jakobsweg Strasbourg - Le PuyDie Pilgerrouten nach Santiago de Compostela führen quer durch Europa. Einer dieser Wege nimmt seinen Ausgangspunkt in Straßburg und stellt nach 800 km in Le Puy-en-Velay den Anschluss an die Via Podiensis her. Dieser Jakobsweg ist im Gegensatz zum Spanischen Jakobsweg ein eher ruhiger Weg, auf dem kein Rummel herrscht. Zunächst wird das lebensfrohe Elsass mit seinen mittelalterlich anmutenden Winzerorten durchquert. Nach Belfort zieht der Weg durch die Franche-Comté. In Burgund ist man in den berühmtesten Weinberglagen der Welt unterwegs. Das im Mittelalter bedeutende geistige Zentrum Cluny zieht die Aufmerksamkeit der Pilger auf sich.
Dieser bewährte Rother-Wanderführer bietet alle nötigen Informationen zur Planung und Durchführung der Pilgerfahrt. Detaillierte Karten, präzise Beschreibungen der einzelnen Streckenabschnitte inklusive aussagekräftiger Höhenprofile sowie umfangreiche Angaben zur Infrastruktur am Weg, wie etwa Einkehr- oder Einkaufsmöglichkeiten, erleichtern die individuelle Tourenplanung auch abweichend von den im Buch gewählten Etappen. Außerdem werden umfassende Infos zu Lage und Ausstattung der am Weg liegenden Gîtes d Etapes sowie Hinweise auf weitere Übernachtungsgelegenheiten gegeben. Eine Auswahl aussagekräftiger Bilder vermittelt einen ersten Eindruck von der Vielfalt der Landschaft an diesem Jakobsweg und macht Lust, den Rucksack zu packen und aufzubrechen.

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Bergverlag Rother; 1. Auflage (2009)